—  78  —

Die  Pustelmasse  je  eines  Fasels  wurde  für  sich  verarbeitet.  Die  aus  den  besten
Pusteln  gewonnene  Glyzerinlymphe  wurde  zur  Weiterzüchtung  des  Impfstoffes  verwendet.

Wie  bisher,  wurde  die  Glyzerinlymphe  in  der  Regel  sofort  nach  der  Abnahme  fertig
gestellt,  mehrmals  erst  später,  nachdem  die  Pustelmasse  einige  Zeit  in  Glyzerin  aufbewahrt
worden  war;  es  scheint,  daß  sich  bei  diesem  Verfahren  leichter  eine  gleichmäßige  Emulsion
herstellen  läßt.  Das  in  dem  Verhältnis  von  3:1  zugesetzte  Glyzerinwasser  bestand  aus
2  Teilen  Sargschem  Glyzerin  und  1  Teil  abgekochtem  Wasser.  Zur  Verreibung  wurde
wie  seither  die  Döringsche  Lymphmühle  benutzt,  durch  welche  die  Masse  gewöhnlich  3  mal,
ausnahmsweise  auch  4  mal  hindurchging.  Die  in  Glastuben  zu  je  10,  20,  50,  100  und
200  Portionen  abgefüllte  Lymphe  wurde  im  Sommer  im  Eisschranke,  im  Winter  im  Keller
aufbewahrt.  Unverdünnter  Impfstoff  kam  nicht  zur  Verwendung;  auch  wurde  trockener
Impfstoff,  sogenanntes  Impfpulver  nicht  mehr  hergestellt.

In  Schwerin  fand  die  Abnahme  39  mal  nach  96  Stunden,  2  mal  nach  100  Stunden,
durchschnittlich  nach  96,,  Stunden  statt.  Die  41  Kälber  ergaben  zusammen  395  g,  durchschnittlich
  also  9,/  g  Pustelmasse.  Der  niedrigste  Erfolg  betrug  5,  der  höchste  19  g.  Die
Zubereitung  des  Impfstoffes  erfolgte  in  gleicher  Weise  wie  früher.  Es  wurden  im  ganzen
51150  Portionen  Lymphe  hergestellt,  mit  einem  Zeitaufwand  von  ungefähr  2½  Stunden
für  jedes  Kalb.

In  Bernburg  betrug  die  Gesamtmenge  des  gewonnenen  Impfrohstoffes  von  den
24  geimpften  Tieren  302,,  g.  Hieraus  wurden  durch  Verarbeitung  mit  physiologischer
Kochsalzlösung  und  Sargschem  Glyzerin  —  1  Teil  Lymphe,  ein  Teil  physiologische  Kochsalzlösung
  und  3  bis  4  Teile  Glyzerin  —  rund  118000  Portionen  Lymphe  gewonnen.

In  Lübeck  wurde  die  gewonnene  Lymphe  mit  4  Teilen  Glyzerin  in  üblicher  Weise
verrieben,  in  Glasröhrchen  gefüllt  und  wie  früher  verkorkt,  zugeschmolzen  und  aufbewahrt.

In  Hamburg  geschah  die  Abimpfung  bei  den  4  Kälbern  Nr.  1,  2,  42  und  43
nach  beinahe  6mal  24  Stunden,  bei  dem  Kalbe  Nr.  35  nach  4mal  24  Stunden,  sonst  immer
nach  etwa  5mal  24  Stunden.  Der  Rohstoff  wurde  mit  Glyzerin  und  physiologischer  Kochsalzlösung
  im  Verhältnis  von  1:  2:  1  begossen  und  bis  zur  Verreibung,  ebenso  wie  die
fertige  Emulsion,  im  Eisschranke  aufbewahrt.  Bei  2  Ernten  fiel  diese  Mischung  so  dick
aus,  daß  sie,  um  die  Einfüllung  in  Röhrchen  zu  ermöglichen,  verdünnt  werden  mußte.  Nach
der  Verreibung  wurde  der  Impfstoff  in  Glasbüchsen  gefüllt,  die  Büchsen  wurden  verkorkt
und  die  Korke  mittels  Collodium  elasticum  luftdicht  bestrichen.  Die  zur  Abgabe  an  Privat--ärzte
  bestimmten  Glasröhrchen  wurden  nach  der  Einsaugung  des  Impfstoffes  mit  Hammeltalg
  verschlossen  und  sodann  ebenfalls  mit  Collodium  bestrichen.  Der  Verschluß  der  Röhrchen
mit  dem  Lötrohr  wurde  aufgegeben,  weil  der  Impfstoff  dabei  mehrfach  zu  heiß  und  unwirksam
  geworden  war.

In  Straßburg  i.  E.  erfolgte  die  Abnahme  des  Impfstoffes  mittels  Abtragung  der
ganzen  Haut  in  mehreren  Lappen  8  mal  138  Stunden  nach  der  Impfung  (bei  Verwendung
von  Kinderlymphe)  und  1  mal  nach  133  Stunden  (bei  Gebrauch  von  humanisierter  Tierlymphe).
  Das  Kalb  wurde  vorher  an  den  Hinterfüßen  aufgehängt,  der  Hals  weit  durchgeschnitten
  und  sofort  das  Rückenmark  unterhalb  des  Hinterhauptknochens  durchgetrennt.
Sobald  die  Haut  blutleer  geworden  war,  was  sehr  rasch  geschieht,  wurde  sie  noch  warm
abgenommen.  Jeder  Hautlappen  —  gewöhnlich  5  bis  6  —  wurde  in  eine  besondere,  abschließbare,
  flache  Blechdose  gebracht,  auf  deren  Bodenfläche  sich  eine  Glasplatte  befindet.
Von  diesen  Dosen  passen  6  zusammen  in  eine  größere  Blechbüchse,  welche  luftdicht  geschlossen
werden  kann  und  mit  einem  Schloß  versehen  ist.  In  diesem  doppelt  gegen  die  Außenluft
geschützten  Gefäße  wird  die  Haut  nach  der  Wohnung  des  Anstaltsleiters  gebracht  zur  weiteren