Ergebnisse  der  amtlichen  Pockentodesfallstatistik  im  Deutschen
Reiche  vom  Jahre  1897,  nebst  Auhang,  betreffend  die  Pockenerkrankungen
  im  Jahre  1897.

Berichterstatter:  Dr.  Brucke,
Königl.  preußischer  Stabsarzt,  kommandirt  zum  Kaiserlichen  Gesundheitsamte.

Die  Zahl  der  Pockentodesfälle  im  Deutschen  Reiche  ist  während  des  Jahres  1897
gegen  die  früheren  Jahre  noch  mehr  gesunken;  es  wurden  nur  5  Todesfälle  an  Pocken
festgestellt  gegen  10  im  Jahre  1896,  27  im  Jahre  1895  und  116  im  Durchschnitt  des
zehnjährigen  Zeitraums  1886/95.  Auf  je  eine  Million  Einwohner  kamen  Todesfälle  an
Pocken  im  Jahre  1897  0,6,  im  Jahre  1896  0/9,  im  Jahre  1895  0,2,  im  zehnjährigen
Durchschnitt  1886/95  2//4.

Die  5  Pockentodesfälle  !1)  des  Berichtsjahres  kamen  in  5  Gemeinden  von  Preußen
vor;  in  den  übrigen  Bundesstaaten  und  in  Elsaß-Lothringen  sind  Todesfälle  an  Pocken
nicht  zur  Anzeige  gelangt.

In  2  Gemeinden  (Gut  Schildeck  und  Ketzwalde)  des  nahe  der  russischen  Grenze
gelegenen  Kreises  Osterode  i.  Ostpr.  starb  ein  im  1.  und  ein  im  2.  Lebensjahre  stehendes
Mädchen  an  den  Pocken.  Ueber  den  Impfzustand  und  Entstehung  der  Krankheit  sind  Angaben
  nicht  gemacht.  In  Berlin  starb  eine  35  jährige  Frau,  die  im  12.  Jahre  mit  Erfolg
wiedergeimpft  war  (Angaben  über  die  Beschaffenheit  der  Impfnarben  fehlen),  in  der  dicht
an  der  österreichischen  Grenze  liegenden  Stadt  Hultschin,  Kreis  Ratibor,  ein  im  2.  Lebensjahre
  stehender,  ungeimpfter  Knabe,  welcher  11  Tage  vor  seiner  Erkrankung  aus  Oesterreich
zugereist  war,  und  in  Klein  -Schkorlopp,  Kreis  Merseburg,  ein  4jähriges  Mädchen,
welches  vor  etwa  3  Jahren  mit  Erfolg  geimpft  war,  aber  nur  2  undeutliche  Impfnarben  zeigte.

Näheres  über  die  Verbreitung  der  Pocken  ist  aus  dem  „Anhang,  betreffend  die  Pockenerkrankungen
  im  Jahre  1897“  zu  ersehen.

Zwei  Todesfälle  erfolgten  im  Mai,  je  einer  im  Juli,  August  und  Oktober.

Aus  außerdeutschen  europäischen  Staaten  liegen  über  die  Zahl  der  Pockentodesfälle
des  Jahres  1897  bis  jetzt  nur  Mittheilungen  für  einige  Städtegruppen  vor.  Die  betreffenden
Angaben  sind  in  nachstehender  Uebersicht  derjenigen  aus  dem  Deutschen  Reiche  und  aus

1)  Bei  einer  tödtlich  verlaufenen  pockenverdächtigen  Erkrankung  in  Rain,  Bezirksamt  Neuburg  a.  /  D.,
Königreich  Bayern,  ist  nach  Mittheilung  des  betreffenden  Amtsarztes  die  Diagnose  derart  zweiselhaft
geworden,  daß  der  Fall  in  die  allgemeine  Landesstatistik  nicht  ausgenommen  wurde.  Höchst  wahrscheinlich
hat  es  sich  um  Schälblasen  (Pemphigus)  gehandelt.  Die  Erkrankte,  ein  halbjähriges  Mädchen,  war
ungeimpft.  Irgend  eine  Möglichkeit  zur  Ansteckung  war  nicht  nachweisbar.