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den  Nährboden  bekam  als  bei  einer  anderen.  Ein  Bergleich  der  verschiedenen  Untersuchungsergebnisse
untereinander  war  daher  nicht  möglich.  ·

Um  diesen  Uebelstand  zu  heben,  ging  man  deshalb  bei  den  Untersuchungen  des  Jahres  1897  meist
in  folgender  Weise  vor.  Die  Lympheröhrchen  wurden,  nachdem  der  den  Siegellackverschluß  tragende  Theil
an  beiden  Seiten  mittels  eines  Glasmessers  abgeschnitten  worden  war,  auf  der  chemischen  Waage  genau
gewogen.  Sodann  wurde  1  Tropfen  aus  dem  Röhrchen  in  den  Nährboden  eingebracht  und  das  Gewicht
des  Röhrchens  hiernach  wiederum  festgestellt.  Daß  mit  möglichst  reinen  Instrumenten  und  Fingern  unter
Vermeidung  jedes  unnöthigen  Anfassens  der  Austropfstelle  vorgegangen  wurde,  ist  wohl  selbstverständlich.
Dennoch  ist  aber  bei  dem  immerhin  einige  Zeit  in  Anspruch  nehmenden  Abwägen  eine  Luftinfektion  der
Lymphe  nicht  gänzlich  zu  umgehen.  Bei  der  Menge  der  in  Betracht  kommenden  Bakterien  kann  dieser
Fehler  jedoch  wohl  übersehen  werden.

Das  auf  diese  Weise  festgestellte  Gewicht  eines  Tropfens  Lymphe  wurde  benutzt  um  die  in  demselben
festgestellten  Bakterien  auf  1  g  Lymphe  zu  berechnen.
Um  wieviel  das  Gewicht  eines  einzelnen  Tropfens  schwanken  kann,  mögen  folgende  Beispiele  beweisen:

1  Tropfen  Lymphe  von  Kalb  Nr.  6  wog:  O24  6
n  %  "  8  „  0,%%  „
»  „  „  „  11  „  O0  0%i18  „
„  »  „  „  „  13  „  O,  „
r  L  „  19  „  %%%  „
2  «  «·,,34»  0,ono,,
„  37  O,  ss

Das  Gewicht  eines  einzelnen  Tropfens  bewegt  sich  also  zwischen  10,  und  28%,  ma.

Die  Untersuchungen  des  Jahres  1896  hatten  als  hauptsächlichstes  Ergebniß  die  auch  anderwärts
beobachtete  Abnahme  der  Bakterienmenge  in  der  Lymphe  bei  längerem  Aufbewahren  der  letzteren  festgestellt
und  hatten  dargethan,  daß  die  Lymphe  nach  etwa  6  Wochen  keimfrei  wurde.

Beide  Beobachtungen  wurden  auch  in  diesem  Jahre  in  gleicher  Weise  wieder  gemacht.

Der  Bergleich  der  Bakterienzahlen,  wie  sie  in  der  umseitigen  Tabelle  aufgeführt  sind,  unter
einander  ergiebt  nun  das  interessante  Resultat,  daß  der  Anfangsgehalt  an  Bakterien  in  der  frisch  bereiteten
  Lymphe  äußerst  verschieden  ist.  Es  giebt  Lympheproben,  die  von  Anfang  an  einen  außerordentlich
hohen  Bakteriengehalt  haben,  wieder  andere  aber,  bei  denen  derselbe  ziemlich  niedrig  ist.  Es  seien  zum
Vergleich  die  folgenden  Zahlen  besonders  hervorgehoben:

1  g  Lymphe  von  Kalb  Nr.  12  enthielt  3  Tage  nach  der  Bereitung  10  200  Keime

„  „  „  „  13.  z„  „  „  2355  500  „
1  „  „  „  „  „  16  „  1  „  „  „  „  unzählbar  viele
1"  „  „"„  „  „  20  „  3  „  „  „  »  38  000  Keime
I  ,,  »,,87,,-1,,  ,,  50  000  „

Die  Tabelle  ergiebt  des  Weiteren,  daß  der  Anfangsgehalt  an  Bakterien  bei  der  Abnahme  der
Bakterienzahlen  gar  keine  Rolle  spielt.  Wir  haben  Lympheproben  untersucht,  deren  sehr  hoher  Anfangsgehalt
  rasch  eine  starke  Abminderung  erfuhr,  sodaß  die  Lymphe  ziemlich  bald  keimfrei  wurde  (vergl.  Kalb
Nr.  15  und  16  der  Tabelle),  während  andere  mit  relativ  geringem  Anfangsgehalt  ebenso  lange  oder  auch
noch  längere  Zeit  brauchten,  um  zu  demselben  Punkte  zu  gelangen.  (Vergl.  Kalb  Nr.  12  und  Nr.  46.)

Es  kommt  also  nicht  auf  die  Menge  der  der  Lymphe  beigemischten  Bakterien  an,  wie  lange  Zeit
verstreichen  muß,  um  dieselbe  keimfrei  zu  erhalten,  sondern  auf  die  vorhandenen  Bakterienarten.

Es  konnte  nun  festgestellt  werden,  daß  der  Einwirkung  des  Glycerins  den  größten  Widerstand  entgegenstellen
  und  sich  am  längsten  lebens=  und  entwickelungsfähig  erhielten  weiße  und  rosa  Hefe,  gelbe
Sarcine  und  zwei  Kokkenarten,  eine  weiße  und  eine  orauge,  von  denen  die  letztere  manchmal  die  Fähigkeit
besaß,  die  Gelatine  zu  verflüssigen,  manchmal  nicht.  «

DerinjedemFall,beiwelchemsichdieGelatinevetflüssigendeorangegefürbteKokkenkolonienauf
der  Platte  vorgefunden  hatten,  ausgeführte  Thierversuch  ist  niemals  positiv  ausgefallen,  so  daß  man
also  nicht  mit  Sicherheit  sagen  kann,  ob  man  es  in  diesen  Fällen  mit  Staphylococcus  aureus  zu
thun  hatte.

Andere  theils  mit  frischer,  theils  mit  älterer  Lymphe  vorgenommene  Thierversuche  wurden  in
folgender  Weise  ausgeführt.  Der  Inhalt  von  1  oder  2  Röhrchen  wurde  in  etwa  1  com  steriler  Bouillon
aufgeschwemmt  einem  Meerschweinchen  intraperitoneal  injizirt.  Das  Resultat  war  stets  negativ.  Die
Thiere  zeigten  auch  nicht  die  geringste  Reaktion.