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Wie  schon  in  dem  Bericht  des  vorletzten  Jahres  hervorgehoben  ist,  sprachen  mancherlei
Erfahrungen  für  die  Annahme,  daß  von  einem  Teil  der  Impfärzte  nicht  mit  der  nötigen
Sorgfalt  bei  der  Ausführung  der  öffentlichen  Impfungen  verfahren  wurde.  Um  dem  entgegen
  zu  wirken,  wurde  jeder  Lymphesendung  ein  besonderes  Anschreiben  beigelegt,  in  welchem
auf  die  genaue  Beachtung  der  für  die  Ausführung  der  Impfungen  erlassenen  Vorschriften
und  insbesondere  auf  die  Kontrolle  der  angelegten  Schnitte  hingewiesen  wurde.  Das  letztere
erschien  notwendig,  weil,  wie  in  Erfahrung  gebracht  wurde,  von  einzelnen  Impfärzten  mit
zu  stumpf  gewordenen  Platin-Iridium-Messern  geimpft  worden  ist,  mit  denen  eine  Durchtrennung
  der  oberflächlichen  Epitelschicht  bei  flüchtiger  Impfung  nicht  mehr  möglich  war.
Dieser  Hinweis  hat  mindestens  einen  Teil  der  Impfärzte  veranlaßt,  auf  das  Impfgeschäft
mehr  Zeit  zu  verwenden.  Allerdings  sind  auch  noch  in  diesem  Jahre  Impftermine  angesetzt
worden,  in  denen  in  einer  Stunde  bis  zu  400  Impfungen  ausgeführt  werden  sollten.  Die
im  vorjährigen  Bericht  hinsichtlich  der  Ausbildung  der  Studierenden  an  der  Königsberger
Universität  gemachten  Bemerkungen  trafen  auch  für  das  letzte  Impfgeschäft  zu.  Derjenige
Impfarzt,  welcher  in  diesem  Jahre  die  schlechtesten  Ergebnisse  (nur  57%  Erfolg  bei  Erstimpflingen)
  erzielte,  führte  seinen  Mißerfolg  darauf  zurück,  daß  er  mit  nicht  genügend  abgekühlten
  Platin-Iridium-Messern  geimpft  habe.

In  Berlin  sind  die  Impferfolge  bei  den  Erstimpfungen  hinter  den  früheren  um
4%  zurückgeblieben.  Ein  solches  Ergebnis  ließ  sich  im  Anfange  der  Hauptimpfzeit  nicht
erwarten.

Bis  zum  Ende  des  April  kam  Lymphe  eines  Stammes  zur  Verimpfung,  welcher
während  des  Jahres  1903  aus  humanisiertem  Stoffe  bis  zur  8.  Generation  und  im  Berichtsjahre
  bis  zur  9.  fortgepflanzt  war.  Der  aus  dieser  allein  oder  vorwiegend  erzeugte  Impfstoff,
  welcher  im  Anfange  der  Hauptimpfzeit  zur  Ausgabe  gelangt  war,  wurde  mit  nicht
gerade  ungünstigem  Erfolge  verimpft.  Die  von  den  Impfärzten  unter  Ausschluß  des  Vorstandes
  der  Anstalt  mit  diesem  Stoffe  ausgeführten  Erstimpfungen  hatten  ein  Ergebnis  von
97,7%  persönlichem  und  89,1%  Schnitterfolg.  Es  konnte  hiernach  wohl  erwartet  werden,  daß
ein  anderer  Zweig  des  Stammes,  der  im  Jahre  1903  nur  bis  zur  2.  Generation  fortgepflanzt
  war  und  im  Berichtsjahre  in  der  Zeit  von  Ende  April  bis  Anfang  Juni  in  der
4.  Generation  zur  Lymphe-Gewinnung  verwendet  wurde,  ein  besseres  Material  zu  Menschenimpfungen
  ergeben  würde,  da  diese  Lymphe  derselben  Quelle  entstammte  und  um  4  Generationen
  jünger  war.  So  weit  die  Erfolge  außerhalb  der  Anstalt  in  Betracht  kommen,  hat
sich  diese  Hoffnung  nicht  verwirklicht,  wenn  auch  die  Ergebnisse  der  Impfungen  der  Anstaltsärzte,
  trotzdem  sie  zum  großen  Teile  von  Lernenden  ausgeführt  sind,  nicht  ungünstig  waren.
Von  der  Lymphe  der  2.  Generation  stand  nur  eine  geringe  Menge  zur  Verfügung,
und  es  begegnete  der  Anstalt  das  Mißgeschick,  daß  das  Kalb,  auf  welches  der  Stoff  verimpft
worden  war,  sich  nach  der  Schlachtung  als  krank  erwies.  Nach  diesen  Erfahrungen  wurde
bei  dem  nächsten  Versuche,  die  Lymphe  2.  Generation  fortzupflanzen,  der  verbliebene
Rest  auf  2  Kälber  verteilt,  welche  an  anderen,  völlig  abgetrennten  Stellen  mit  Lymphe  der
8.  Generation  beschickt  wurden,  so  daß  also  auf  demselben  Tiere  Lymphe  3.  und  Lymphe
9.  Generation  zur  Abnahme  gelangten.  Hierbei  sowie  bei  der  Verarbeitung  wurden  beide
Sorten  vollständig  getrennt  behandelt.  Die  9.  Generation  wurde  verschickt,  die  3.  nach  und
nach  auf  3  Kälber  verimpft,  und  der  von  diesen  gewonnene  Ertrag  zur  Erzeugung  der
Versandlymphe  benutzt.

Als  in  der  zweiten  Hälfte  des  Mai  die  ersten  Berichtskarten  einliefen,  wurde  Lymphe
von  einer  anderen  Anstalt  bezogen  und  auf  ein  Kalb  verimpft;  da  das  Tier  an  Odem  erkrankte,
  glückte  dieser  Versuch  nicht.  Einige  Zeit  darauf  wurden  3  Kälber  mit  Impfstoff