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Will  man  erfahren,  wo  im  Berichtsjahre  die  meisten  Todesfälle  an  Kindbettfieber
und  anderen  Folgen  der  Geburt  festgestellt  sind,  so  empfiehlt  es  sich,  von  einer  Trennung
der  Gestorbenen  nach  Altersklassen  abzusehen,  vielmehr  die  Zahl  der  aus  solcher  Ursache  im
Jahre  gestorbenen  weiblichen  Personen  mit  der  Zahl  der  im  Jahre,  sei  es  lebend,  sei  es
todt  geborenen  Kinder  zu  vergleichen.  Die  vorstehende  Uebersicht,  in  der  auch  die  Verhältnißziffern
  errechnet  sind,  zeigt,  daß  die  höchste  Sterblichkeit  nach  Entbindungen  wie  im  Vorjahre
  in  Westpreußen  beobachtet  ist,  und  zwar  hier  namentlich  im  Reg.--Bez.  Danzig
(6,:  1000),  demnächst  in  Posen  und  Schaumburg-Lippe.  Seit  dem  Vorjahre  haben  sich
die  Sterblichkeitsverhältnisse  der  Wöchnerinnen  fast  durchweg  gebessert,  besonders  in
Sachsen-Coburg-Gotha,  Elsaß-Lothringen,  Hannover,  Westfalen,  Württemberg  und  Hohenzollern;
  etwas  ungünstiger  waren  sie  nur  im  Großherzogthum  Baden.  ·

Was  die  Häufigkeit  der  Kindbettfieber,  also  der  sicher  durch  Infektion  veranlaßten
Todesfälle  im  Wochenbett  betrifft,  so  war  in  Berlin,  Hamburg,  Schleswig-Holstein,  ferner
in  Baden,  Elsaß-Lothringen  und  der  Pfalz  mindestens  die  Hälfte  der  in  Folge  der  Entbindung
  eingetretenen  Todesfälle  durch  Kindbettfieber  verursacht,  in  Schlesien,  Hessen-Nassau

und  Bremen  der  dritte  Theil,  in  Ostpreußen  und  in  Schaumburg-Lippe  nicht  einmal  der
fünfte  Theil.

E.  Todtgeburten.  LTebendgeberene.  Neberschus  der  Geburten  über  die
Sterbefälle.

Die  Todesfälle  der  Mütter  im  Kindbette  legen  es  nahe,  auch  der  todtgeborenen
Kinder,  d.  h.  der  sonstigen  mit  dem  Geburtsakte  in  Verbindung  stehenden  Verluste  menschlicher
  Leben  zu  gedenken.

Im  Deutschen  Reiche  sind,  soweit  die  dem  Gesundheitsamte  zugegangenen  Ausweise
erkennen  lassen,  während  des  Berichtsjahres  33  von  je  tausend  neugeborenen  Kindern  als
todtgeboren  gemeldet,  d.  i.  verhältnißmäßig  ebenso  viele  wie  im  Jahre  vorher  (vgl.  S.  18),
aber  weniger  als  für's  gesammte  Deutsche  Reich  in  früheren  Jahrzehnten  festgestellt  worden
sind.  (vergl.  statist.  Jahrbuch  f.  d.  D.  Reich  Jahrg.  XVIII.  S.  27.)

Die  höchste  Ziffer  der  Todtgeburten,  ausgedrückt  in  Promille  aller  Geburten,  entfiel
i.  J.  1895  auf  das  Großherzogthum  Hessen  (38),  die  niedrigste  auf  Hohenzollern  (19)  und.
Schaumburg-Lippe  (22),  demnächst  auf  Baden  (27)  und  Bremen  (29);  im  Uebrigen  schwankte
diese  Ziffer  zwischen  30  und  37  %.

Lebend  geboren  wurden  im  Berichtsjahre,  wie  auch  im  Vorjahre,  verhältnißmäßig
die  meisten  Kinder  unter  der  mit  polnischen  Elementen  stark  durchsetzten  Bevölkerung  der
Provinzen  Posen,  Westpreußen  und  Schlesien,  die  wenigsten  unter  der  ausschließlich  großstädtischen
  Bevölkerung  von  Berlin.  Dort  kamen  rund  40  bis  43,  hier  nur  28  Lebendgeborene
  in  Jahresfrist  auf  je  1000  der  am  2.  Dezember  1895  gezählten  Einwohner.

Das  natürliche  Wachsthum  der  Bevölkerung,  d.  h.  der  Ueberschuß  der  Geburten
über  die  Sterbefälle  wird  zwar  in  der  Regel  mehr  durch  die  hohe  Zahl  der  Lebendgeborenen,
als  durch  die  niedrige  der  Gestorbenen  beeinflußt,  doch  ist  das  ungewöhnlich  starke  natürliche
  Wachsthum  im  Berichtsjahre  ausnahmsweise  mehr  der  niedrigen  Sterbeziffer  zuzuschreiben,
  da  die  Geburtsziffer  keineswegs  ungewöhnlich  hoch  gewesen  ist.

Im  ganzen  Deutschen  Reiche  einschl.  der  noch  nicht  an  der  Todesursachenstatistik  betheiligten
  Bundesstaaten  war  nach  den  vom  Kaiserlichen  Statistischen  Amte  veröffentlichten
Zahlen  der  Ueberschuß  der  Geburten  über  die  Sterbefälle  während  des  Jahres  1895  be-