Ergebnisse  der  Todesursachenstatiftik.
(Fortsetzung  aus  Band  VIII  S.  175—212.)

Die  Sterbefälle  im  Deutschen  Reiche  während  des  Jahres  1902.
Berichterstatter:  Geheimer  Regierungsrat  Dr.  Rahts.

I.  Vergleich  mit  dem  Vorjahre.

Aus  den  22  Staaten  des  Deutschen  Reiches,  welche  sich  bisher  an  der  gemeinsamen
Todesursachenstatistik  beteiligten,  sind  dem  Kaiserlichen  Gesundheitsamte  Angaben  über  das
Alter  und  die  Todesursache  von  1108946  Gestorbenen  des  Jahres  1902  zugegangen.  Es
fehlten  solche  Angaben,  wie  für  das  Jahr  vorher,  noch  aus  Sachsen-Weimar,  Mecklenburg-Strelitz,
  Schwarzburg-Rudolstadt,  Reuß  j.  L.,  d.  i.  für  nur  1,288  %  der  am  1.  Dezember  1900
nachgewiesenen  Gesamtbevölkerung  des  Reiches.1)  Hinsichtlich  der  Ursachen  der  10  444  in
Mecklenburg-Schwerin  vorgekommenen  Sterbefälle  sind  nicht  so  eingehende  Angaben  wie  aus
den  anderen  21  Staaten  gemacht,  da  dort  die  Eintragung  nur  einiger  Todesursachen  von
besonderer  Bedeutung  vorgeschrieben  ist.

In  der  Gesamtheit  der  22  Staaten  des  Deutschen  Reiches,  welche  sowohl  für  1901,
wie  auch  für  1902  dem  Gesundheitsamte  Ausweise  eingesandt  haben,  sind  in  letzterem  Berichtsjahre
  50957  Personen  weniger  als  im  Vorjahre  und  112255  Personen  weniger
als  im  Jahre  1900  gestorben.  Die  Sterblichkeitsverhältnisse  sind  demnach,  zumal  wenn  man
nach  Maßgabe  der  letzten  Volkszählungsergebnisse  ein  stetiges  Wachstum  der  Reichsbevölkerung
in  Rechnung  zieht,  während  des  Berichtsjahres  1902  recht  günstige  gewesen;  die  Zahl  der
Todesfälle  hat  gegenüber  dem  Vorjahre  um  4,6  %  und  gegenüber  dem  Durchschnitt  der
beiden  Vorjahre  um  7,1%  abgenommen.  Die  Zahl  der  totgeborenen  Kinder,  welche
vorstehend  nicht  berücksichtigt  worden  ist,  betrug  während  des  Jahres  1902  in  den  22  Staaten
63  880  und  war  um  832,  d.  i.  um  1,23  %,  geringer  als  die  des  Vorjahres  und  um  349,  d.  i.
um  0,5  00,  geringer  als  im  Durchschnitt  der  beiden  Vorjahre.

Wie  die  Zahl  der  Todesfälle  und  Totgeburten,  so  hat  allerdings  von  1901  zu  1902
auch  die  Zahl  der  Lebendgeborenen  abgenommen;  sie  sank  in  den  22  Staaten  von
2009072  auf  2000959,  d.  i.  um  O,2  %  war  aber  immer  noch  um  28836,  d.  i.  um  1,16  %,
höher  als  die  Zahl  der  im  Jahre  1900  lebendgeborenen  Kinder.

Was  die  Abnahme  der  Sterbefälle  von  1901  zu  1902  betrifft,  so  ist  eine  solche
nur  im  Großherzogtum  Hessen,  sowie  in  den  Fürstentümern  Lippe  und  Reuß  ä.  L.  nicht
beobachtet;  hier  stieg  deren  Zahl  um  549,  bezw.  20  und  9,  zusammen  um  578  an,  dagegen

1)  Verordnungen,  wonach  Ausweise  zur  Todesursachenstatistik  nach  dem  einheitlichen  Schema  zu
fertigen  und  zunächst  der  staatlichen  Zentralstelle  einzusenden  sind,  wurden  neuerdings  erlassen  für  Sachsen-Weimar
  am  21.  Januar  1902,  für  Schwarzburg-Rudolstadt  am  24.  August  1902,  für  Reuß  j.  L.
am  22.  Februar  1904  (vgl.  Veröff.  des  K.  G.  A.  1902  S.  367  u.  1162,  ferner  1904  S.  496).

Mediz.stat.  Mitteil.  a.  d.  Kaiserl.  Gesundheiltsamle.  Bd.  I.  1