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Der  Bericht  aus  Schwerin  erwähnt  dreier  Meldungen  über  Späterysipel,  eine  über
Entzündung  und  Eiterung  des  Unterhautzellgewebes,  eine  über  Verschwärung  oder  brandige
Beschaffenheit  der  Impfpusteln  ohne  nähere  Angaben.  In  Schwerin  wurden  einige  Fälle
eines  ansteckenden  impetiginösen  Ausschlags  beobachtet,  für  welche  die  Lymphe  nicht  verantwortlich
  war.

Unter  den  in  Hamburg  vorhandenen  etwa  40  000  Geimpften  wurden  18  Fälle
stärkerer  Randentzündung  bei  Wiedergeimpften,  10  Fälle  nennenswerther  Achseldrüsenschwellung,
  1  mal  Achseldrüsenvereiterung,  1  mal  Eiterung  des  Unterhautzellgewebes,  1  mal
Augenbindehautentzündung,  je  einige  Fälle  von  Mundfäule  und  Varicellen,  je  1  Fall  von
Mumps,  Parulis  purulenta  und  Furunkel,  eine  Anzahl  von  Erkrankungen  an  verschiedenartigen
  Ausschlägen  und  einigemal  Impetigo  beobachtet.  Sämmtliche  Erkrankte  genasen;
bei  vielen  von  ihnen  bestand  kein  Zusammenhang  des  Leidens  mit  der  Impfung,  dasselbe
fiel  nur  zeitlich  mit  ihr  zusammen.  Todesfälle  in  Folge  der  Impfung  kamen  nicht  vor.

Eine  Straßburger  Zeitung  brachte  eine  Mittheilung  über  ungünstige  Folgen  der  Impfung
  in  Merzweiler  (Kreis  Hagenau).  Die  Untersuchung  ergab  die  Unrichtigkeit  der  Angaben.

Die  Anstalt  in  Metz  erhielt  in  keinem  der  eingelaufenen  Berichte  Mittheilungen  über
Erkrankung  von  Impflingen  nach  der  Impfung.  Nur  in  der  Stadt  Metz  wurden  vereinzelt
bei  Erst-  und  etwas  häufiger  bei  Wiederimpflingen,  bei  diesen  aus  oft  erwähnten  Ursachen,  entzündliche
  Erscheinungen  beobachtet.  Schwerere  Erkrankungen  kamen  nicht  vor.

7.  Ergebnisse  wissenschaftlicher  Untersuchungen.

Bei  Versuchen  mit  intraperitonealer  Verimpfung  von  Lymphe  in  Stettin  entstanden
am  Peritoneum  der  Impfkälber  flache  Auswüchse,  die  mit  Glycerin  und  Wasser  verrieben,
bei  der  Verimpfung  auf  andere  Kälber  sich  zwar  wirksam  erwiesen,  aber  nicht  gute  Stichpocken,
  sondern  mehr  perlschnurartig  aneinander  gereihte  und  vereinzelte  Pocken  zur  Entwickelung
  brachten.  Es  wurde  angenommen,  daß  in  den  peritonealen  Auswüchsen  wohl  noch
Reste  der  eingespritzten  Lymphe  gehaftet  haben.

Versuche,  die  Impfstelle  beim  Kinde  unmittelbar  nach  der  Impfung  mit  verschiedenartigen
  Pflastern  zu  decken  und  letztere  bis  zur  Ausbildung  der  Pocken  und  darüber  hinaus
haften  zu  lassen,  haben  weder  hinsichtlich  der  Entwickelung  und  Beschaffenheit  der  Pocken,
noch  der  Röthung  in  ihrer  Umgebung  einen  besonderen  günstigen  Einfluß  erkennen  lassen.

Aus  den  in  Oppeln  mit  jeder  Emulsion  angestellten  Kulturversuchen  ergab  sich  in
keinem  Falle  das  Vorhandensein  pathogener  Organismen.  Der  Keimgehalt  der  Lymphe
war  höchst  gering.  Die  Untersuchungen  fanden  in  der  Regel  erst  nach  längerem  Lagern
des  Rohstoffes  in  Glycerin  statt.

Nach  einer  Reihe  vergeblicher  Versuche  ließen  sich  schließlich  in  Schnittpräparaten  aus
den  Bronchialdrüsen  des  einen  erkrankten  Kalbes  1)  sicher  Tuberkelbacillen  nachweisen.  Es
gelang  jedoch  weder  aus  dem  Drüsenmaterial  noch  aus  der  von  dem  Kalbe  gewonnenen
Lymphe  Tuberkelkulturen  zu  erzielen.

Von  zwei  in  Halle  a.  S.  mit  Menschenpockenstoff  geimpften  3  Wochen  alten  Kälbern
reagirte  das  eine  (Nr.  44)  fast  gar  nicht,  das  andere  (Nr.  43)  bekam  eine  oberflächliche
Pocke  und  knötchenförmige  Anschwellungen.  Beide  Kälber  wurden  am  11.  Tage  mit  Kinderlymphe
  geimpft  und  zwar  das  erstere  mit  vollem  Erfolg,  das  andere  mit  einem
Erfolg  von  37  vereinzelten  aber  charakteristischen  Pusteln,  welche  am  5.  Tage  schon  einzutrocknen
  begannen.

1)  Vergl.  S.  103.