—  166  —

jährlich  255  bis  274,  im  Durchschnitt  262  Kinder  des  ersten  Lebensjahres,  in  den  letzten
4  Jahren  1893  bis  1896  starben  dagegen  durchschnittlich  kaum  223  auf  je  1000  Lebendgeborene,
  mithin  werden,  wenn  man  die  jährliche  Zahl  der  an  diesen  Orten  lebendgeborenen
Kinder  auf  nur  480  000  schätzt,  jetzt  jährlich  18000  bis  19  000  Säuglinge  dort
mehr  am  Leben  erhalten  als  vor  15—19  Jahren.

Am  höchsten  war  die  Säuglingssterblichkeit  während  des  Berichtsjahres  in  einigen
Orten:

1.  des  Königreichs  Sachsen  (Meerane,  Pieschen,  Chemnitz,  Löbtau,  Werdau,  Glauchau),

2.  der  Provinz  Schlesien  (Liegnitz,  Langenbielau),

3.  des  rechtsrheinischen  Bayern  (Ingolstadt,  Landshut),

4.  Pommerns  (Stettin  und  Grabow),

5.  der  Mark  Brandenburg  (Prenzlau,  Brandenburg,  Köpenick  sowie  in  den  Vororten
Friedrichsfelde,  Weißensee,  Reinickendorf,  Plötzensee,  Boxhagen  -Rummelsburg),
sonst  in  Königsberg  i.  Pr.  und  in  Gera.

Durch  die  niedrigste  Säuglingssterblichkeit  (39—120:  1.000  Lebendgeborene)  zeichneten
  sich  aus:  die  Stadt  Oldenburg,  drei  Universitätsstädte  Mitteldeutschlands  (Göttingen,
Marburg,  Gießen),  der  Vorort  Friedenau  und  fünf  Städte  Westfalens  (Minden,  Herford,
Siegen,  Paderborn,  Osnabrüch).

Auf  Brechdurchfall  ist  der  Tod  der  Säuglinge  nach  den  Ausweisen  aus  den  266
größten  Ortschaften  des  Reiches  nur  bei  13  bis  14  von  je  100  Gestorbenen  zurückgeführt
worden,  mithin  kommen  auf  je  1000  Lebendgeborene  an  diesen  Orten  nur  28  Säuglingssterbefälle
  an  „Brechdurchfall“,  obgleich  doch  in  der  Gesammtheit  der  19  Staaten  des  Reiches
62  Sterbefälle  von  Säuglingen  an  „Magen=  und  Darmkutarrh“  auf  je  1000  Lebendgeborene
  entfielen.  Hieraus  ist  zu  entnehmen,  daß  mit  dem  Ausdruck  „Brechdurchfall"
nur  ein  kleiner  Theil,  durchschnittlich  nicht  einmal  die  Hälfte,  derjenigen  Verdauungsstörungen
  bezeichnet  wird,  welche  bei  Kindern  des  ersten  Lebensjahres  so  häufig  zum  Tode
führen.  Vergleicht  man  die  von  einigen  großen  Städten  dem  Kaiserlichen  Gesundheitsamte
  unmittelbar  eingesandten  Jahresausweise  mit  den  aus  denselben  Stadtbezirken  für
die  von  Reichs  wegen  seit  1892  veranlaßte  Todesursachenstatistik  vorgelegten  Ausweisen,

so  ergeben  sich  folgende  Unterschiede.  Von  Kindern  des  ersten  Lebensjahres  starben  im
Berichtsjahre:

an  an  Magen-  und

Darmkatarrh

Brechdurchfall  (Atrophie)
in  Berlin.  1  309  4263
„  Müncheen  178  1702
„  Dresdden  245  1322
„  Stuttgaert  142  489
„Hamburg  .  ..  .  .  .  .  .  .  .  .  .  ..  .  .  .  .  .  ..  188  1886
„  Straßbuteg  298  410
in  den  sechs  Städbten  2360  9572

Mithin  entsprach  in  diesen  Großstädten  die  Zahl  der  Todesfälle  an  Brechdurchfall
durchschnittlich  kaum  dem  vierten  Theile  der  durch  Verdauungsstörungen  veranlaßten  Todesfälle
  von  Säuglingen,  und  es  erscheint  hiernach  bedenklich,  allein  aus  der  Häufigkeit  der