—  138  —

krustiger,  zum  Theil  weicher  gelblicher  Beschaffenheit,  deren  Oberfläche  nach  Entfernung  der
Krusten  nicht  völlig  unverletzt  erscheint,  traf  nicht  zu.

Als  bemerkenswerth  wird  ferner  bezeichnet,  daß  eine  Lymphe,  welche  gelbe  Staphylokokken
  enthielt,  sich  als  ein  hervorragend  guter  Impfstoff  erwies,  auch  ganz  frisch  bei
Probeimpfungen  abnorm  entzündliche  Reaktion  nicht  veranlaßte  und  nach  8  Wochen  verimpft
  vom  Lehrer  der  Impftechnik  an  der  Universität  Kiel  als  eine  „vorzügliche  Lymphe“
bezeichnet  wurde.  Der  Bericht  folgert  daraus,  daß  die  bakteriologischen  Untersuchungen  des
Impfstoffes  für  die  Praxis  kaum  einen  Zweck  haben  und  namentlich  dann  unnöthig
sind,  wenn  die  Lymphe  erst  nach  Ablagerung  von  2  und  mehr  Monaten  zur  Verwendung
gelangt.

Mit  einigen  Sorten  Lymphe  von  guter  Wirksamkeit  und  Haltbarkeit  wurden  während
der  letzten  drei  Jahre  Versuche  über  den  Einfluß  des  Lichts  auf  den  Vaccine-Erreger  angestellt.
Farblose  und  braune,  mit  Lymphe  gefüllte  Kapillarröhrchen  wurden  2  bis  8  Wochen  lang
im  mäßig  warmen  Zimmer  offen  vor's  Fenster  an  der  Westseite  gelegt,  wo  sie  auch  reichlich
direktes  Sonnenlicht  erhielten.  Zur  Kontrole  lagen  einige  in  Holzbüchsen  eingeschlossene,
mithin  vor  jeder  Belichtung  geschützte  Röhrchen  daneben.  Bei  den  wöchentlich  mit  jeder
Lymphesorte  vorgenommenen  5  bis  10  Probeimpfungen  an  Kindern  zeigte  sich  keinerlei  Unterschied
  in  der  Wirksamkeit  der  Lymphe.  Die  Versuche  fielen  in  die  Monate  März  und  April
1895,  März  bis  Mai  1896  und  Oktober  1897.  Die  Lymphe  war  zu  Beginn  derselben
5  bis  6,  bei  der  späteren  Verimpfung  6  bis  7  Monate  alt.

Ueber  den  Bakterienge  halt  des  Impfstoffes  der  außerpreußischen  Anstalten
haben  im  Kaiserlichen  Gesundheitsamte  wissenschaftliche  Untersuchungen  stattgefunden,  deren
Ergebnisse  von  Stabsarzt  Dr.  Deeleman  im  1.  Hefte  des  XIV.  Bandes  der  Arbeiten  aus
dem  Kaiserlichen  Gesundheitsamte  auf  den  Seiten  88  ff.  unter  dem  Titel:  Ueber  den
Bakteriengehalt  der  Schutzpockenlymphe  veröffentlicht  sind.

In  München  ist  die  bakterienfeindliche  Eigenschaft  des  Glycerins  durch  neue  Versuche
  bestätigt  worden.  Aus  einer  Lymphe  entwickelten  sich  am  18.  Dezember  1896  auf
Agar  (bei  37°)  12600,  auf  Gelatine  7  500  Kolonien  pro  cem.  Nach  2  Monaten  wurden
auf  Agar  in  1  cem  nur  noch  1.000,  auf  Gelatine  bei  220  sogar  nur  noch  150  Kolonien
gezählt.  Aus  einer  anderen  Lymphe  entwickelten  sich  an  dem  oben  bezeichneten  Tage
auf  Agar  17250,  auf  Gelatine  10  100  Kolonien,  2  Monate  später  nur  noch  800
bezw.  500.

In  Dresden  wurde  am  23.  März  eine  ½  Jahr  alte  Ziege  mit  3  Sorten  wirksamer
  Lymphe  geimpft.  Am  29.  März  wurden  die  entstandenen  theilweise  halblinsengroßen,
weißgrauen,  flachen,  weichen,  mit  hellrothem,  2  bis  3  mm  breitem  Hof  umgebenen  Bläschen
abgeschabt.  Die  Menge  des  Stoffes  war  gering.  Der  Grund  der  Bläschen  war  nicht  infiltrirt.
  Am  30.  März  waren  die  unverletzten  Pustelchen  eingetrocknet.  Der  abgenommene
Pustelstoff  wurde  auf  ein  Kalb,  bei  dem  gleichzeitig  verimpfte  Kälberlymphe  gut  haftete,
ohne  Erfolg  übertragen.

Ueber  die  im  Auftrage  des  Königlich  sächsischen  Landes-Medizinal-Kollegiums  für  das
Impfinstitut  zu  Dresden  vorgenommenen  Lympheuntersuchungen  berichtet  die  Königliche
Zentralstelle  für  öffentliche  Gesundheitspflege  in  dem  genannten  Orte  Folgendes:

„Bei  den  Lymphenntersuchungen  des  Jahres  1896  war  lediglich  die  Zahl  sämmtlicher  Bakterien,  die
sich  in  1  Tropfen  Lymphe  vorfanden,  durch  Aussäen  auf  Agar-Agarplatten  festgestellt  worden.  Infolge
der  verschiedenen  Weite  der  Lympheröhrchen  sowohl,  wie  auch  infolge  der  verschieden  dicken  Konsistenz  der
Lymphe  war  es  aber  nicht  zu  vermeiden,  daß  man  bei  der  einen  Untersuchung  mehr  Lymphematerial  auf