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Von  dem  zweiten  Kalbe  wurden  sowohl  die  mit  Variola  erzeugte  Pocke,  deren  Oberfläche
  verletzt  und  schorfbedeckt  war,  am  7.  Tage,  als  auch  die  vereinzelten  Pusteln  abgenommen
  und  mit  GElgycerin  verrieben  aufbewahrt.  Das  Material  aus  der  Variolapocke
wurde  4  Tage  alt  auf  ein  drittes  Kalb  erfolgreich  verimpft  und  am  5.  Tage  nach  der
Impfung  von  den  wegen  Durchfall  abtrocknenden  Pusteln  abgekratzt.  Mit  dem  Ertrag
wurden  auf  einem  weiteren  Kalbe  gleichmäßig  gut  entwickelte  Pusteln  erzielt;  letztere  wurden
am  5.  Tage  abgeerntet.  Auf  Menschen  fand  eine  Verimpfung  der  gewonnenen  Lymphe
noch  nicht  statt.

Bei  dem  dritten  Thier  bildeten  sich,  nachdem  der  Durchfall  nachgelassen,  am  6.  Tage
nochmals  Pocken  von  geringem  Umfange,  welche  in  gewöhnlicher  Weise  abheilten.  Die
vom  zweiten  Thiere  entnommene  Retrovaccine  ergab  auf  einem  Kalbe  perlschnurartige  aber
sonst  typische  Pusteln,  deren  geringer  Ertrag  zwar  zubereitet,  bisher  aber  noch  nicht  weiter
verimpft  wurde.  Auf  dem  letztbezeichneten  Thiere  haftete  die  Retrovaccine  des  zweiten
Kalbes  nach  dem  Bericht  unsicher.  Dieses  hatte  durch  die  voraufgegangene  Variolation
eine  gewisse  Immunität  erlangt;  daß  die  nachfolgende  Impfung  noch  anschlug,  wird  dadurch
erklärt,  daß  nur  eine  Variolapocke  entstanden  war,  und  daß  die  Impfung  schon  am  10.  Tage
nach  der  Variolation  vorgenommen  wurde.

Die  Ergebnisse  von  Versuchen  mit  Blutserum  faßt  der  Bericht  folgendermaßen  zuammen:


n  I.  „Bei  Kalb  51  ist  nach  der  subkutanen  Einspritzung  von  1020  cem  Serum,  das  einem  mit
vollem  Erfolge  vaccinirten  Kalbe  (Nr.  44)  19  Tage  nach  der  Impfung  entnommen  war,  eine  gegenüber
dem  Kontrolthiere  nur  rudimentäre  und  durch  schnellen  Verlauf  ausgezeichnete  Entwickelung  von  Pocken
eingetreten  und  späterhin  durch  eine  erfolglose  zweite  Vaccination  volle  Immunität  nachgewiesen  worden.
Ob  das  erste  Resultat  als  Wirkung  einer  spezifischen  Immunität  aufzufasfen  ist,  muß  bei  dem  Fehlen
eines  Kontrolversuches  mit  einer  gleich  großen  Menge  normalen  Serums  dahingestellt  bleiben.

II.  Bei  den  Kälbern  54,  55  und  56  ist  nach  der  Einspritzung  von  75  cem  Vaceine=  bezw.  normalem
Serum  die  Entwickelung  der  Impfstellen  zu  Pocken  nur  der  Zahl  nach  hinter  der  normalen  zurückgeblieben.
Es  dürfte  diese  Erscheinung  immerhin  als  eine  Folge  der  Serumeinspritzung  anzusehen  sein.  Denn  wenn
sie  auch  bei  dem  Kontrolthiere  in  gleicher  Weise  eintrat,  so  hat  sie  doch  wohl  bei  diesem,  in  Anbetracht
der  Seltenheit,  in  der  Kälber  mit  angeborener  Immunität  angetroffen  werden,  als  eine  zufällige  zu  gelten.

Jedenfalls  ist  aber  aus  den  Versuchsergebnissen  bei  diesen  3  Kälbern  zu  schließen  erlaubt,  daß
durch  Einspritzung  geringer  Mengen  von  Kälberserum  —  mag  es  sich  nun  um  normales  Serum  oder  um
Baccineserum,  das  während  des  Virulenzstadiums  des  Vaccineprozesses  oder  nach  Ablauf  desselben  gewonnen
  ist,  handeln  —  daß  durch  diese  Einspritzung,  wenn  durch  sie  überhaupt  eine  Immunität  gegen
Baccine  zu  erreichen  ist,  nur  eine  solche  von  geringer  Intensität  zu  erzielen  ist.  Inwieweit  diese
Immunität  als  eine  spezifische  oder  nicht  spezifische  zu  gelten  hat,  müssen  weitere  Versuche  entscheiden.“

Mehrere  in  Hann  over  angestellte  Versuche  mit  sedimentirter  Lymphe  fielen  sehr
ungleich  aus  (vergl.  S.  130).

Die  Ergebnisse  der  im  Vorjahre  1)  erwähnten  bakteriologischen  Untersuchungen  sämmtlicher
  vorjährigen  Lymphesorten  sind  inzwischen  vom  Oberstabsarzt  Prof.  Dr.  Kirchner  zu
Hannover  unter  dem  Titel:  „Ueber  den  Keimgehalt  animaler  Lymphe“  veröffentlicht.)  Zu
denselben  hebt  der  Bericht  hervor,  daß  —  abgesehen  von  den  Berichten  der  Impfärzte  —
nach  den  etwa  4  000  Probeimpfungen  der  Anstaltsärzte  an  Erstimpflingen  ein  Einfluß  des
größeren  oder  geringeren  Keimgehalts  auf  die  Wirksamkeit  und  Haltbarkeit  der  Lymphe,
wie  auch  auf  die  verursachten  entzündlichen  Reaktionen  in  keiner  Weise  zu  Tage  trat.

Die  Annahme,  daß  derbe,  unverletzte,  vor  der  völligen  Reife  abgenommene  Pusteln
weniger  Bakterien  enthalten  als  vorgeschrittenere,  später  abgenommene  Pocken  von  mitunter

1)  Bgl.  Bd.  IV,  S.  159.
2)  Vergl.  Zeitschrift  für  Hygiene  und  Infektionskrankheiten  Bd.  24,  S.  590  ff.

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