—  142  —

Stupfern  erhielten,  nicht  wesentlich  verschiedene  Keimzahl  hatten.  —  Eine  etwa  1  Jahr
alte,  jedoch  noch  kräftig  wirksame  Lymphe  enthielt  im  Mittel  100  Keime  im  Gramm.

Injektionen  von  5  bis  10  cem  kräftiger  Lymphe  in  das  Parenchym  der  Hoden  ließen
makroskopisch  nach  5  Tagen  weder  am  Hoden  noch  sonst  eine  Veränderung  erkennen.  Gleichzeitig
  gerieth  auf  dem  Impffeld  stets  eine  tadellose  Ernte.

In  Stuttgart  wurde  die  Abwaschung  des  Impffeldes  mit  2%  Lysollösung  versucht.!),
  Die  Entwickelung  der  Pocken  wurde  dadurch  nicht  gehemmt.  Der  Bericht  bezeichnet
  jedoch  die  Frage,  ob  die  vor  der  Lympheabnahme  ausgeführte  Lysolabwaschung
nicht  abschwächend  oder  zerstörend  auf  die  Lymphe  einwirkte,  als  schwierig  zu  entscheiden,
  bei  der  Weiterimpfung  auf  Thiere  sei  dies  allerdings  nicht  bemerkbar  gewesen.
Im  Mai  hatte  Stuttgarter  Lymphe  am  Menschen  noch  guten  Erfolg.  Später  in  der
wärmeren  Jahreszeit  trat  ein  Nachlaß  der  Wirksamkeit  der  Stammlymphe  ein.  Das
Medizinalkollegium  hat  die  fernere  Verwendung  desinfizirender  Abwaschungen  untersagt.

Ein  Versuch,  den  Bauch  der  geimpften  Thiere  durch  Umwickelung  gegen  Verunreinigung
  zu  schützen,  verlief  unbefriedigend.  Dagegen  bewährte  sich  als  Deckmittel  ein
aus  Lanolin,  Glycerin  und  Gummi  arabikum  hergestelltes  Liniment  (sog.  Wachsliniment)
oder  Epidermin  besser  als  Zinkleim  oder  eine  Kautschuklösung.  Das  Liniment  haftete
4  Tage,  besonders  gut,  wenn  man  Schichten  loser  Verbandwolle  darauf  ankleben  ließ.
Auch  die  Pusteln  entwickelten  sich  unter  der  leicht  abwaschbaren  Schutzdecke  normal.  (Ein
Deckverband  kostet  2  bis  3  ci%).  Das  mit  dem  Spatel  aufzutragende  Epidermin  kostet  pro
Kilogramm  10  c,  100  g,  für  1  Thier,  kosten  1  co  Der  warm  mit  dem  Pinsel  aufgetragene
  Zinkleim  aus  Glycerin,  Gelatine  und  Zinkoxyd,  hielt  sich  als  Decke  nicht  an  allen
Stellen  4  volle  Tage.  Bei  einem  Thiere  gediehen  unter  seinem  Schutze  die  Pusteln  gut.
Eine  Kautschuklösung  in  Benzin  befriedigte  nach  einem  Versuch  als  Schutzverband  nicht,
reizte  vielmehr  die  Haut  und  ließ  die  Pusteln  nicht  zur  Entwickelung  kommen.

Die  Versuche  sind  nur  an  je  einem  Thiere  gemacht  worden.

Die  Anstalt  zu  Karlsruhe  hat  versuchsweise  eine  größere  Verdünnung  der  zum
Versandt  bestimmten  Lymphe  mit  Glycerin  im  Verhältniß  von  1:5  (statt  bisher  1:2  und
1:3)  eintreten  lassen.  Diese  Neuerung  hat  sich  nach  den  Endergebnissen  des  Impfgeschäfts
gut  bewährt,  ebenso  auch  die  mehrwöchentliche  Aufbewahrung  vor  der  Abgabe  (vergl.  S.  133).
Dagegen  bewährte  sich  die  sedimentirte  Lymphe  nicht.

Auf  Veranlassung  und  unter  Betheiligung  des  Anstaltsleiters  wurden  umfassende
Untersuchungen  über  den  Keimgehalt  der  Lymphe  sowohl  an  frischem  als  auch  an  wochenlang
  in  Glycerin  gelagertem  Impfstoff  von  27  Thieren  der  Anstalt  angestellt.  Die  Ergebnisse
  sind  in  den  „Arbeiten  aus  dem  bakteriologischen  Institut  der  technischen  Hochschule  zu
Karlsruhe"  unter  dem  Titel:  W.  Migula,  „Der  Keimgehalt  und  die  Widerstandsfähigkeit  der
Bakterien  der  animalen  Lymphe“  veröffentlicht.  Der  Bericht  hebt  daraus  hervor,  daß  in
sämmtlichen  Lympheproben  niemals  pathogene  Bakterienarten,  insbesondere  auch  nicht  die
gewöhnlichen  Eitererreger,  aufgefunden  wurden.  Weiter  bestätigte  sich  die  Fähigkeit  des
Glycerins,  den  Gehalt  der  Lymphe  an  fremden  Keimen  wesentlich  und  rasch  zu  vermindern,
ohne  die  eigentliche  Wirksamkeit  der  Lymphe  als  Vaccine-Erreger  zu  beeinträchtigen.

Sämmtliche  Impfstoffnummern  der  Darmstadter  Anstalt  wurden  frisch  und  mehr
oder  weniger  abgelagert  im  hygienischen  Laboratorium  der  Universität  Gießen  auf  ihren
Keimgehalt  untersucht.  Auch  wurden  mit  Lymphe  und  mit  aus  dieser  gewonnenen  Reinkulturen
  an  Thieren  und  am  menschlichen  Arm  Versuche  angestellt.  Der  über  diese  Unter-1)

  Vergl.  auch  die  Versuche  in  Cannstatt  S.  118.