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Um  mit  einer  bestimmten  Größenklasse  der  Städte  abzuschließen,  ist  für  1896  zuvörderst
die  Gesammtzahl  derjenigen  Städte  in  Betracht  gezogen,  welche  bei  der  letzten  Volkszählung
mindestens  100  000  Einwohner  gehabt  haben,  welche  somit  dem  Sprachgebrauche  gemäß
unbedingten  Anspruch  auf  die  Bezeichnung  als  „Großstadt“  haben.

Mit  Rücksicht  auf  den  nicht  abzuleugnenden,  gegenwärtigen  Andrang  der  Bevölkerung
zu  den  Großstädten  sind  ja  Erhebungen  darüber,  in  welcher  Hinsicht  der  in  den  Großstädten
  wohnende  Theil  der  Reichsbevölkerung  eigenartige  Sterblichkeitsverhältnisse  bietet,
von  hervorragendem,  öffentlichen  Interesse,  auch  erscheint  es  zur  richtigen  Beurtheilung  vieler
zur  Hebung  des  Volkswohls  unternommenen  sanitären  Maßnahmen  nothwendig,  zunächst
festzustellen,  inwieweit  von  vorne  herein  ein  übler  oder  wohlthätiger  Einfluß  des  großstädtischen
  Lebens  und  Treibens  auf  das  Sterben  der  Bevölkerung  mit  Sicherheit  erwiesen
  werden  kann.

Der  gegenwärtige  Stand  der  Reichsmedizinalstatistik  gestattet  in  dieser  Hinsicht  eine
Prüfung,  1.  wo  das  Leben  der  Bewohner  während  vier  bestimmter  Altersstufen  mehr  gefährdet
  war,  2.  welche  Todesursachen  während  der  vier  Lebensperioden  mehr,  welche
weniger  Sterbefälle  in  den  Großstädten  herbeigeführt  haben.

In  denjenigen  28  Städten  des  Deutschen  Reiches,  welche  am  2.  Dezember  1895
mindestens  100  000  Einwohner  hatten,  wurden  an  diesem  Tage  insgesammt  7276  987  Bewohner
  gezählt,  in  ihnen  lebte  also  fast  der  siebente  Theil  (13/5  ⅝%)  der  Gesammtbevölkerung
des  Reiches,  indessen  konnten  leider  nicht  alle  diese  Großstädter  und  deren  Sterbefälle  nachstehend
  in  Rechnung  gezogen  werden,  da  für  drei  der  Städte  ausreichende  Mittheilungen
nicht  eingegangen  sind;  aus  Nürnberg  und  Stuttgart  fehlen  Angaben  über  die  Altersgliederung
  der  lebenden  Bevölkerung  vom  2.  Dezember  1895,  und  aus  Chemnitz  fehlen  genaue
Ausweise  über  das  Alter  der  in  der  Stadt  Gestorbenen.!)  Immerhin  konnte  für  6  795  263
Bewohner  von  25  Großstädten,  welche  also  mehr  als  den  achten  Theil  der  Reichsbevölkerung
(13  %)  bilden,  eine  Zusammenstellung  der  Sterbefälle  nach  deren  Ursache  und  zugleich  nach
dem  Alter  der  Gestorbenen  im  Hinblick  auf  die  Zahl  der  Lebenden  jeder  Altersklasse  gefertigt
  werden.  -

Was  zunächst  die  Altersverhältnisse  dieser  großstädtischen  Bevölkerung  von  rund
6,  Millionen  betrifft,  so  standen  etwa  zwei  Drittel  derselben  —  genauer  652  von  je  1000
—  im  lebenskräftigsten  Alter  von  15  bis  60  Jahren,  während  unter  der  Gesammtbevölkerung
der  an  der  Sterblichkeitsstatistik  betheiligten  19  Staaten  des  Reiches  nur  574,  und  unter
der  Bevölkerung  aller  preußischen  Landgemeinden  und  Gutsbezirke  nur  540  von  je  1000
Bewohnern  dieser  naturgemäß  am  wenigsten  dem  Sterben  ausgesetzten  Altersklasse  angehörten.
Des  Weiteren  entfielen  von  je  1  000  Lebenden:

auf  das  jüngste  auf  das  höchste
Lebensalter  bis  Lebensalter  von
zu  15  Jahren  60  u.  mehr  Jahren

in  den  25  Großstähdhden  290  58
„  der  Gesammtheit  der  19  Staafen  347  79
(„den  preußischen  Landgemeinden  und  Gutsbezirken  378  2)

1)  Aus  dem  Medizinalbezirk  Chemnitz  sind  zwar  in  demselben  Umfange  wie  aus  den  anderen  Verwaltungsbezirken
  Zahlenausweise  eingesandt,  dieselben  beziehen  sich  aber  auf  eine  fast  doppelt  so  große
Zahl  von  Lebenden  als  die  Stadt  Chemnitz  zählt,  ohne  daß  eine  Trennung  der  städtischen  von  der  nichtstädtischen
  Bevölkerung  des  Bezirks  geschehen  ist.