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Todesursache  gemäß  Uebereinkunft  nur  bei  Kindern  des  ersten  Leben  smonats  eingetragen
werden  darf,  und  daß  nach  den  Ergebnissen  genauerer  Erhebungen,  z.  B.  in  Preußen!)  und
Sachsen:),  etwa  26—31  Prozent  der  im  ersten  Lebensjahre  gestorbenen  Kinder  höchstens
einen  Monat  alt  geworden  sind.  Verallgemeinert  man  aber  das  in  Heft  149  der  Preußischen
Statistik  mitgetheilte  bezügliche  Ergebniß,  so  waren  von  den  353641  in  den  18  Staaten
aus  bekannter  Ursache  gestorbenen  Kindern  des  ersten  Lebensjahres  rund  106  000  bereits
im  ersten  Lebensmonate  gestorben,  und  da  nur  auf  letzere  Zahl  die  Summe  der  57677  aus
angeborener  Lebensschwäche  gestorbenen  Kinder  bezogen  werden  darf,  ist  also  mehr  als  die
Hälfte  aller  in  diesem  frühesten  Lebensalter  zu  Grunde  gegangenen  Kinder  nach  den
Sterbelisten  einer  „angeborenen  Lebensschwäche“  erlegen.

Diphtherie,  Croup  oder  „Bräune"  ist  bei  Kindern  des  ersten  Lebensjahres  hauptsächlich
in  Ostpreußen,  Westpreußen  und  Posen  als  Todesursache  genannt,  was,  wie  früher  erörtert  ist,
zum  Theil  durch  die  gemischten  Sprachverhältnisse  in  einem  großen  Theile  dieser  Provinzen
erklärt  werden  muß,  da  hier  den  Standesbeamten  Manches  mit  dem  Namen  „Bräune"  bezeichnet
  wird,  was  anderwärts  als  Lungenleiden,  Luftröhrenentzündung  u.  dergl.  gilt.  Dem
entspricht  es,  wie  hervorzuheben  ist,  daß  in  jenen  Provinzen  des  Ostens  angeblich  die
wenigsten  Kinder  des  ersten  Lebensjahres  an  entzündlichen  Krankheiten  der  Athmungsorgane
gestorben  sind  (vgl.  Spalte  7  und  8  Tab.  D).  Dagegen  ist  „Keuchhusten“  hier,  wie  auch
in  Schlesien,  als  eine  der  häufigsten  Ursachen  des  Todes  angegeben,  was  die  Vermuthung
nahe  legt,  daß  von  der  polnisch  und  litthauisch  sprechenden  Bevölkerung  auch  der  dem
deutschen  Worte  „Keuchhusten“  entsprechende  Ausdruck  dem  Standesbeamten  gar  zu  oft
als  Todesursache  genannt  wird,  jedenfalls  öfter  als  ein  Arzt  dieselbe  so  bezeichnen  würde.

Entzündliche  Krankheiten  der  Athmungsorgane,  einschl.  Lungenentzündung,
sind  am  häufigsten  im  rechtsrheinischen  Bayern,  in  Berlin,  Hamburg,  Sachsen-Meiningen
und  Baden  bei  Kindern  des  frühesten  Lebensalters  als  Todesursache  verzeichnet,  demnächst
starben  auch  in  der  Rheinpfalz  und  Elsaß-Lothringen,  in  Anhalt,  Braunschweig,  Hessen  und
Württemberg  sowie  in  Westfalen  und  Brandenburg  viele  Kinder  an  diesen  entzündlichen
Krankheiten,  welche,  wie  schon  erwähnt,  im  Osten  angeblich  nur  wenige  Opfer  unter  den
Säuglingen  gefordert  haben.

Tuberkulose  ist  in  diesem  frühen  Lebensalter  weitaus  am  meisten  in  Bremen,  Hessen
und  Hamburg,  demnächst  in  Westfalen  und  Lübeck  als  Todesursache  verzeichnet,  womit  die
Thatsache,  daß  in  allen  fünf  genannten  Gebieten  die  Säuglingssterblichkeit  beträchtlich  unter
dem  Durchschnitt  war,  wenig  im  Einklang  steht.  Wahrscheinlich  wird  hier  oft  als  „Darmschwindsucht"
  (—  Darmtuberkulose)  bezeichnet,  was  anderwärts  als  „Magen=  und  Darmkatarrh“
  gilt.

[Siehe  Tabelle  auf  S.  163.)7

Um  die  im  Berichtsjahre  beobachtete  Säuglingssterblichkeit  mit  derjenigen  des  Vorjahres
  vergleichen  zu  können,  sind  außerdem  I.  die  betheiligten  Staaten  des  Deutschen
Reiches  ausschl.  Preußen,  II.  die  14  Gebietstheile  des  Preußischen  Staates  nach  der  Höhe
der  in  Spalte  3  vorstehender  Uebersicht  angegebenen  Ziffer  der  Säuglingssterblichkeit  aneinandergereiht,
  und  die  entsprechenden  Ziffern  der  Säuglingssterblichkeit  des  Vorjahres  in
Klammern  beigefügt  (s.  umstehend).

1)  Preuß.  Statistik  Heft  149.
2)  Beitschr.  des  Kgl.  sächs.  statist.  Bureaus,  Jahrg.  Nr.  44.