—  103  —

In  Bernburg  ist  die  Wirksamkeit  des  Impfstoffes  gut  gewesen;  von  keiner  Seite
wurde  über  Fehlimpfungen  in  erhöhtem  Maße  berichtet.  In  der  Stadt  Bernburg  sind  nur
2  Erstimpflinge  ohne  Erfolg  geimpft,  bei  fast  allen  Erstimpflingen  sind  hier  100%  Schnitterfolge
  verzeichnet.

Nach  den  in  Lübeck  eingegangenen  Mitteilungen  war  die  Wirkung  der  gewonnenen
Lymphe  bis  auf  die  von  Kalb  Nr.  4  sehr  gut.

In  Hamburg  erwies  sich  die  Wirksamkeit  des  Impfstoffes  in  den  Händen  der  Impfärzte
  und  der  Distriktsärzte  im  allgemeinen  befriedigend;  auch  die  Listen  der  Privatärzte,
soweit  sie  bis  zur  Erstattung  des  Berichtes  bekannt  geworden  sind,  ließen  auf  ein  befriedigendes
Gesamtergebnis  schließen.  Im  Frühsommer  kamen  jedoch  bei  Verimpfung  der  Lymphe  von
den  Kälbern  Nr.  13  und  14  einzelne  und  bei  Verimpfung  von  Nr.  25  ziemlich  viele  Fehlimpfungen
  vor.  Lymphe  Nr.  13  wurde  in  der  Impfanstalt  auf  834  Erstimpflinge  verimpft,
3  mal  ohne  Erfolg,  in  Fuhlsbüttel  vom  dortigen  Distriksarzte  auf  197  Erstimpflinge,  davon
23  ohne  Erfolg.  Die  Lymphe  Nr.  14  ging  zumeist  an  die  Distriktsärzte  und  lieferte  in
Ochsenwärder  und  Finkenwärder  in  20%  der  Erstimpflinge  und  in  14%  der  Wiederimpflinge
  keinen  Erfolg.  Die  Lymphen  Nr.  13  und  14  hatten  bei  der  Probeimpfung  vollen
Erfolg  gezeigt,  bei  Nr.  25  war  von  20  Pusteln  nur  eine  ausgefallen.  Bei  allen  3  Lymphesorten
  traten  große  Mengen  Fehlimpfungen  schon  14  Tage  nach  dem  Ergebnisse  der  Probeimpfung
  auf.  Die  Lymphe  Nr.  25  blieb  in  der  Impfanstalt  im  August  bei  69  von  434
Erstimpflingen  erfolglos.  Zur  Prüfung  der  erforderlichen  Einwandsfreiheit  und  Virulenz
wurde  folgendermaßen  verfahren:  zunächst  wurde  mittels  Probeimpfung  auf  Traubenzuckeragar
  die  Abwesenheit  größerer  Mengen  darauf  entwickelungsfähiger  Keime  festgestellt,  dann
folgte  die  Probeimpfung  auf  Kaninchen,  sodann  erst  die  Probeimpfung  auf  einigen  Kindern.
Trat  hier  eine  zu  kräftige  Wirkung  auf,  so  wurde  die  Verwendung  der  ganzen  Masse  des
Impfstoffes  noch  etwas  aufgeschoben;  beim  Ausbleiben  mehrerer  Probepusteln  aber  pflegte
der  Impfstoff  zurückgelegt  zu  werden.  Blieb  guter  Impfstoff  während  längerer  Zeit  wegen
Mangels  an  Verwendung  liegen,  so  wurde  die  Probeimpfung  wiederholt,  namentlich  dann,
wenn  etwas  abgelagerte  Lymphe  in  Kapillaren  an  Privatärzte  abgegeben  werden  sollte.

Recht  wirksam  erwies  sich  die  im  Juli  gewonnene  Variolavakzine,  die  um  Ende  August
zunächst  zu  Wiederimpfungen,  später  auch  zu  Erstimpfungen  verwendet  worden  ist.  Noch
gegen  Ende  des  Berichtsjahres  bewährte  sich  ihre  Haftsicherheit  fast  ausnahmslos.

übersicht  über  den  Erfolg  der  öffentlichen  Impfungen  in  Hamburg
während  der  letzten  4  Jahre  in  %.

Der  persönliche  Erfolg  betrug  der  Erstimpfungen  der  Wiederimpfungen

in  den  Jahren  19011902  1908  1804  1801  1902  1908  1904
im  ersten  Impfgange  der  Impfanstalt99e  99,2:  99  99,  98,  91,088,  90%
bei  den  Distriktsärzten  98,%  97,  95,  1m9%%%  95%  93%½“  96%

Die  Schnitterfolge  des  ersten  Impfganges  der  Impfungen  und  Wiederimpfungen
stellten  sich  in  der  Impfanstalt  auf  95/62  und  72,567%,  es  wurden  durchschnittlich  3,82  bezw.
2,p  Pusteln  erzielt.  Bei  den  Distriktsärzten  war  der  Schnitterfolg  bei  den  Erstimpfungen
79,8,  bei  den  Wiederimpfungen  81,2  %.

In  Straßburg  i.  E.  verliefen  die  Impfungen  bei  den  Kindern  regelrecht  und  gaben
mit  dem  jetzt  sehr  beliebten  und  zweckmäßigen  Schutzverbande  prächtige  Pusteln.