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In  Kassel  war  ein  5  Monate  alter  Impfstoff  bei  Erstimpflingen  noch  wirksam,  allerdings
  nicht  mehr  in  vollem  Maße.

In  Köln  war  die  Haltbarkeit  der  Lymphe  weniger  befriedigend  als  früher;  als  Grund
werden  die  Temperaturverhältnisse  des  Sommers  und  die  auf  S.  131  angegebenen,  die  Wirksamkeit
  ungünstig  beeinflussenden  Umstände  angesehen.

Aus  Dresden  ist  berichtet  worden,  daß  das  Alter  des  Impfstoffes  bei  der  Versendung
10  bis  mehr  als  100  Tage  betrug.

Die  in  Zwickau  im  Dezember  gewonnene  Lymphe  hielt  sich  kaum  ½  Jahr,  Lymphe
aus  dem  Juni  war  bis  Ende  Oktober  kräftig  wie  frische.

Aus  Bautzen  wurde  die  Lymphe  in  der  Regel  nach  mehrwoöchentlicher  Lagerung  im
Eisschrank  abgegeben;  auch  3  bis  4  Monate  alte  Lymphe  hatte  guten  Erfolg.

In  Stuttgart  waren  einige  Sendungen  Impfstoff  von  dem  Assistenten,  verlockt  durch
die  anfänglich  guten  Erfolge,  zu  dünn  verrieben  1).  Bei  den  Probeimpfungen  entstanden
neben  einzelnen  ausgebliebenen  Schnitten  schöne  reine  Pusteln.  Die  Wirksamkeit  war
aber  nicht  von  Dauer.  Nachdem  Mißerfolge  eingetreten  waren,  übernahm  der  Vorstand
die  Verreibung  der  Lymphe  wieder  selbst.

Der  Bericht  aus  Cannstatt  enthält  die  Angabe,  daß  mit  241  Tage  alter  Thierlymphe
  vollständiger  Erfolg  erzielt  wurde;  bei  den  ersten  5  Thieren  haftete  249  bis  294
Tage  alter  Stoff.

Die  Lymphe  aus  Karlsruhe  behielt  ihre  Wirksamkeit  viele  Wochen  und  Monate.
Es  wurde,  angeregt  durch  die  Arbeiten  der  „Kommission  zur  Prüfung  der  Impfstoff-Frage“
stetig  die  Lomphe  3  bis  4  Wochen  lang  auf  Lager  (im  Keller,  im  hohen  Sommer  im  Eisschrank)
  zurückbehalten,  bevor  sie  an  die  Impfürzte  gelangte.  Dies  hat  sich  nach  den  Ergebnissen
  des  Impfgeschäfts  bewährt.

In  Darmstadt  wurde  der  Impfstoff  Nr.  X  vom  10.  Juni  1896  am  19.  März  1897
auf  1  Thier  verimpft,  also  über  9  Monate  alt.  Der  Ertrag  bestand  in  19  g  Rohlymphe.
Mit  dieser  Lymphe  ausgeführte  Erstimpfungen  hatten  zu  98/8%  personellen  und  zu  93,1%
Schnitterfolg,  Wiederimpfungen  zu  98,  bezw.  86%%.

Einzelne  Impfstoffnummern  wurden  noch  nach  vielen  Monaten  mit  Erfolg  verwendet.
Der  vorbezeichnete  Impfstoff  X  erzielte  noch  im  Februar  1897  absoluten  personellen  und
Schnitterfolg.  Eine  andere  Lymphe  vom  23.  Juni  1896  zeigte  erst  im  Juni  1897  erheblichen
  Nachlaß  (etwa  die  Hälfte  der  Impfungen  erfolglos),  eine  dritte  vom  23.  Juli  1896
gab  im  Mai  1897  noch  60  %  Erfolge.  Mit  einem  Impfstoff  vom  8.  März  1897  wurde
im  Oktober  noch  absoluter  Erfolg  erzielt.  Die  übrigen  Nummern  kamen  in  der  Regel  nach
2  bis  3  Monaten  zur  Verwendung.  Nr.  VI  erzielte  bei  verschiedenen  Aerzten  im  Oktober
noch  guten  Erfolg,  nur  zwei  Aerzte  klagten  über  einen  Nachlaß  im  Juli  und  September.

Die  Bernburger  Lymphe  ließ  vieles  zu  wünschen  übrig.  Wie  sich  herausstellte,
wurde  die  Haltbarkeit  durch  das  versuchsweise  eingeschlagene  Verfahren  der  Herstellung  beeinträchtigt
  (vergl.  S.  143).

In  Bremen  wurde  wiederum  6  Monate  alte  sogenannte  Dauerlymphe  zur  Einleitung
der  Kälberimpfungen  benutzt.

Hamburger  Lymphe  war  bei  der  Verimpfung  auf  Kälber  bis  zu  63  Tagen  alt.  In
einem  Falle  wurde  hierbei  Lymphe  im  Alter  von  132  Tagen  mit  fast  ganz  negativem  Erfolge

  versucht.

1)  Vergl.  die  VBorschläge  der  Königl.  preußischen  Kommission  zur  Prüfung  der  Impfstofffrage.