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Hiernach  ist  in  Hamburg  zur  Erstimpfung  immer  kräftige  Vaccine  verwendet  worden;  die  Ziffer
des  persönlichen  Erfolges  sank  unter  99%%  nur  im  Jahre  1894,  als  wir  den  Rohstoff  der  Kälber  mit
3  Theilen,  anstatt  wie  vor-  und  nachher  mit]  2  Theilen  Glycerin  verrieben  und  nun  den  reichlicheren
Impfstoff  wohl  zu  langsam  verbrauchten.  Gegenüber  dieser  Gleichartigkeit  des  Ausfalles  der  Erstimpfung
in  allen  den  Jahren  schwankt  der  Ausfall  der  Wiederimpfungen  außerordentlich.  Im  Jahre  1888  war
die  Ziffer  nur  88,4;  damals  wandte  man  noch  Sublimatabwaschungen  und  Thymolglycerin  an  und  aus
diesem  Grunde  war  die  Lymphe  schwächlicher.  Beides  fiel  weg  und  seit  dem  Jahre  1889  schwankt
die  Erfolgsziffer  der  Revaccination  zwischen  87  und  90,  bis  sie  im  Jahre  1898  anfing,  zu  sinken  und  im
Jahre  1896  die  Zahl  59  erreichte,  ohne  daß  diese  Erscheinung  von  einem  Sinken  der  Erfolgsziffer  der
Erstimpfung  begleitet  war,  also  ohne  daß  die  Wirksamkeit  des  Impfstoffes  gelitten  hatte.  Gleichfalls  seit
1893  sinken  die  von  den  Ansichten  des  Oberimpfarztes  ganz  unabhängig  gewonnenen  Ziffern  des  Erfolges
der  von  den  hamburgischen  Distriktsärzten  auf  dem  Lande  ausgeführten  Wiederimpfungen;  sie  sinken  von
88  und  84,,  %0  im  Jahre  1893  auf  78,,,  in  1894  auf  68,4  0,  um  sich  nachher  wieder  etwas  zu  heben.
Also  nicht  die  persönliche  Ansicht  des  Oberimpfarztes,  sondern  das  übereinstimmende  Urtheil  aller  hiesigen
im  Impfwesen  erfahrenen  Distriktsärzte  läßt  den  Beginn  dieser  auffallenden  Erfolglosigkeit  der  Wiederimpfungen
  in  Hamburg  zusammenfallen  mit  dem  Wiederimpfpflichtigwerden  derjenigen  Kinder,  welche  nach
ihrem  ersten  Lebensjahre  mit  der  damals  neuentstandenen  Hamburger  Variolavaccine  geimpft  worden  sind.
Dieser  Impfstoff  wurde  zuerst  im  Jahre  1882  verbraucht  und  war  von  ganz  hervorragender  Energie,  sodaß
  den  damaligen  Impflingen  von  vornherein  ein  reichliches  Maß  von  Immunität  zuzutrauen  war.
War  diese  Annahme  begründet,  so  mußte  im  Jahre  1898  die  Wiederimpfung  bei  diesen  Kindern  im
zwölften  Lebensjahre  schwächlich  anschlagen.  Das  ist  eingetroffen,  obwohl  kräftiger  Impfstoff  verwendet
wurde.  Dürfen  wir  aber  den  Mißerfolg  unserer  Wiederimpfungen  nicht  der  Schwächlichkeit  unseres  Hamburger
  Impfstoffes  zur  Last  legen,  so  könnten  ihm  doch  irgendwelche  Eigenschaften  innewohnen,  welche  ihn
gerade  für  unsere  Revaccinanden  ungeeignet  machten.  Daher  galt  es  neben  der  Hamburger  auch  noch
andere  Lymphe  zu  probiren.

Dieses  wurde  uns  ermöglicht  durch  die  Großherzoglich  badische  Impfanstalt  zu  Karlsruhe,  welcher
die  Ueberlassung  von  6  000  Portionen  Impfstoffs  zu  verdanken  ist.  Diese  Lymphe  wurde  auf  fast  ebenso
viele  Revaccinanden  verimpst,  während  anderen  6  000  Pflichtgenossen  Hamburger  Lymphe  inserirt  wurde.

(Hierzu  die  „Vergleichende  Liste“  auf  Seite  147.)

Die  uns  überlassene  Karlsruher  Lymphe  zeichnete  sich  günstig  vor  der  unserigen  aus  durch  eine  viel
feinere  Verreibung,  welche  das  Eindringen  des  Impfstoffs  in  die  Schnittchen  begünstigt,  sie  bewirkte  auch
in  der  That  etwas  zahlreichere  Efflorescenzen  als  die  unserige  und  entsprach  dem  Geleitsbrief  des  Herrn
Geheimraths  Fischer:  „Ich  denke,  sie  wird  schneidig  wirken.“

Trotz  dieser  kräftigen  Wirkung  stieg  ihr  Erfolg  bei  der  ersten  Wiederimpfung  unserer  Zwölfjährigen
auf  nicht  über  72,#  %0  gegenüber  einem  Erfolg  der  Hamburger  Lymphe  von  73,61  %0.  Diese  72,/,5  00
stehen  mit  den  im  Großherzogthum  Baden  erzielten  Erfolgen  der  Jahre  1895  und  1896  von  je  96,,  0  in
ganz  auffallendem  Widerspruch  (vergl.  „Medizinalstatistische  Mittheilungen  des  Kaiserlichen  Gesundheitsamts“
Band  III,  S.  307  und  IV,  S.  152),  der  sich  nicht  anders  erklären  läßt,  als  durch  eine  hervorragende
Immunität  der  Hamburger  Wiederimpflinge.

Diese  Immunität  bestand  im  zweiten  Impfgange  eine  zweite  Probe.  Karlsruher  und  Hamburger
Lymphe  wirkten  bei  der  zweiten  Wiederimpsung  nach  der  vorjährigen  erfolglosen  Revaccination  so  gut  wie
gleich  schwächlich.  Der  Erfolg  belief  sich  bei  der  einen  auf  12,,,  bei  der  anderen  auf  11,,  0.  Die  Hamburger
  Immnnität  hat  also  die  Probe  des  auswärtigen  Kontagiums  bestanden.

Auf  diese  Weise  glaube  ich  (der  Vorstand)  den  Nachweis  dafür  geliefert  zu  haben,  daß  nicht  jede  Vaccinesorte
  die  gleiche  Immunität  liefert  und  daß  wir  bestrebt  sein  müssen,  solche  Vaccine  zu  beschaffen,  welche
dauerhaft  schützt.  Daß  die  von  mir  (dem  Vorstand)  im  Jahre  1881  gewonnene  VariolavacBcine  diese  hervorragenden
  Eigenschaften,  die  ich  ihr  stets  zugetraut  habe,  wirklich  besessen  hat,  ist  jetzt  meiner  Meinung
nach  einwandfrei  nachgewiesen.  .

Diese  Beobachtung  scheint  mir  eine  dringende  Mahnung  zu  sein  dafür,  daß  wir  uns  dem  Studium
der  Variolavaccine  und  der  Weise,  dieselbe  sicherer  als  bisher  zu  gewinnen,  planmäßig  zuwenden.  Wir
dürfen  jetzt  die  noch  immer  aus  Paris  herübertönenden  Warnungsrufe  vor  der  Gefährlichkeit  und  der
Nutzlofigkeit  der  Züchtung  der  Variolavaccine  als  grundlos  zurückweisen.  Die  Gefahrkosigkeit  der
Bariolavaccine  ist  in  Deutschland  und  anderswo  vielfach  erwiesen,  ihr  Nutzen  aber  erhellt  aus  den  mit  der
Hamburger  Bariolavaccine  gemachten  Erfahrungen.  Wer  in  so  erstaunlicher  Weise  gegen  die  Vaceine-