Ergebnisse  der  amtlichen  Pockentodesfallstatistik
im  Deutschen  Reiche  vom  Jahre  1903,  nebst  Anhang,  betreffend
die  Pockenerkrankungen  im  Jahre  1903.

Berichterstatter:  Regierungsrat  Dr.  Sannemann.
(Hierzu  Tafel  IV.)

Im  Jahre  1903  betrug  die  Zahl  der  im  Deutschen  Reiche  zur  amtlichen  Kenntnis
gelangten  Pockentodesfälle  20  gegen  15  im  Vorjahre  und  45  im  Durchschnitt  des  10jährigen
Zeitraums  von  1893  bis  1902.  Auf  je  1  Million  Einwohner  kamen  während  des  Berichtsjahres
  0,34  Todesfälle  an  Pocken  gegen  0##6  im  Vorjahre  und  0,/4  im  10jährigen  Durchschnitt
  1893/1902.

Die  20  Pockentodesfälle  des  Berichtsjahres  verteilten  sich  auf  13  Ortschaften,  von
denen  9  in  Preußen,  je  1  in  Sachsen,  Braunschweig,  Bremen  und  Elsaß-Lothringen  gelegen
sind.  Zu  einer  größeren  Verbreitung  der  Seuche  in  einem  Orte  kam  es  nur  ausnahmsweise;
in  einer  einzigen  Gemeinde  (Altona)  wurden  3  Todesfälle,  in  fünf  je  2  festgestellt,  die  übrigen
Fälle  blieben  vereinzelt.

Von  den  14  aus  Preußen  gemeldeten  Pockentodesfällen  ereigneten  sich  7  in  Kreisen,
die  in  der  Nähe  der  russischen  Grenze  liegen,  2  an  der  belgischen  Grenze  im  Landdkreise
Aachen  und  3  in  der  Hafenstadt  Altona;  von  den  übrigen  2  Todesfällen  entfiel  der  eine
auf  den  Kreis  Wongrowitz,  wo  das  Kind  eines  russischen  Arbeiters  2  Tage  nach  der  Ankunft
  aus  Rußland  erkrankte,  im  zweiten  Falle,  welcher  sich  im  Kreise  Königsberg  i  /  N.  zutrug,
  war  die  Ansteckungsquelle  nicht  nachweisbar.

Im  Königreich  Sachsen  starb  in  der  Stadt  Leipzig  1  ungeimpftes  Kind,  dessen
Ansteckung  auf  Rußland  zurückzuführen  war;  im  Herzogtum  Braunschweig  erlagen  der
Seuche  in  der  Stadt  Wolfenbüttel  2  ungeimpfte  Kinder,  bei  denen  die  Ubertragung  der
Krankheit  vermutlich  durch  Geschwister  stattgefunden  hatte;  in  der  Stadt  Bremen  starb
3  Tage  nach  der  Ankunft  der  ungeimpfte  Säugling  einer  russischen  Auswandererfamilie;  in
Elsaß-Lothringen  starben  in  der  Stadt  Straßburg  2  Männer  im  Alter  von  48  und  57
Jahren,  deren  Ansteckung  auf  mehrere  früher  aufgetretene  Pockenfälle  zurückzuführen  war.

Das  Lebensalter  der  20  an  den  Pocken  verstorbenen  Personen  ergibt  sich  aus  der
umstehenden  Übersicht.

(Vergl.  die  Tabelle  auf  S.  34.)

Hiernach  kamen  von  den  20  Pockenfällen  5  auf  Kinder  des  1.  Lebensjahres,  von
denen  4  ungeimpft  waren;  das  fünfte  war  ein  5  Monate  alter  Säugling,  der  erst  2  Tage
vor  der  Erkrankung,  also  zu  spät,  der  Impfung  unterzogen  war.  Im  2.  Lebensjahre
starben  3  ungeimpfte  Kinder,  im  3.  bis  10.  Lebensjahre  2  Kinder  russischer  Arbeiter,  von

denen  ein  5jähriger  Knabe  ungeimpft,  ein  4jähriges  Mädchen  erfolglos  geimpft  war.  Auf
Mediz.-stat.  Mitteil.  a.  d.  Kaiserl.  Gesundheitsamte.  Bd.  IX.