—  51  —

Stadtgegend  mit  dem  Mittelpunkte  der  Stadt.  Der  Verwaltungsdienst,  der  Impfstall  und
die  Lymphebereitung  sind  in  drei  gesonderten  Gebäuden  untergebracht,  welche  einen  mit
gärtnerischen  Anlagen  versehenen  Hof  umschließen.  Angrenzend  an  diese  Baulichkeiten,  jedoch
  von  ihnen  durch  eine  Mauer  getrennt,  schließt  sich  gegen  Norden  das  Kontumazgebäude
mit  geräumigem  Hofe  an,  das  die  Möglichkeit  gibt,  Tiere  vor  der  Einlieferung  in  den
Stall  der  Anstalt  auf  ihren  Gesundheitszustand  zu  beobachten.  Getrennte  Zugänge  und
ein  eigenes  Wartepersonal  gestatten  es,  die  Absonderung  streng  durchzuführen.  Die  Niederdruck-Dampfheizung
  ist  im  Keller  des  Impfstalles  untergebracht,  die  Waschküche  befindet
sich  im  Keller  des  Verwaltungsgebäudes.  In  den  Obergeschossen  liegen  die  Wohnungen
für  das  Dienstpersonal,  sowie  Reserveräume.  Infolge  der  zweckmäßigen  Einteilung  und
Anordnung  der  Räume  hat  sich  der  Betrieb  im  neuen  Gebäude  auf  das  beste  gestaltet.  Das
ganze  Mobiliar  wurde  einer  gründlichen  Reparatur  unterzogen.

In  Stuttgart  sind  in  den  Räumen  der  Anstalt,  die  im  letzten  Jahre  eine  Bereicherung
durch  zwei  neue  Arbeitsräume  erfahren  hatten  und  mit  Gasheizung  durchgehends  ausgestattet
  worden  waren,  nachträglich  noch  eine  ausgiebigere,  nach  beiden  Seiten  drehbare  Lampe
zur  besseren  Beleuchtung  beim  Mikroskopieren  und  ein  neuer  Eisschrank  angeschafft  worden.

In  Weimar  besteht  die  Anstalt  aus  vier  Teilen.  Von  diesen  ist  der  im  Schlachthof
zur  Verfügung  stehende  Beobachtungsraum  für  Tiere,  die  der  Klauenseuche  verdächtig  sind,
in  den  Jahren  1903  und  1904  nicht  benutzt  worden.  Das  eigentliche  Impfgebäude  auf
dem  Grundstücke  des  Schlachthofes  enthält  den  Stallraum  für  2  Ochsen  und  3  bis  4  Kälber,
den  Vorratsraum  für  Futter,  den  Küchenraum  und  den  Schrankraum,  den  Impfsaal  mit
Oberlicht  und  Seitenlicht  und  mit  den  Impftischen  und  den  Kaninchenstall.  Der  Raum  für
die  Verreibung  und  Abfüllung  der  Lymphe  befindet  sich  im  Wohnhaus  des  Impfinstitutsvorstehers.
  Hier  sind  ausgestellt  die  elektrisch  sich  drehende  Reibschale,  die  Abfüllvorrichtungen,
ein  Glasbläsertisch  zum  Zuschmelzen  der  Röhren  und  einige  kleine  Apparate.  Die  Vorräte
an  Glas  und  an  Versandgegenständen  find  besonders  in  einem  Nebenraum  untergebracht.
Alle  im  Gebrauche  befindlichen  Apparate  stehen  staubfrei  unter  Glas.  Die  Wände,  Tische,
Apparatentische,  Regale  usw.  sind,  wie  üblich,  weiß  gestrichen.  Die  Schreibstube  und  Versandstube
  befindet  sich  abgesondert  davon.  Ein  kleiner  Blechkasten  mit  einem  Vorrat  von  Lymphe
ist  in  einer  daselbst  vorhandenen  leeren  Esse  untergebracht,  von  wo  aus  der  Kasten  unter
die  Kellersohle  versenkt  ist  (9°9  C  Sommer  und  Winter).  Der  Hauptvorrat  an  Lymphe,
zurzeit  etwa  40  000  Portionen,  ist  in  einem  kühlen  Kellerabteil  untergebracht.

An  den  Räumlichkeiten  im  eigentlichen  Impfgebäude  haben  Anderungen  nicht  stattgefunden,
  es  sind  nur  kleine  Reparaturen  an  den  Fußböden,  den  Wänden  und  den  Tischen
vorgenommen  worden.  Von  dem  geplanten  Olanstrich  ist  abgesehen  worden,  da  der  Kalkanstrich
  sich  bewährt  hat.  Der  Stallraum  konnte  mit  diesem  Anstrich  stets  reinlich  und
zugleich  desinfiziert  gehalten  werden.  Die  Nachbesserungen  im  Anstrich  werden  je  nach  Bedarf
von  dem  Stallwärter  besorgt.  Die  Heizung  mit  Gas  hat  sich  bewährt.

Neu  hinzugekommen  ist  ein  Kaninchenstall,  der  sich  an  eine  Außenwand  des  Impfgebäudes
  anlehnt,  7  m  lang,  8  ½  m  breit  und  mit  Oberlicht  versehen  ist.  Die  Umfassung
besteht  aus  Wellblech,  innen  bekleidet  mit  Korksteinen  und  mit  Gipsdielen  belegt.  Der  Fußboden
  ist  zementiert,  mit  allseitiger  Steigung  nach  einem  Kanaleinlauf  hin.  Auf-dem  Zement
liegt  ein  Bretterrost  aus  Schalbrettern,  deren  Rundung  den  Ablauf  von  Flüssigkeiten  sichert.
Das  Dach  besteht  aus  Wellblech  und  hat  ebenfalls  Gipsdielenbelag,  um  im  Sommer  die
Wärme,  im  Winter  die  Kälte  abzuhalten.  Die  Tür  hat  ebenfalls  solchen  Belag.  Der  Stall
ist  ganz  mit  weißer  Kalkfarbe  gestrichen;  der  Anstrich  wird  oft  nachgebessert  oder  erneuert.

An  der  dem  Impfgebäude  zugekehrten  Längsseite  sind  12  gemauerte  Zuchtzellen  mit  kleinem
47