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In  Cassel  wurden  Probeimpfungen  vom  Leiter  der  Anstalt  gelegentlich  seiner  Tätigkeit
  als  öffentlicher  Impfarzt  vorgenommen;  ihre  Ergebnisse  waren  im  allgemeinen  günstig.
Es  erwies  sich  als  ein  Übelstand,  daß  nicht  jede  Lymphe  vorher  versucht  werden  konnte.
Bemühungen,  welche  darauf  hinzielten,  zu  jeder  Zeit  Impflinge  zur  Verfügung  zu  haben,
hatten  nicht  den  gewünschten  Erfolg,  namentlich  fehlte  es  daran  im  Frühjahr.  Es  sind  deshalb
  Schritte  eingeleitet,  um  Prüfungen  an  Kaninchen  vornehmen  zu  können.

In  München  wurde  jede  Lymphe  vor  der  Abgabe  durch  Probeimpfungen  in  der
Anstalt  auf  ihre  Wirksamkeit  eingehend  und  meist  zu  verschiedenen  Zeiten  wiederholt  geprüft.

In  Dresden  war  die  Anstalt  außerstande,  eine  Vorprüfung  der  bis  Mitte  Mai
versandten  Lymphe  auf  ihre  Wirksamkeit  anzustellen.  Zur  Prüfung  der  Lymphe  beim
Menschen  ist  der  Vorstand  der  Anstalt,  da  in  ihr  selbst  keine  Kinderimpfungen  ausgeführt
werden,  lediglich  auf  diejenigen  Impfungen  angewiesen,  welche  er  als  Impfarzt  in  einigen
Bezirken  der  Stadt  Dresden  ausführt.  Die  öffentlichen  Impfungen  in  Dresden  beginnen
aber  erst  Anfang  Mai  und  sind  in  den  ersten  Terminen  spärlich  besucht.  Im  Jahre  1904
wurden  nur  19  Impflinge  bis  zum  5.  Mai  geimpft  und  waren  bis  zum  13.  Mai  zur
Nachschau  gelangt.  Die  Vorprüfung  mußte  daher  bis  dahin  den  Impfärzten  selbst  überlassen
  werden.  Diese  unterziehen  sich  aber  fast  niemals  dieser  Mühe,  sondern  verwenden
die  ungeprüfte  Lymphe  sofort  ohne  weiteres  in  großen  Impfterminen.

Die  Schwierigkeit  der  rechtzeitigen  und  genügenden  Beschaffung  humanisierter  Lymphe
und  die  Unmöglichkeit  der  Vorprüfung  der  Lymphen  bei  Kindern  vor  Mitte  Mai,  verbunden
mit  der  Notwendigkeit,  schon  vor  dieser  Zeit  beträchtliche  Mengen  Impfstoff  zu  liefern  und
ihn  vor  dem  Versand  längere  Zeit  aufzubewahren,  erklären  es,  daß  mit  Lymphen,  welche
ungeprüft  waren  und  welche  eine  geringe  Haltbarkeit  besaßen,  eine  größere  Zahl  Fehlimpfungen
  gemacht  worden  ist.

In  Stuttgart  überzeugte  sich  der  Zentralimpfarzt  vor  der  Versendung  der  Lymphe
von  ihrer  Wirksamkeit  durch  Versuche  an  Tieren  oder  an  Kindern.

In  Cannstatt  konnten  Probeimpfungen  wegen  der  großen  Zahl  der  ausgeschlossenen
Tiere  nicht  regelmäßig  vorgenommen  werden.

In  Karlsruhe  mußte  die  vom  Tier  Nr.  8  gewonnene  Lymphe,  die  anfänglich  nur
erfolgreiche  Probeimpfungen  ergeben  hatte,  bei  ihrer  Massenverwendung  etwa  6  Wochen  bis
2  Monate  später  aber  versagte,  von  der  Benutzung  ausgeschlossen  werden.  Was  der  raschen
Abschwächung  der  Lymphe  dieses  einen  Tieres  zugrunde  lag,  war  nicht  zu  ermitteln.  Jedenfalls
  erscheint  es  danach  erwünscht,  jede  Lymphe  unmittelbar  vor  ihrer  Massenverwendung
der  Probeimpfung  zu  unterziehen,  was  in  Karlsruhe  indes  nicht  immer  möglich  ist.

In  Darmstadt  gibt  die  Zuteilung  des  städtischen  Impfbezirkes  an  den  Vorstand  der
Landesimpfanstalt  diesem  Gelegenheit  zur  Vornahme  von  Probeimpfungen,  welche  von
Februar  bis  Oktober  fortgesetzt  werden.

Das  in  Weimar  geübte  Verfahren  von  Probeimpfungen  ist  weiterhin  unter  „7.  Ergebnisse
  wissenschaftlicher  Untersuchungen“  näher  beschrieben.  Eine  Rückforderung  von  Impfstoff
  seitens  der  Anstalt  hat  einmal  im  Juni  geschehen  müssen,  nachdem  die  Wirksamkeit  der
Nummer  plötzlich  nachgelassen  hatte.

In  Bernburg  sind  Probeimpfungen  im  Berichtsjahre  in  ausgedehnter  Weise  vorgenommen
  worden;  es  wurde  keine  Lymphesorte  verschickt,  die  nicht  vorher  geprüft  war.

In  Lübeck  wurde  die  Wirksamkeit  der  Lymphe  an  weißen  Kaninchen  geprüft.

In  Straßburg  i.  E.  wurden  regelmäßig  Probeimpfungen  vorgenommen;  ferner  wurden
dem  bakteriologischen  Institut  der  Universität  von  jedem  Kalbe  zwei  Röhrchen  mit  60
Portionen  zur  Untersuchung  auf  den  Gehalt  an  Bakterien  und  auf  die  Wirksamkeit  übersandt.