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B.  Besondere  Mittheilungen.

Dauer  des  Impfgeschäfts.  Die  Impfungen  fanden,  abgesehen  von  besonderen  Fällen,
in  welchen  die  Termine  wegen  großer  Hitze  oder  aus  Anlaß  des  epidemischen  Auftretens  von
Krankheiten  oder  aus  anderen  zwingenden  Gründen  verlegt  werden  mußten,  in  der  Regel
überall  während  der  gesetzlich  vorgeschriebenen  Zeit  vom  Mai  bis  September  statt.  In
einigen  größeren  Städten,  z.  B.  Dresden  und  Hamburg,  war  auch  im  Winter  Gelegenheit  zu
öffentlichen  Impfungen  gegeben.  Außerordentliche  Impfungen  wurden  wegen  des  Auftretens
  von  Menschenpocken  in  Ringelheim,  Kreis  Goslar,  vorgenommen,  wo  2  Männer
und  2  Frauen  in  Folge  der  Einschleppung  der  Seuche  durch  einen  Maurer  aus  Rußland
erkrankt  waren,  ferner  in  München  und  in  den  bayerischen  Amtsbezirken  Reichenhall  (Bez.
Berchtesgaden),  Freyung  (Bez.  Wolfstein),  Kandel  (Bez.  Germersheim)  und  Waldmünchen,
sowie  in  dem  sächsischen  Medizinalbezirk  Bautzen.  In  Frankenhausen  (Schwarzburg-Rudolstadt)
  wurde  aus  gleichem  Anlaß  die  Vornahme  der  öffentlichen  Impfungen  beschleunigt.))

Hinsichtlich  der  Räumlichkeiten  für  die  Impftermine  kann  im  Allgemeinen  auf  das
in  den  früheren  Berichten  Gesagte  verwiesen  werden.  In  Hessen  haben  sich  die  bezüglichen
Verhältnisse  von  Jahr  zu  Jahr  gebessert,  da  die  Impfärzte  bei  Mißständen  stets  pflichtgemäß
auf  Abhülfe  hinwirkten.

Bezüglich  der  Betheiligung  der  beamteten  Aerzte  am  öffentlichen  Impfgeschäft
ist  gegenüber  den  früheren  Mittheilungen  )  anzuführen,  daß  im  Berichtsjahre  in  Baden  alle,
in  Reuß  ä.  L.  die  meisten  Impfärzte  beamtet  waren.  Die  Zahl  der  Privatimpfungen
hat  sich  in  Württemberg  wieder  von  4,6  %  sämmtlicher  Impfungen  im  Vorjahre  auf  4%%
vermehrt;  diese  Zunahme  betraf  nur  die  Erstimpfungen,  von  denen  8%  %  gegen  7,7  %  im
Vorjahre  durch  Privatärzte  ausgeführt  wurden;  die  Zahl  der  Privatwiederimpfungen  hat
sich  dagegen  von  1,,  %  im  Vorjahre  auf  1,#%  ermäßigt.  Im  Einzelnen  wird  darüber
aus  einigen  Berichten  Folgendes  angeführt:

In  Stuttgart  wurden  im  Berichtsjahr  1  156  Kinder  von  Privatärzten  geimpft,  im  Vorjahre  968,
im  Jahre  1891:  875.  In  einzelnen  Orten  des  Bezirks  Kirchheim  gingen  die  Homöopathen  von  Haus  zu
Haus,  um  von  der  öffentlichen  Impfung  abzurathen  und  zur  Privatimpfung  durch  den  homöopathischen
Arzt  zu  bestimmen.  In  Owen  wurde  diesem  das  Rathhaus  durch  Gemeinderathsbeschluß  zu  Privatimpfungen
  eingeräumt.  In  Aichelberg  erhielt  der  Distriktsarzt  in  Weilheim  ein  Fixum  unter  der  Verpflichtung,
  alle  Impflinge  in  Aichelberg  privatim  zu  impfen.  In  einem  Orte  des  Bezirks  Münsingen
wurden  die  meisten  Kinder  privatim  geimpft,  wobei  nur  2,  höchstens  8  Schnitte  gemacht  zu  werden  pflegten.

Im  Ulmer  Bezirk  betrug  der  Prozentsatz  der  Privatimpfungen  für  Erstimpflinge  in  der  Stadt  24  00,  auf
dem  Land  60,  im  ganzen  Oberamtsbezirk  15%.

Die  Impflisten  wurden  im  Allgemeinen  ordnungsgemäß  geführt.
In  einem  Orte  des  Kreises  Ortelsburg  versuchte  ein  Lehrer  an  Stelle  eines  bei  der  Nachschau  ausgebliebenen

  Impflings  zur  Erlangung  des  Impfscheines  einen  fremden  Impfling  unterzuschieben;  die  hierauf
gegen  den  Lehrer  eingeleitete  gerichtliche  Untersuchung  ist  noch  nicht  abgeschlossen.

Durch  Witterungseinflüsse  ist  das  Impfgeschäft  in  den  meisten  Bundesstaaten  wenig
gestört  worden.  Im  Reg.-Bez.  Oberfranken  blieben  am  18.  Mai  viele  Kinder  in  Folge
eines  heftigen  Schneesturmes  bei  den  Impf=  und  Nachschauterminen  aus.  In  den  höher
gelegenen  Gegenden  Württembergs  wurden  aus  gleichem  Anlaß  in  der  zweiten  Hälfte  des
Mai  einige  Impftermine  abbestellt  oder  verschoben.

Wegen  des  Auftretens  von  ansteckenden  Kraukheiten,  insbesondere  von  Masern,
Rötheln,  Scharlach,  Windpocken,  Diphtherie,  Keuchhusten,  Mumps,  Rose,  epidemischer  Genick-1)

  Bergl.  Mediz.-statist.  Mittheil.  a.  d.  Kaiserl.  Gesundheitsamte.  Bd.  IV,  S.  87  und  88.
2)  Ebenda.  Rd.  III,  S.  263.