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gemeldet.  Am  stärksten  trat  demnach  die  Seuche  in  dem  an  der  belgischen  Grenze  gelegenen
Reg.-Bez.  Aachen,  ferner  in  der  im  Reg.-Bez.  Schleswig  gelegenen  Hafenstadt  Altona  und
in  den  an  der  russischen  Grenze  gelegenen  Reg.-Bezirken  Oppeln  und  Gumbinnen  auf.

In  den  außerpreußischen  Bundesstaaten  wurden  insgesamt  in  20  Ortschaften
79  Erkrankungen  an  Pocken  festgestellt,  davon  ereigneten  sich  in  Elsaß-  Lothringen  27,
und  zwar  in  der  Stadt  Straßburg  12  Fälle,  in  je  einer  Gemeinde  7,  4,  2  und  in  2  Ortschaften
  je  1  Fall,  in  Sachsen  in  der  Stadt  Leipzig  12  und  in  3  Gemeinden  je  1,  in
Baden  in  je  einer  Ortschaft  11,  2  und  1,  in  Hamburg  11,  in  Braunschweig  in  den
Städten  Wolfenbüttel  und  Braunschweig  6  bezw.  1,  in  Bremen  2,  in  Bayern,  Hessen
und  Oldenburg  je  1  Fall.

Die  beigefügte  Karte  veranschaulicht  die  stattgehabte  Ausbreitung  der  Pocken  im
Reichsgebiete.

Bezüglich  der  Herkunft  der  Pockenfälle  läßt  sich  aus  den  Meldekarten  und  aus  eingegangenen
  Berichten  entnehmen,  daß  fast  alle  Erkrankungen  auf  Einschleppungen  aus
dem  Auslande,  besonders  aus  Rußland,!)  daneben  aber  auch  aus  Belgien?)  und  Frankreich')
zurückzuführen  waren.

Die  Einschleppungen  erfolgten:

1.  durch  den  kleinen  Grenzverkehr,
2.  durch  russische  Auswanderer,  fremdländische  Arbeiter  und  deren  Angehörige,
3.  durch  andere  aus  dem  Auslande  zugereiste  Personen:
a)  im  Landverkehr,
b)  im  Seeverkehr,
4.  durch  Lumpen  aus  dem  Auslande.

Zu  1:  Auf  Einschleppung  durch  den  kleinen  Grenzverkehr  waren  insgesamt  35  Pockenfälle
  zurückzuführen,  davon  im  Reg.-Bez.  Königsberg  5,  Gumbinnen  11,  Oppeln  15,
Trier  4.  UÜber  die  Verbreitung  der  Seuche  ist  folgendes  zu  bemerken:

In  dem  Grenzkreise  Memel  stellte  der  Kreisarzt  auf  Anzeige  des  Anstaltsarztes  der
Auswanderer-Kontrollstation  Bajohren  am  10.  Oktober  1903  in  einem  Insthause  des  Gutes
Gaussen  bei  2  Kindern  eines  russischen  Arbeiters  im  Alter  von  9  Monaten  und  4  Jahren
frisch  aufgetretene  Erkrankungen  an  Pocken  fest.  Bereits  am  2.  Oktober  war  ohne  ärztliche
Behandlung  ein  5jähriger  Sohn  derselben  Familie  nach  10tägigem  Krankenlager  unter
Erscheinungen  verstorben,  welche  bei  nachträglicher  Beschreibung  ebenfalls  unzweifelhaft  auf
Pocken  schließen  ließen.  Alle  3  Kinder  waren  ungeimpft.  Der  Ansteckungsstoff  war  wahrscheinlich
  durch  die  Mutter  der  Kinder,  welche  etwa  14  Tage  vor  der  Erkrankung  des  Verstorbenen
  sich  bei  ihren  Verwandten  in  einem  nahegelegenen  Orte  Rußlands  ausgehalten
hatte,  eingeschleppt  worden.  Die  beiden  Kranken  wurden  sofort  in  die  Kreisheilanstalt  zu
Memel  übergeführt  und  hier  streng  abgesondert;  nach  3wöchigem  milden  Krankheitsverlauf
genasen  beide  Kinder.  Das  Insthaus  des  Gutes  Gaussen  wurde  unter  Quarantäne  gestellt,
das  Fernbleiben  sämtlicher  Gutskinder  vom  Schulbesuche  angeordnet  und  am  14.  Oktober  die
Zwangsimpfung  sämtlicher  Gutsbewohner  ausgeführt.  Zwei  Tage  später,  am  16.  Oktober,

1)  In  73  Gouvernements  Rußlands  kamen  im  Jahre  1908  bei  einer  Bevölkerung  von  119  551  000
Personen  29  993  Pockentodesfälle  zur  amtlichen  Kenntnis  (vgl.  Westnik  obschtschestwennoy  gigieny  etc.
1903/04).

2)  In  Belgien  wurden  im  Berichtsjahre  in  77  Städten  und  8  Vororten  von  Brüssel  bei  einer
Bevölkerung  von  2  588  991  Personen  871  Pockentodesfälle  gemeldet  (Bulletin  annuel  de  statistique
démographique  et  médicale.  Année  1903).

8)  In  71  größeren  Städten  Frankreichs  mit  insgesamt  8  069  001  Einwohnern  starben  im  Berichtsjahre
  18  59  Personen  an  den  Pocken  (Statistique  sanitaire  des  villes  de  France  etc.  1903).