—  45  —

Blumenfeld  (Kreis  Engen).  Zwei  Brüder  des  Erkrankten,  die  in  Schaffhausen  wohnten,
hatten  sich  etwa  8  Tage  vor  Ausbruch  der  Krankheit  besuchsweise  in  Blumenfeld  aufgehalten.
  Offenbar  hatten  sie,  ohne  selbst  zu  erkranken,  den  Ansteckungsstoff  übertragen.

Im  Großherzogtum  Hessen  erkrankte  in  der  Stadt  Darmstadt  im  Monat  April
ein  aus  Aden  (Südarabien)  gebürtiger,  über  Konstanz  zugereister,  stellenloser  Ingenieur  von
28  Jahren,  welcher  im  1.  Lebensjahre  geimpft,  aber  später  nicht  wiedergeimpft  war.

Im  Herzogtum  Oldenburg  wurden  in  der  Stadt  Eutin  (Fürstentum  Lübeck)  am
19.  April  1908  bei  einem  wiedergeimpften  28jährigen  Kaufmann,  der  soeben  aus  Cairo
zurückgekehrt  war,  diskrete  Pocken  festgestellt.  Der  Erkrankte  hatte  die  Rückreise  von  Cairo
bis  Triest  auf  einem  Auswandererschiffe  und  von  dort  über  Frankfurt  al  M.  mit  der
Eisenbahn  ausgeführt.  Ob  die  Ansteckung  bei  der  Ankunft  in  Triest,  die  etwa  14  Tage
zurücklag,  oder  im  weiteren  Verlaufe  der  Heimreise  erfolgte,  muß  dahingestellt  bleiben.

In  Elsaß-Lothringen  kamen  im  Bezirk  Unter-Elsaß  in  den  Monaten  April,
Mai  und  Juni  1903  insgesamt  21  Pockenfälle  vor,  davon  entfielen  12  auf  die  Stadt
Straßburg,  7  auf  Eckbolsheim  (Landkreis  Straßburg),  je  1  auf  Schiltigheim
(Straßburg)  und  Lingolsheim  (Erstein).  In  der  Stadt  Straßburg  erkrankten  zunächst
ein  wiedergeimpfter  40  jähriger  Kaufmann  aus  Böhmen,  dessen  geimpfte  2jährige  Tochter
und  ein  ungeimpfter  1jähriger  Sohn,  dann  folgten  ein  ungeimpftes  1jähriges  Mädchen,  3
geimpfte  und  5  wiedergeimpfte  erwachsene  Personen,  von  denen  2  Männer  im  Alter  von
48  und  57  Jahren  nach  schwerer  Erkrankung  am  9.  Juni  und  1.  Juli  1908  starben.
Von  Straßburg  gelangten  die  Pocken  nach  Eckbolsheim,  wo  ein  ungeimpfter  6  jähriger
Knabe,  3  geimpfte  Kinder  im  Alter  von  2  bis  8  Jahren,  eine  geimpfte  46jährige  Frau  und
2  wiedergeimpfte  Männer  von  34  und  35  Jahren  erkrankten.  Nur  bei  dem  ungeimpften
Kinde  trat  die  Krankheit  bei  konfluierenden  Pusteln  schwer  auf,  in  allen  übrigen  Fällen  war
der  Verlauf  bei  diskreten  Pusteln  leicht.  In  dem  nahegelegenen  Schiltigheim  wurde
eine  ungeimpfte  40jährige  Frau  von  teils  konfluierenden,  teils  hämorrhagischen  Pocken
schwer  betroffen.  Gleichzeitig  gelangte  in  Lingolsheim  (Erstein)  ein  geimpftes  12jähriges
Mädchen  wegen  Auftretens  diskreter  Pusteln  in  ärztliche  Behandlung.  Alle  diese  Erkrankungen
  waren  anscheinend  von  Straßburg  aus  verbreitet  worden.  Bei  den  vielfachen
Beziehungen  zwischen  Straßburg  und  dem  benachbarten  Frankreich  ist  anzunehmen,  daß  diese
Pockenfälle  ihre  Ursprungsquelle  in  Frankreich  hatten,  wo  im  Berichtsjahre  allein  in  71
größeren  Städten  1859  Pockentodesfälle  zur  amtlichen  Kenntnis  kamen.  Im  Bezirk  Ober-Elsaß
  ereigneten  sich  in  Felleringen  (Kreis  Thann)  in  den  Monaten  April  und  Mai
4  Pockenfälle,  von  denen  2  leicht  und  2  schwer  verliefen,  jedoch  in  allen  Fällen  zur  Genesung
führten.  Eingeschleppt  wurde  die  Seuche  durch  einen  wiedergeimpften  42jährigen  Zeichner,
der  aus  Rußland  über  Paris-Epinal  nach  Bussang  und  von  dort  über  die  Grenze  in  seinen
Geburtsort  Felleringen  kam.  Die  Erkrankung  begann  in  Paris  am  21.  April  und  wurde
in  Felleringen  am  27.  April,  dem  Tage  der  Ankunft,  von  einem  deutschen  Arzt  als  Pocken
erkannt.  Am  5.  und  6.  Mai  zeigte  sich  die  Krankheit  auch  bei  3  weiblichen  Personen  im
Alter  von  40  bis  58  Jahren,  welche  durch  Wartung  und  Pflege  mit  dem  Pockenkranken  in
Berührung  gekommen  waren.  Im  Bezirk  Lothringen  in  Groß-Moyeuvre  (Kreis
Diedenhofen  -West)  erkrankte  am  29.  März  1903  ein  geimpfter  23  jähriger  italienischer
Bergmann,  der  etwa  9  Tage  vorher  aus  Frankreich  zugereist  war,  wo  er  sich  mehrere  Tage
in  Marseille  aufgehalten  hatte.  Nachdem  am  3.  April  seine  Aufnahme  in  ein  Krankenhaus
zu  Metz  erfolgt  war,  wurde  am  nächsten  Tage  sein  24jähriger  italienischer  Arbeits=  und
Zimmergenosse  wiedergeimpft.  Am  7.  April  erkrankte  jedoch  auch  dieser  an  Pocken  und
mußte  in  das  Krankenhaus  gebracht  werden.