—  132  —

Ueber  die  Bernburger  Lymphe  liefen  zur  Zeit  der  größten  Inanspruchnahme  der
Anstalt  (im  Mai)  zahlreiche  Klagen  hinfichtlich  der  Wirksamkeit  ein,  obgleich  die  Probeimpfungen
  ganz  vorzügliche  Resultate  ergeben  hatten  und  die  Lymphe  erst  nach  deren  Feststellung
  versandt  war.  Die  Ursachen  sind  im  Abschnitt  7  mitgetheilt.

Der  Hamburger  Impfstoff  erwies  sich  bei  der  Erstimpfung  in  der  Impfanstalt  als
recht  befriedigend  wirksam,  aber  das  Durchschnittsresultat  des  ganzen  Jahres  litt  darunter,
daß  in  mehreren  großen  Impfterminen  des  Sommers  eine  mit  Spiritus  hergestellte  Vaccineemulsion
  verimpft  wurde,  welche  fast  ganz  unwirksam  war.  Im  Frühjahr  hatte  sich
ein  eben  solcher  Impfstoff  als  durchaus  haftsicher  bewährt.  (Vergl.  Abschnitt  7.)

Der  Ausfall  der  Wiederimpfungen  gestaltete  sich  beinahe  ebenso  dürftig  wie  in  allen
den  Jahren,  in  welchen  die  mit  Hamburger  Variolavaccine  geimpften  Kinder  als  Zwölfjährige
  zur  Wiederimpfung  kamen.  Zur  Ergründung  der  Ursache  dieser  Erscheinung  wurden
von  der  Impfanstalt  in  Karlsruhe  bezogene  6  000  Portionen  Lymphe  vergleichsweise  auf
Wiederimpflinge  verimpft.  Auch  gegen  diese  Lymphe  erwiesen  sich  die  Wiederimpflinge  auffallend
  refraktär.  (Vergl.  Abschnitt  7).

Auf  je  6  Impfschnittchen  wurden  in  der  Impfanstalt  bei  der  Erstimpfung  5/29  (im
Vorjahre  5,18,  1895:  5/6),  bei  der  Wiederimpfung  2,18  (1/68  bezw.  28/)  Pusteln  erzielt.

Von  1223  mit  Spirituslymphe  geimpften  Erstimpflingen  waren  80,,%,  von  80  Wiederimpflingen
  7,5  %  mit  personellem  Erfolg  geimpft.

Die  Straßburger  Lymyhe  hat  sich  hinsichtlich  der  Wirksamkeit  als  sehr  gut  erwiesen;
  früheren  Erfahrungen  gegenüber  hat  sie  nicht  abgenommen.  Ueber  die  nach  Süd-Afrika
  in  das  Basuto-Land  gesandte  Lymphe  ist  noch  keine  Nachricht  vorhanden.  Der  dort
im  Vorjahre  erzielte  Erfolg  wird  als  sehr  schön  bezeichnet.  Soweit  über  Militärimpfungen
genaue  Auskunft  vorhanden  war,  sind  bei  einem  Bataillon  100  %  personelle  Erfolge  und
auf  6  Schnitte  im  Mittel  5  Pusteln  erzielt  worden.

Die  Haltbarkeit  der  Thierlymphe.

Ein  aus  Berlin  mit  Lymphe  versehener  Impfarzt  impfte  mit  118  Tage  altem
Impfstoff  79  Erst=  und  55  Wiederimpflinge.  Der  Erfolg  betrug  24  und  36  %%.  Die
Schnitterfolge  waren  noch  erheblich  schlechter.  Ein  Privatarzt  verzeichnete  dagegen  vollen
personellen  Erfolg  seiner  Impfungen  mit  einer  ihm  am  49.  Tage  zugesandten  Lymphe  bis
zum  150.  Tage  nach  deren  Gewinnung.

Die  in  Stettin  erzeugte  Thierlymphe  erwies  sich  wie  im  Vorjahr  etwa  3  Monate
lang  gut  haltbar;  von  da  ab  wurden  die  Pocken  kleiner  und  der  Schnitterfolg  geringer.
Die  stärker  verdünnte  Lymphe  zeigte  früher  eine  Abnahme  der  Haftsicherheit.  Zu  den
öffentlichen  Impfungen  wurde  4  bis  69  Tage  alter  Stoff  abgegeben.

Die  in  Halle  a.  S.  im  Frühjahr  erzeugte  Lymphe  besaß  noch  im  Dezember  ausreichende
  Wirksamkeit.  Oeffentliche  Impfärzte  erhielten  die  1896er  Lymphe  im  Alter  von  188
bis  199,  die  im  Berichtsjahre  gewonnene  im  Alter  von  55  bis  204  Tagen.  An  Privatärzte
  ist  bis  zu  256  Tagen  alte  Lymphe  abgegeben  worden.

Aus  Hannover  ist  Näheres  über  die  Haltbarkeit  der  Thierlymphe  auf  S.  107  und
130  mitgetheilt.  Im  Uebrigen  wurde  Lymphe  niemals  abgegeben,  bevor  sie  nicht  2  Monate
alt  war;  mehr  als  ¾  des  Impfstoffes  war  bei  der  Verimpfung  3  bis  7,  ein  geringer
Theil  bis  12  Monate  alt.  Die  Rekrutenimpfungen  wurden  größtentheils  mit  erst  5  Wochen
alter  Lymphe  vollzogen.