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Knabe,  der  erst  einmal  mit  Erfolg  geimpft  war  und  deutliche  Impfnarben  zeigte,  leicht  an
diskreten  Pocken.  Auch  hier  blieb  die  Entstehung  unbekannt.

Im  Reg.-Bez.  Breslau  kam  eine  kleine  Epidemie  von  7  Erkrankungen  vor.  Zuerst
wurde  ein  58jähriger  Vogt  des  Dominiums  Lehsewitz,  Kreis  Steinau,  der  vor  mehr  als
30  Jahren  wiedergeimpft  war  und  deutliche  Impfnarben  hatte,  von  teils  diskreten,  teils
konfluirenden  Pocken  mittelschwer  befallen;  wo  er  sich  angesteckt  hatte,  ließ  sich  nicht  nachweisen.
  Von  diesem  wurde  die  Krankheit  auf  seine  27jährige  Tochter,  die  vor  15  Jahren
angeblich  mit  Erfolg  und  auf  den  38jährigen  Gutspächter,  der  vor  etwa  18  Jahren  angeblich
  ohne  Erfolg  wiedergeimpft  war,  übertragen;  beide,  mit  deutlichen  Impfnarben  versehen,
  erkrankten  sehr  leicht  an  diskreten  Pocken.  Der  Vogt  und  seine  Tochter  wurden  in
das  Krankenhaus  zu  Steinau  gebracht.  Hier  erkrankten  bald  darauf  3  schon  längere  Zeit
im  Krankenhause  befindliche  Patienten  und  zwar  ein  16jähriger,  im  Alter  von  12  Jahren
wiedergeimpfter,  mit  deutlichen  Impfnarben  versehener  Knecht,  ein  6jähriger  Schüler  und
ein  60  jähriger  Arbeiter,  letztere  beide  unbekannten  Impfzustandes  und  ohne  Impfnarben.
Außerdem  wurde  noch  ein  zum  Gesinde  des  Klosters  (Krankenhauses)  gehöriger  46  jähriger
Mann,  der,  soweit  sich  aus  der  Meldekarte  ersehen  läßt,  vermuthlich  erst  beim  Ausbruch  der
Pocken  im  Krankenhause,  also  zu  spät,  wiedergeimpft  war  und  deutliche  Impfnarben  zeigte,
betroffen.  Die  beiden  unbekannten  Impfzustandes  waren  schwer  befallen,  der  Schüler  von
diskreten,  der  Arbeiter  von  konfluirenden  Pocken,  die  anderen  leicht  von  diskreten  Pocken.

Im  Reg.-Bez.  Oppeln  erkrankten  in  Hultschin,  Kreis  Ratibor,  2  ungeimpfte
Kinder  eines  Schmelzers  im  Alter  von  1  und  5  Jahren  einige  Tage  nach  ihrer  Ankunft
aus  Ungarn  schwer  an  konfluirenden  Pocken;  das  jüngste  Kind  starb.  Die  Ansteckung  war
wahrscheinlich  während  der  Reise  im  Eisenbahnwagen  erfolgt,  wo  sie  mit  Zigeunern  und
ähnlichen  Personen  zusammenfuhren.

Im  Reg.-Bez.  Merseburg  wurden  4  Pockenfälle  angezeigt.  Ende  April  erkrankte
in  Kötzschau,  Kreis  Merseburg,  ein  18jähriger  Arbeiter,  der  aus  Russisch-Polen  stammte
und  nicht  geimpft  war,  mittelschwer  an  konfluirenden  Pocken.  Die  Uebertragung  ist  nach
Bericht  des  zuständigen  Medizinalbeamten  mit  größter  Wahrscheinlichkeit  auf  einen  ebenfalls
in  Kötzschau  arbeitenden  russischen,  ungeimpften  Arbeiter  zurückzuführen,  der  aus  einem  Pockendorf
  stammend  vom  13.  bis  25.  April  angeblich  an  sog.  Windpocken,  jedenfalls  aber  an  echten
Pocken  ärztlich  in  Kötzschau  behandelt  worden  ist.  —  Durch  unmittelbaren  bezw.  mittelbaren
Verkehr  mit  dem  Krankenwärter  des  Krankenhauses  in  Lützen,  der  den  vorgenannten
Kranken  gepflegt  hatte,  wurde  der  47  Jahre  alte  Waisenhausvater,  der  vor  29  Jahren  mit
Erfolg  wiedergeimpft  war  und  deutliche  Impfnarben  hatte,  und  ein  53jähriger  Maurer,  der
nicht  geimpft  war,  angesteckt.  Ersterer  war  leicht  von  diskreten,  letzterer  schwer  von
konfluirenden  Pocken  befallen.  —  In  Klein-Schkorlopp  erkrankte  schwer  an  hämorrhagischen
  Pocken  und  starb  im  August  ein  4jähriges  Mädchen,  das  vor  etwa  8  Jahren  mit
Erfolg  geimpft  war,  aber  nur  2  undeutliche  Impfnarben  hatte.  Nach  einem  Berichte  des
Königlichen  Regierungspräsidenten  ist  die  Uebertragung  von  den  in  Lützen  vorgekommenen
Fällen  zwar  nicht  ganz  ausgeschlossen,  aber  nicht  wahrscheinlich;  möglicherweise  hat  sich
das  Kind  in  Leipzig,  wo  es  sich  vom  18.  Juli  bis  7.  August  aufhielt,  zu  welcher  Zeit  in
dem  betreffenden  Hause  2  Kinder  an  „Spitzpocken“  erkrankt  gewesen  sein  sollen,  infizirt.

Im  Reg.-Bez.  Schleswig  kamen  ebenfalls  4  Fälle  vor.  In  Flensburg  kehrte
ein  42jähriger,  nur  einmal  in  der  Kindheit  geimpfter,  deutliche  Narben  zeigender  Maschinist
von  einer  Reise  nach  Tanger  (Marokko)  krank  zurück;  der  Verlauf  der  teils  diskreten,  teils
konfluirenden  Pocken  war  schwer.  —  In  Gaarden  bei  Kiel,  Kreis  Plön,  erkrankte  ein