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Um  ein  Beispiel  anzuführen,  welche  Schlußfolgerungen  aus  dieser  Zahlenübersicht  gezogen
  werden  dürfen,  sei  darauf  hingewiesen,  daß  in  Waldeck,  Schaumburg-Lippe,  Lübeck
Hannover,  Hessen-Nassau  sehr  viele  der  Gestorbenen  —  mehr  als  30%  —  ein  Alter  von
mindestens  60  Jahren  erreicht  hatten,  obwohl  in  diesen  Gebieten  keineswegs  ein  besonders
großer  Theil  der  Lebenden  in  so  hohem  Alter  stand;  man  darf  also  schließen,  daß  hier
während  des  Berichtsjahres  die  Bewohner  unter  relativ  günstigen  Verhältnissen  hinsichtlich
der  erreichten  Lebensdauer  sich  befunden  haben.  Andererseits  hat  z.  B.  in  Berlin  nur  ein
sehr  geringer  Theil  der  Gestorbenen  das  60.  Lebensjahr  überschritten,  doch  haben  hier  auch
verhältnißmäßig  die  wenigsten  Leute  so  vorgeschrittenen  Alters  gelebt;  man  darf  also  aus
der  minimalen  Berliner  Zahl  der  letzten  Spalte  ungünstige  Schlüsse  auf  die  Sterblichkeitsverhältnisse
  der  Bewohner  Berlins  nicht  ziehen.

Kinder  des  ersten  Lebensjahres  waren  unter  der  Zahl  der  Gestorbenen  am
meisten  in  Reuß  ä.  L.  und  im  Königreich  Sachsen  vertreten,  dagegen  sehr  wenig  in  Westfalen,
  obwohl  bei  der  letzten  Volkszählung  in  Westfalen  verhältnißmäßig  mehr  Kinder  des
ersten  Lebensjahres  (34,7  %/%0  der  Bewohner)  als  in  Reuß  ä.  L.  (32,7  /%00)  und  im  Königreich
  Sachsen  (30,1  /%)  nachgewiesen  worden  sind.  Dies  erlaubt  also,  auf  besonders  günstige
Daseinsverhältnisse  der  Kinder  so  zarten  Alters  in  Westfalen  zu  schließen.

Indessen  läßt  sich  die  Höhe  der  Sterbensgefahr,  welcher  Personen  jeder  der  drei
Altersklassen  im  Berichtsjahre  ausgesetzt  waren,  aus  den  Verhältnißzahlen  vorstehender
Tabelle  A  nur  ausnahmsweise  richtig  abschätzen,  zu  solchem  Zwecke  ist  es  vielmehr  nöthig,
die  sog.  Sterbeziffern  zu  errechnen,  d.  h.  nach  den  letzten,  zu  Gebote  stehenden  Angaben
über  die  Zahl  der  Lebenden  zu  ermitteln,  wie  viele  Sterbefälle  im  Jahre  auf  je  1000
Lebende  jeder  Altersklasse  vorgekommen  sind.  Diese  Sterbeziffern  sind  nachstehend  in
der  Uebersicht  B  zusammengestellt,  mit  Ausnahme  der  Säuglingssterbeziffern,  welche  wie
üblich  auf  je  1000  Lebendgeborene  errechnet  sind  und  weiter  unten  im  Anschluß  an  die
Ursachen  der  Säuglingssterblichkeit  besprochen  werden  sollen.

[Siehe  Tabelle  auf  S.  158.)

Zu  Spalte  b.  Die  Sterbeziffern  in  Spalte  b  umstehender  Uebersicht  lassen  ersehen,
daß  diejenigen  Kinder,  welche  das  am  meisten  gefährdete  erste  Lebensjahr  überstanden
haben,  bis  zum  vollendeten  15.  Lebensjahre  der  geringsten  Sterbensgefahr  in
Schleswig--Holstein  mit  dem  benachbarten  Lübeck,  in  Württemberg  mit  Hohenzollern  und  in
Schwarzburg-Sondershausen  ausgesetzt  waren,  und  daß  auch  in  Baden,  Mecklenburg-Schwerin,
dem  rechtsrheinischen  Bayern,  in  Hannover  und  dem  benachbarten  Waldeck  relativ  wenige
Kinder  dieses  Alters  gestorben  sind;  dagegen  war  die  Sterblichkeit  vom  vollendeten  1.  bis
zum  vollendeten  15.  Lebensjahre  wie  im  Vorjahre  wiederum  sehr  groß  in  den  vier  östlichen
Provinzen  des  Preußischen  Staates,  Ostpreußen,  Schlesien,  Westpreußen,  Posen,  wo  mehr
als  12  auf  je  1000  gezählte  Lebende  dieser  Altersklasse  während  des  Berichtsjahres  gestorben
  sind.  Die  Thatsache,  daß  in  diesen  Provinzen  mit  die  wenigsten  Aerzte  auf  je
10  000  Einwohner  kommen,  ist  wahrscheinlich  nicht  ohne  Einfluß  auf  die  Höhe  dieser  Sterbeziffer
  gewesen.  Im  Fürstenthum  Schaumburg-Lippe  wich  die  Sterbeziffer  (10,)  erheblich
von  derjenigen  des  Vorjahres  (6)  ab,  im  Uebrigen  war  hinsichtlich  der  Sterbeziffern  dieser
Altersklasse  das  Verhältniß  der  Staaten  2c.  zu  einander  fast  dasselbe  wie  im  Vorjahre,  insofern
  als  die  Durchschnittsziffer  etwa  in  denselben  Staaten  bezw.  Provinzen  überschritten
und  in  denselben  Staaten  nicht  erreicht  wurde.  Nur  im  Herzogthum  Braunschweig,  wo
im  Jahre  1895  die  Sterbeziffer  höher  als  im  Reich  gewesen  war,  ist  sie  im  Berichtsjahre
um  1),  unter  dem  Durchschnit  geblieben.