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Zu  2:  Unter  den  aus  Rußland  nach  Bremen  zugereisten  Answanderern  befand
sich  ein  ungeimpftes,  7  Monate  altes  Kind,  welches  an  hämorrhagischen  Pocken  schwer  erkrankt
  war  und  nach  Aufnahme  in  die  Krankenanstalt  am  nächsten  Tage  —  1.  August  1903  —
verstarb.  Bei  seinem  2jährigen  noch  am  31.  Juli  1903,  also  verspätet  geimpften  Bruder  traten
sie  dagegen  bei  leichter  Erkrankung  nur  diskret  auf  und  gingen  schon  nach  10  Tagen  in
Genesung  über.  Unter  den  nach  Hamburg  zugereisten  russischen  Auswanderern  erkrankten
in  den  Monaten  April  und  Mai  ein  16=  und  ein  19jähriges  Mädchen  unbekannten  Impfzustandes
  an  konfluierenden  Pocken,  welche  zwar  schwer  verliefen,  aber  zur  Genesung  führten.

Wie  in  dem  Berichte  für  das  Vorjahr  (Mediz.-stat.  Mitt.  Bd.  VIII,  S.  247)  mitgeteilt
  ist,  wurden  im  Krankenhause  zu  Altona  im  Monat  Dezember  1902  bei  einem
53jährigen  Lederhändler  teils  diskrete,  teils  konfluierende  Pocken  festgestellt,  welche  nach
schwerer  Erkrankung  am  5.  Januar  1903  zum  Tode  führten.  Durch  diesen  Pockenfall
wurden  in  Altona  2  Krankenschwestern,  1  Wärterin  und  ihre  Schwester,  10  Männer  und
ein  8  Monate  altes  Kind,  also  insgesamt  15  Personen,  angesteckt,  von  denen  ein  46  jähriger
Arbeiter  am  22.  Januar  und  ein  47jähriger  Kanzleigehülfe  am  24.  Januar  1903  starben;  ein
48  jähriger  Schuhmacher,  der  sich  zu  dieser  Zeit  im  Krankenhause  befand,  überstand  die  bei
ihm  ziemlich  schwer  auftretenden  Pocken,  starb  jedoch  später,  am  30.  März  1903,  an  Magenkrebs.
  Von  den  Betroffenen  war  das  Kind  ungeimpft,  5  erwachsene  Personen  waren  in  der
Kindheit  geimpft  und  7  auch  wiedergeimpft;  der  Impfzustand  der  beiden  an  den  Pocken  verstorbenen
  Männer  blieb  unbekannt.  Von  Altona  gelangte  die  Krankheit  nach  Sande  bei
Bergedorf  (Kreis  Stormarn),  Nieslabin  und  Schrimm  (Kreis  Schrimm)  und  vermutlich
auch  nach  Lensahn  (Oldenburg)  und  nach  Hamburg.  In  Sande  bei  Bergedorf  erkrankte
leicht  ein  einjähriges  ungeimpftes  Kind,  dessen  Eltern  8  Tage  zuvor  auf  einer  Auktion  in
Bergedorf  mit  Personen  aus  Altona  verkehrt  hatten.  Nach  Nieslabin  und  Schrimm
gelangte  die  Seuche  auf  folgende  Weise:  ein  43jähriger  Arbeiter  hatte  etwa  7  Wochen  lang
im  Krankenhause  zu  Altona  gelegen  und  war  am  1.  Januar  1903  als  genesen  entlassen
worden.  Er  reiste  von  Altona  zunächst  zu  seinem  Bruder  nach  Gora  (Schrimm),  hielt  sich
dort  3  Tage  auf  und  ging  dann  zu  einem  andern  Bruder  nach  Nieslabin;  hier  erkrankte
er  am  9.  Januar,  und  3  Tage  später  zeigte  sich  ein  Ausschlag  zunächst  im  Gesicht  und  auf
dem  Kopfe,  dann  auch  auf  dem  Rumpfe.  Ein  Arzt  wurde  nicht  zugezogen.  Der  Gutsverwalter
  meldete  am  14.  Januar  den  Fall  als  eine  verdächtige  Ausschlagkrankheit.  Da  im
Orte  die  Gelegenheit  zur  Absonderung  des  Kranken  fehlte,  so  erfolgte  auf  Anordnung  des
Kreisarztes  die  Überführung  in  das  Kreiskrankenhaus  zu  Schrimm,  wo  diskrete  Pocken  fest
gestellt  wurden.  Obgleich  hier  eine  strenge  Absonderung  des  Pockenkranken  stattfand,  so  hatte
sich  die  Übertragung  der  Seuche  auf  2  andere  Kranke,  ein  wiedergeimpftes  19jähriges  Dienftmädchen
  und  eine  im  1.  Lebensjahre  geimpfte  51  jährige  Frau,  nicht  vermeiden  lassen.  Bei
diskreten  Pusteln  war  der  Verlauf  der  Krankheit  in  allen  3  Fällen  leicht.  Aus  Lensahn
wurde  die  leichte  Erkrankung  eines  wiedergeimpften  30jährigen  Pferdewärters  gemeldet.  In
Hamburg  wurden  7  Pockenfälle  festgestellt.  Es  erkrankten  3  Männer  im  Alter  von  31
bis  52  Jahren,  je  eine  22-,  46-  und  53jährige  Frau  und  ein  6  Monate  altes  Kind.  Die
Erwachsenen  waren  mit  Ausnahme  eines  52jährigen  Mannes  wiedergeimpft;  das  Kind  war
noch  6  Tage  vor  Ausbruch  der  Pocken,  also  verspätet,  geimpft  worden.  Bei  diskreten  Pusteln
trat  die  Krankheit  in  4  Fällen  schwer,  in  den  übrigen  leicht  auf  und  führte  in  allen  Fällen
zur  Genesung.  Der  Medizinalrat  teilte  über  diese  Erkrankungen  unterm  7.  Februar  1903
folgendes  mit:

Am  23.  Januar  wurde  in  St.  Pauli,  .  .  ..  straße  15  der  Arbeiter  einer  Eisengießerei  namens
H.  etwa  am  10.  Krankheitstage  pockenkrank  gefunden.  Einige  Tage  später  erkrankte  sein  noch  ungeimpftes,