Ergebnisse  der  Todesursachenstatistik.
(Fortsetzung  aus  Band  V  S.  14—69.)

Die  Sterbefälle  im  Deutschen  Reiche  während  des  Jahres  1896  im
Allgemeinen,  sowie  insbesondere  unter  der  Bevölkerung  der  Großstädte.
Mit  4  Uebersichtskarten  (Tasel  V—VIII).  Berichterstatter:  Geheimer  Reg.-Rath  Dr.  Rahts.

I.  Vergleich  mit  dem  Vorjahre.
A.  Allgemeines.

Aus  dem  Jahre  1896  sind  dem  Kaiserlichen  Gesundheitsamte  behördliche  Ausweise
über  die  Ursache  des  Todes  und  das  Alter  der  Gestorbenen  für  976  von  je  1000  im  ganzen
Reichsgebiet  vorgekommenen  Sterbefällen  zugegangen,  denn  solche  Ausweise  liegen  aus  19
Staaten  des  Reiches  über  1.072  514  Sterbefälle  vor,  während  nach  den  Ermittelungen  des
Kaiserlichen  Statistischen  Amtes  in  allen  26  Staaten  des  Deutschen  Reiches  1  098  966
Personen  —  ausschl.  der  Todtgeborenen  —  gestorben  sind.  An  den  in  einheitlich  festgesetzter
  Art  stattfindenden,  genaueren  Erhebungen  waren  im  Jahre  1896  sieben  Bundesstaaten
  mit  etwa  dem  39.  Theile  (2,6%)  der  Gesammtbevölkerung  noch  nicht  betheiligt,
und  zwar  Sachsen-Weimar,  Mecklenburg-Strelitz,  Oldenburg,  Sachsen-Altenburg,  Schwarzburg-Rudolstadt,
  Reuß  j.  L.  und  Lippe;  indessen  haben  für  das  Berichtsjahr  1897  bereits
zwei  von  diesen  Staaten  gleichartige  Ausweise  wie  die  nicht  genannten  19  Staaten  eingesandt,
  so  daß  das  Bild,  welches  das  Kaiserliche  Gesundheitsamt  von  den  Sterblichkeitsverhältnissen
  im  Reiche  entwerfen  kann,  von  Jahr  zu  Jahr  ein  vollständigeres  wird.

Während  des  Jahres  1896  sind  im  Deutschen  Reiche  erheblich  weniger  Personen
als  im  Vorjahre,  und  noch  viel  weniger  als  im  Durchschnitt  der  fünf  Vorjahre,  gestorben,
  obgleich  die  letzten  Volkszählungen  eine  beträchtliche  Zunahme  der  lebenden  Bevölkerung
  im  Reiche  ergeben  haben.  Aus  denjenigen  13  Staaten  des  Reiches,  welche  für
die  beiden  Jahre  1895  und  1896  an  den  Erhebungen,  deren  Ergebnisse  hier  besprochen
werden,  betheiligt  waren,  sind  für  das  Berichtsjahr  50  299  Todesfälle  weniger  als  für
das  Vorjahr  gemeldet,  im  ganzen  Reichsgebiet  sind  52  522  Todesfälle  weniger  als  für  das
Vorjahr,  und  85  002  weniger  als  im  Durchschnitt  der  fünf  Vorjahre  festgestellt.  Da  auch
mehr  Kinder  im  Jahre  1896  geboren  wurden  als  in  jedem  der  Vorjahre,  hat  das  Berichtsjahr
durch  ein  ungewöhnlich  starkes  natürliches  Anwachsen  der  Bevölkerung,  wie  es
in  der  zweiten  Hälfte  dieses  Jahrhunderts  noch  nicht  beobachtet  worden  ist,  sich  ausgezeichnet.
Der  Ueberschuß  der  Geborenen  über  die  Gestorbenen  betrug  in  den  19  an  das  Kaiserliche
Gesundheitsamt  berichtenden  Staaten  793674  oder  etwa  156  auf  je  10  000  Einwohner,
im  ganzen  Reichsgebiet  —  nach  den  anderweitigen  Ausweisen  —  815  783,  d.  h.  ebenfalls
etwa  156  auf  je  10  000  Bewohner.  In  beiden  Fällen  ist  die  bei  der  letzten  Zählung  ermittelte

  Volkszahl  der  Rechnung  zu  Grunde  gelegt.
Mediz.stat.  Mittheil.  a.  d.  Kaiserl.  Gesundheitsamte.  Bd.  V.  12