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Bei  den  Impfungen  in  Kassel  blieb  die  Wirksamkeit  des  anstatt  mit  der  vierfachen
Menge  Glycerinwasser  fünffach  verdünnten  Impfstoffes  unverändert.

In  Köln  wurde  die  Wirksamkeit  der  Lymphe  durch  die  versuchsweise  zur  Durchführung
  der  Asepsis  und  Antisepsis  benutzten  chemischen  Mittel,  Alkohol  und  Formalingas,
ungünstig  beeinflußt.  Durch  die  Behandlung  des  Impffeldes  mit  Alkohol  wurde  der  Rohstoff
  zuweilen  ausgetrocknet  und  ließ  sich  dann  nicht  zu  einer  haltbaren  Emulsion  verreiben,
d.  h.  es  trat  bald  Trennung  der  flüssigen  von  den  festen  Elementen  ein.  Eine  solche
Lymphe  war  in  ihren  Erfolgen  ungleichmäßig.

In  München  stand  die  reine  Thierlymphe  hinter  der  Retrovaccine  insofern  zurück,
als  sie  meist  viel  stärkere  reaktive  Reizungen  zur  Folge  hatte  als  diese.  Einige  Sorten
Lymphe  mußten  freilich  während  der  Zeit  des  größten  Bedarfs  frisch  verbraucht  werden.

Der  Bericht  aus  Dresden  weist  darauf  hin,  welchen  Einfluß  die  Technik  auf  den
Erfolg  der  Impfung  hat.  Es  hatten  9  Impfärzte  von  1094  Erstimpfungen  96  Fehlerfolge;
  diese  Zahlen  von  denjenigen  in  der  vorstehenden  Tabelle  I  abgezogen  ergeben  auf
15  932  Erstimpfungen  nur  48  erfolglose.  Bei  den  Wiederimpfungen  verhält  es  sich,  abgesehen
  von  der  etwaigen  verschiedenen  Beurtheilung  des  Erfolgs,  ähnlich.

Da  nach  Zwickau  hinsichtlich  zweier  Ernten  ganz  entgegengesetzt  lautende  Erfolgsanzeigen
  erstattet  wurden,  konnte  die  betreffende  Lymphe  nicht  weiter  versendet  werden.

In  3  Fällen  wurde  Lymphe  wegen  des  Fehlens  von  Kapillaren  14  Tage  in  langhalsigen,
  gläsernen  Standkolben,  mit  Paraffin  luftdicht  verschlossen,  aufgehoben;  die  obere
klare  Flüssigkeit  ergab  nur  Fehlerfolge,  während  die  Lymphe  gemischt  sehr  gut  wirkte.

Der  Bericht  aus  Bautzen  bezeichnet  die  Wirksamkeit  der  Lymphe  als  sehr  gut  und
schreibt  dies  der  schwächeren  Verdünnung  und  dem  geringen  Zusatz  von  destillirtem  Wasser  zu.

Die  mit  Stuttgarter  Lymphe  erzielten  Impferfolge  stehen  hinter  früheren  zurück,
besonders  bei  den  Erstimpfungen  um  5%  gegen  das  Vorjahr.  Die  Mißerfolge  waren  um
so  empfindlicher,  als  sie  sich  nicht  gleichmäßig  vertheilten,  sondern,  gegen  die  Mitte  der  Impfzeit
  bei  den  Ernten  einzelner  Thiere  hervortretend,  nur  diejenigen  Aerzte  betrafen,  welche
später  mit  der  öffentlichen  Impfung  begannen  und  größere  Mengen  jener  Lymphesorten  erhalten
  hatten.

In  Darmstadt  wird  als  Ursache  der  gegen  das  Vorjahr  weniger  günstigen  Ergebnisse
  bei  den  Erstimpfungen  der  Umstand  bezeichnet,  daß  der  Impfstoff  nicht  frisch,  sondern
nach  mehrwöchentlicher  Ablagerung  zur  Versendung  kam.  Bei  den  Wiederimpfungen  waren
zwar  auch  die  personellen  Erfolge  geringer,  die  Schnitterfolge  aber  besser  als  früher.

Mit  den  in  Schwerin  hergestellten  Impfstoffmischungen  sind  die  erhofften  guten
Erfolge  nicht  erzielt  worden;  u.  a.  ergaben  sich  z.  B.  unter  den  4606,  2744  und  4182
Erstimpfungen,  welche  mit  den  Lymphemischungen  II,  III  und  IV  ausgeführt  wurden  10/,  4,
und  8,,%  Mißerfolge.  Ein  Theil  derselben  wird  auf  die  Technik  des  Impfens  zurückgeführt,
da  verschiedene  Aerzte  mit  derselben  Lymphe  ungleiche  Wirkungen  erzielten.  Die  Ursache
der  Abnahme  der  Wirksamkeit  konnte  nicht  ergründet  werden.  Nachdem  die  Anstalt  in
Stettin  gute  Stammlymphe  hergegeben  hatte,  womit  die  letzten  Kälber  beschickt  wurden,  und
ein  Thier  zur  Anzüchtung  eines  neuen  Stammes  mit  Kinderlymphe  geimpft  worden  war,
konnte  wieder  vorzüglich  wirksame  Lymphe  abgegeben  werden.  Nach  dem  Berichte  besteht
die  Absicht,  im  Jahre  1898  den  Impfstoff  des  im  Herbst  mit  Kinderlymphe  geimpften
Kalbes  weiter  zu  verimpfen,  ähnlich  wie  es  in  der  K.  K.  Impfstoffgewinnungsanstalt  zu
Wien  geschehe,  wo  stets  das  erste  Kalb  im  Januar  mit  Kinderlymphe  geimpft,  und  der
Ertrag  zur  Impfung  weiterer  Kälber  verwendet  werde.