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Seite  (in  Heft  148.  2  der  Preuß.  Statistik)  veröffentlicht  worden  sind,  ist  für  Untersuchungen,
  inwiefern  die  Sterblichkeitsverhältnisse  der  Stadtbevölkerung  von  denjenigen  der
Gesammtbevölkerung  des  Reiches  abweichen,  eingehenderes  Material  gegeben,  als  bei  Abschluß
  der  letzten  hierauf  bezüglichen  Arbeit  in  Band  V  der  med.-stat.  Mittheilungen  aus
dem  Kaiserlichen  Gesundheitsamte  (S.  18  ff.)  zu  Gebote  stand.

Eine  befriedigende,  durchweg  nach  gleichen  Gesichtspunkten  durchgeführte  Trennung
der  gesammten  Stadtbevölkerung  von  der  übrigen  Bevölkerung  des  Reiches  ist  allerdings
nach  Lage  der  Verhältnisse  nicht  möglich,  auch  ist  eine  solche  Zweitheilung  der  Bevölkerung
für  medizinal-statistische  Untersuchungen  nicht  zweckmäßig.

Einerseits  liegen  über  das  Alter  der  Gestorbenen  und  über  die  Ursachen  der  Sterbesälle
  nicht  für  alle  Stadtgemeinden,  sondern  nur  für  einen  Theil  derselben  Ausweise  gleichen,
genügenden  Umfangs  vor,  andererseits  ist  —  hinsichtlich  der  Zweckmäßigkeit  der  Zweitheilung
  —  zu  erwägen,  daß  die  politische  Sonderung  von  Stadt=  und  Landgemeinden
durchaus  nicht  gewissen  feststehenden  Unterschieden  in  den  hygienischen  Verhältnissen  der
Ortschaften  entspricht,  sondern  nach  ganz  anderen  Grundsätzen  erfolgt  ist.  Die  Bewohner
der  Großstädte,  Mittelstädte,  Kleinstädte,  Landstädte,  welche  ja  alle  zusammen  die  „Stadtbevölkerung"
  bilden,  darf  man  in  sanitärer  Hinsicht  keineswegs  als  eine  besondere  Bevölkerungsklasse
  eigener  Art  zusammenfassen,  die  Bewohner  von  Städten  so  verschiedener  Größe  leben
vielmehr,  zumal  wenn  man  Städte  des  Ostens  und  des  Westens  vergleicht,  nicht  nur  unter
sehr  verschiedenen  Erwerbs=  und  Ernährungsverhältnissen,  sondern  auch  in  hygienischer  Hinsicht,
  z.  B.  betreffs  der  Art  der  Wasserversorgung  und  der  Beseitigung  der  Abfallstoffe,
unter  höchst  ungleichwerthigen  Daseinsbedingungen.  Wollte  man  daher  die  Gesammtheit
dieser  Städte-Bewohner  den  in  anderen  nichtstädtischen  Gemeinwesen  lebenden  Bewohnern
des  Reiches  gegenüberstellen,  so  würde  man  Fehlschlüssen  über  den  Einfluß  der  städtischen
Verhältnisse  auf  die  Sterblichkeit  und  die  Häufigkeit  einzelner  Todesursachen  Thür  und
Thor  öffnen.  '

Mit  Rücksicht  hierauf  ist  es  an  dieser  Stelle  vorgezogen  —  wie  auch  schon  in
Band  V  a.  a.  O.  begonnen  ist  —  einerseits  die  Sterbefälle  der  Bewohner  solcher  größeren
Gemeinden,  welche  zweifellos  unter  ausgesprochen  städtischen  Verhältnissen  leben,  zusammenfassend
  in  Betracht  zu  ziehen,  andererseits  denselben  die  Sterbefälle  der  Bewohner  solcher
Bezirke  gegenüberzustellen,  in  denen  gar  keine  oder  möglichst  wenige  städtische  Gemeinden
  sich  befinden.  Zum  Vergleich  müßten  dann  noch  in  dritter  Reihe  die  Sterblichkeitsverhältnisse
  einer  „gemischten  Bevölkerung",  oder  diejenigen  der  Gesammtbevölkerung
herangezogen  werden.

Die  erwähnten,  in  Heft  148  Th.  2  der  Preußischen  Statistik  kürzlich  mitgetheilten,
eingehenden  Altersangaben  für  die  Bewohner  von  114  Städten  und  großen  Landgemeinden
(mit  über  20  000  Einwohnern)  lassen  die  besonderen  Sterblichkeitsverhältnisse  in  allen  denjenigen
  preußischen  Städten,  welche  Stadtkreise  bilden  und  demgemäß  genaue  Ausweise
über  die  Ursachen  der  Sterbefälle  nach  dem  für  das  Reich  vereinbarten  Schema  für  vier
Altersklassen  an  das  Gesundheitsamt  gelangen  lassen,  zutreffender  beurtheilen,  als  bisher
möglich  war.  Da  nun  für  mehrere  außerpreußische  große  Städte  des  Reiches,  aus  denen
alljährlich  gleiche  Angaben  über  das  Alter  der  Gestorbenen  und  die  Todesursachen  gemacht
werden,  ebenfalls  genaue  Angaben  über  das  Alter  der  am  2.  Dezember  1895  gezählten
Bewohner  vorliegen,  so  konnten  nunmehr  zur  Prüfung  der  besonderen  Sterblichkeitsverhältnisse
  der  „Stadtbevölkerung“  in  diesem  Jahre  die  amtlichen  Ausweise  einer  ausgesprochen
städtischen  Bevölkerung  von  vielen  Millionen  benutzt  werden.