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Der  Bericht  aus  Hamburg  enthält  die  nachstehenden  Mittheilungen  über  Versuche
mit  Spirituslymphe,  den  Impfschutz  durch  Variolavaccine  und  mit  keimfreier  Lymphe.

„a.  Spiritus-Lymphe.  Im  Auschluß  an  Untersuchungen,  welche  gleichzeitig  in  anderen  deutschen
Anstalten  vorgenommen  sind,  wurden  auch  in  Hamburg  Beobachtungen  über  die  Brauchbarkeit  eines  Zusatzes
  von  Spiritus  zum  Rohstoff  der  Kalbsvaccine  augestellt.

Zunächst  wurde  der  Rohstoff  mit  Wasser  sein  verrieben,  danach  Spiritus  in  verschiedenen  Mengen
hinzugefügt,  in  einigen  Fällen  auch  Glycerin  hinzugesetzt  und  alles  verrieben,  dann  die  Emulsion  in  die
üblichen  Glasbüchsen  gefüllt,  verkorkt,  mit  Paraffinwachs  verschlossen  und  kühl  aufbewahrt.

Laut  der  nachstehenden  Uebersicht  ist  das  Folgende  hervorzuheben:

CEin  Zusatz  von  6  Theilen  Spiritus  zu  einer  Mischung  von  einem  Theil  Rohstoff  und  einem  Theil
Wasser,  also  eine  75  %  Spiritusmischung  machte  den  Impfstoff  steril,  aber  auch  so  gut  wie  ganz  unwirksam.
  Ein  Spirituszusatz  von  11  bis  14%  zum  mit  Wasser  oder  mit  Glycerin  und  Wasser  verriebenen
Rohstoff,  lieserte  in  der  kühleren  Jahreszeit  einen  brauchbaren  Impfstoff,  der  sich  noch  nach  mehreren
Wochen  der  üblichen  Glycerinemulsion  ebenbürtig  an  die  Seite  stellen  ließ.

Aber  in  der  wärmeren  Jahreszeit  hat  sich  ein  solcher,  wie  auch  ein  mit  20  %  Spiritus  versetzter
Impfstoff  hier  in  Hamburg  ganz  schlecht  bewährt  und  bei  reichlicher  Verwendung  in  den  Impfterminen  die
Erfolgsziffer  der  diesjährigen  Erstimpfungen  erheblich  herabgedrückt.  Sie  lieferte  im  ersten  Impfgange
einen  persönlichen  Fehlerfolg  von  19,4  %.  Außerdem  bildet  der  in  Glasbüchsen  aufgehobene  Spiritusimpfstoff
  keine  gleichartige  Masse;  die  flüssigen  und  dicken  Theile  sondern  sich  von  einander  und  müssen
beim  Gebrauche  in  dem  Uhrschälchen  oder  auf  der  Glasplatte  erst  wieder  miteinander  verrieben  werden,
wenn  man  einen  gleichmäßigen  Impfstoff  verwenden  will.  Wesentlicher  ist  der  Uebelstand,  daß  die  ohne
Elycerin,  lediglich  mit  Wasserbeimischung  hergestellte  Spirituslymphe  auf  dem  Uhrschälchen  alsbald  verdunstet,
  also  nicht  ausgiebig  ausgenutzt  werden  kann.

Da  dieser  mit  Spiritus  hergestellte  Impsstoff  außerdem  nicht  steril  ist  (siehe  die  Uebersicht  bei
Kalb  2),  so  hat  es  keinen  Zweck,  unsere  durchaus  bewährte  Glycerin-Emulsion  aufzugeben,  um  solche
Spirituslymphe  an  ihre  Stelle  zu  setzen.

(Hier  folgt  die  Uebersicht  auf  Seite  145.7

b.  Impfschutz  durch  Variolavaceine.  Schon  in  den  letzten  8  Jahresberichten  ist  darauf  hingewiesen
  worden,  daß  die  Wiederimpfung  in  Hamburg  im  Vergleich  mit  den  Erfolgsziffern  anderer  deutscher
Impfanstalten  —  siehe  „Medizinalstatistische  Mittheilungen  aus  dem  Kaiserlichen  Gesundheiksamte“  Band  III
S.  307  —  außerordentlich  unwirksam  bleibt.  Diese  Hamburger  Erfolgsziffer  hängt  im  Wesentlichen  ab  von
der  Ansicht  des  Hamburger  Oberimpfarztes  über  das,  was  er  als  positiven  Erfolg  der  Wiederimpfung  ansieht,
  richtet  sich  aber  nach  den  Regeln  der  Wissenschaft  und  kann  wohl  um  einige  Prozente,  aber  nicht  um
viele  Prozente  diese  Ziffer  beeinflussen.  In  den  letzten  Jahren  aber,  und  zwar  seitdem  diejenigen  Kinder  in
das  Wiederimpfungsalter  traten,  welche  einst  in  ihrer  Kindheit  mit  der  Hamburger  Variolavaccine  des  Jahres
1881  geimpft  worden  waren,  haben  sich  die  Unterschiede  zwischen  den  Erfolgsziffern  der  in  Hamburg  und
der  im  übrigen  Deutschland  ausgeführten  Revaccinationen  so  erstaunlich  vergrößert,  daß  hier  entweder  die
Unwirksamkeit  unseres  jetzigen  Impfstoffes  oder  ein  besonderes  Walten  der  Immunität,  die  von  der  Erstimpfung
  abstammt,  vorliegen  muß.

In  der  Hamburger  Staatsimpfanstalt  stellten  sich  während  der  letzten  zehn  Jahre  die  im  ersten
Impfgang  der  Impfung  und  Wiederimpfung  erhaltenen  Erfolgsziffern,  wie  folgende  Tabelle  1)  zeigt:

In  den  Jahren
1888  1889  1890  1891118921893  1894  18951896  1897
Erster  Impfgang  der  ·
fung......«......  99,u99,8599,7499,4799,——99,st98,s-99,7599,2999,n
Wiederimpfung
a.  in  der  Impfanstalt.  83487!9S  89,1¼87y,,2  „  „66,59,.,,66,
b.  bei  den  Distriktsärzten  7  88“%  84,0  88,2  7,„68,  O
(alle  3  Impfgänge)

1)  Die  Zahlen  der  Tabelle  stimmen  mit  den  früher  veröffentlichten  entsprechenden  Zahlen  nicht  vollständig

  überein.