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suchungen  rc.  von  dem  Assistenten  am  hygienischen  Institut  zu  Gießen,  Dr.  Dreyer,  erstattete
Bericht  ist  in  der  Zeitschrift  für  Hygiene  und  Infektionskrankheiten  veröffentlicht  worden.1)
Der  Berichterstatter  glaubt  den  Schluß  ziehen  zu  dürfen,  daß  sich  Anhaltspunkte  nicht  ergeben
  haben,  welche  die  Befürchtung  gerechtfertigt  erscheinen  lassen,  daß  die  animale  Lymphe
bei  ihrer  jetzigen  Herstellung  irgend  welche  ernstere  Schädigungen  für  die  Impflinge  bedingt.

In  Weimar  blieb  die  Impfung  zweier  Kälber  mit  dem  Stoff  anscheinend  vorzüglich
aufgekommener  Retrovaccinepocken  erfolglos.  Die  beiden  Kälber,  im  Impfstall  geboren,  hatten
etwa  8  Tage  mit  den  geimpften  Kälbern  zusammen  im  gleichen  Verschlage  des  gemeinschaftlichen
  Kuhstalles  gestanden.  Bei  einem  derselben  wurde  nachträglich  eine  Impfpocke  an
der  Innenseite  des  linken  Unterschenkels  gefunden.

Der  Anstaltsleiter  hat  in  dem  1.  Bande  der  II.  Auflage  des  „Handbuch's  der  Therapie
innerer  Krankheiten“  von  Pentzoldt  und  Stinzing  (Verlag  von  Gustav  Fischer  in  Jena
1897)  unter  dem  Titel:  „Behandlung  und  Prophylaxe  der  Blattern“  eine  Zusammenstellung
  über  den  heutigen  Stand  der  gesammten  Impffrage  veröffentlicht.

Aus  Bernburg  wurde  Folgendes  berichtet:

Wie  im  vorjährigen  Berichte  mitgetheilt?),  waren  nach  der  Verimpfung  der  frischen  Lymphe  in
verschiedenen  Fällen  sehr  starke  Reizerscheinungen  an  den  Impfpocken  beobachtet  worden.  Um  eine
Wiederholung  ähnlicher  höchst  unliebsamer  Vorfälle  zu  verhüten,  hatte  der  Borstand  schon  im  Vorjahre
versucht,  sog.  keimfreie  Lymphe  herzustellen  und  in  diesem  Sinne  das  Augenmerk  besonders  auf  die  Aussaat
und  die  Präparirung  der  Impffläche  gerichtet.  Die  angestellten  Bersuche  waren  günstig  ausgefallen.5)

Im  Berichtsjahre  ist  in  demselben  Sinne  weiter  operirt  worden.  Es  sollte  aber  versucht  werden,
noch  weiter  zu  gehen.  Da  die  Deckverbände  der  Impffläche  kein  befriedigendes  Resultat  ergeben,  wie  im
vorjährigen  Berichte  schon  angegeben  wurde,  so  wurde  versucht,  die  Impffläche  auf  andere  Weise  keimfrei
herzustellen;  sie  wurde  täglich  mit  Borlösung  und  anderen  antiseptischen  Mitteln  gereinigt,  auch  wurden
bei  der  Abnahme  des  Impfstoffes  in  reichlicher  Menge  desinfizirende  Mittel  verwendet.

Obwohl  hinterher  stets  eine  energische  und  sorgfältige  Abspülung  der  Impffläche  stattfand,  so  müssen
doch  Reste  der  antiseptischen  Lösungen  in  dem  Impfsloffe  verblieben  sein  und  nach  und  nach  auf  die
Wirksamkeit  der  gewonnenen  Lymphe  störend  eingewirkt  haben.  Es  zeigte  sich  nämlich,  daß  die  gewonnene
  Lymphe  frisch  verwendet  allemal  vorzügliche  Resultate  ergab,  in  manchen  Fällen  aber  nach  1  bis
2  Wochen  oder  schon  früher,  ja  schon  nach  wenigen  Tagen  an  Birulenz  auffallend  einbüßte.  So  zum
Beispiel  ergab  die  Lymphe  von  Kalb  Nr.  3,  welche  am  13.  April  entnommen  war,  bei  der  ersten  Probeimpfung
  am  14.  April  bei  9  Impflingen  100  %½%  Schnitterfolg,  bei  der  zweiten  Probeimpfung  am  21.  April
noch  950%  Schnitterfolg,  bei  der  dritten  Probeimpfung  am  28.  April  kaum  80%%  Erfolg.  Aehnlich  Nr.  4.
Ueber  die  Lymphe  von  diesen  beiden  Kälbern,  welche  anfangs  ganz  vorzüglich  wirksam  gewesen  war,  ist
gerade  von  den  Impfärzten  die  meiste  Klage  geführt  worden.  Sobald  die  Ursache  erkannt  war,  wurden
desinfizirende  Mittel  bei  der  Abnahme  des  Impfstoffs  nicht  mehr  angewendet  und  die  Impffläche  nur
aseptisch  mit  sterilem  Wasser  behandelt.  Dagegen  wurde  die  Desinfektion  der  Impffläche  vor  Ausführung
der  Impfung  noch  forgfältiger  ausgeführt,  als  bisher  schon  und  zwar  in  der  im  vorjährigen  Berichte  beschriebenen
  Weise.  Besonders  auf  Gewinnung  einer  keimfreien  Aussaat  ist  daneben  nach  wie  vor  der
größte  Werth  gelegt  worden,  ebenfalls  in  der  schon  früher  beschriebenen  Weise.  Es  dürfte  dies  vielleicht
ein  Punkt  sein,  der  die  größte  Aufmerksamkeit  verdient.  Da  es  leicht  ist,  völlig  keimfreie  humanisirte
Lymphe  zu  erhalten,  so  dürfte  auch  hierin  ein  Vorzug  der  Retrovaccine  vor  der  von  Thier  zu  Thier  fortgezüchteten
  Lymphe  zu  sinden  sein.

Die  Wirksamkeit  der  gewonnenen  Lymphe  ist  wieder  wie  in  früheren  Jahren  ausnahmslos  ganz
vorzüglich  gewesen,  seitdem  in  der  beschriebenen  Weise  verfahren  worden  ist.  (Keimfreie  Aussaat,  sorgfältige
  Desinfektion  der  Impffläche  vor  der  Impfung,  aseptische  Behandlung  der  Impffläche  ohne  Zusatz
besinfizirender  Mittel  bei  Abnahme  des  Impfstoffs.)

Wie  der  Vorstand  sich  regelmäßig  in  den  Imyfterminen  überzeugte,  hatten  sich  nach  Impfung  mit
solcher  Lymphe,  sofern  sie  frisch  verwendet  wurde,  ideal  schöne  typische  Pocken  ohne  irgend  welche  Reizerscheinungen
  bei  den  Impflingen  regelmäßig  entwickelt.

1)  Vergl.  dort  Bd.  27,  S.  116.
2)  Vergl.  Bd.  IV.  S.  158.  —  )  Ebenda,  S.  162.