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Der  Vorstand  hatte  bei  den  öffentlichen  Impfungen  im  ersten  und  sechsten  Revier,
welche  er  als  Gemeindearzt  ausführte,  Gelegenheit  den  Impfstoff  während  der  Hauptzeit  der
Impfungen  (Mai,  Juni)  zu  prüfen.  Der  persönliche  Erfolg  betrug  bei  Erstimpfungen  99,,
der  Schnitterfolg  94%.  Das  Kind,  bei  welchem  die  Impfung  ohne  Erfolg  blieb,  kam  von
auswärts  und  war  angeblich  schon  ein  erstes  Mal  ohne  Erfolg  geimpft;  auch  eine  weitere
Impfung  blieb  ohne  Erfolg.  ·

Die  Wirksamkeit  der  von  den  verschiedenen  Kälbern  stammenden  Lymphe  bot  keine
wesentlichen  Unterschiede.  Auch  die  auswärtigen  ärzte  berichteten  durchweg  über  gute
Erfolge.

In  Metz  brachten  verschiedene  Umstände  es  mit  sich,  daß  vom  11.  März,  dem  Tage
der  ersten  Impfung,  an  das  ganze  Jahr  hindurch,  mit  Ausnahme  von  Juli  und  August,
geimpft  werden  mußte.  Einmal  ergaben  in  den  Monaten  April,  Mai  und  Juni  die  Ernten
von  5  Kälbern  Impfstoff,  der  sich  bei  Probeimpfungen  als  wirkungslos  erwies,  so  daß
gerade  in  der  Zeit  der  stärksten  Nachfrage  für  den  regelmäßigen  Impfdienst  die  Ansprüche
nicht  sofort  befriedigt  werden  konnten.  Ende  Juni  setzten  in  den  Bergwerks=  und  Hüttengebieten
  der  Kreise  Metz  Land  und  Diedenhofen  West  zahlreiche  Gruppen  von  Pockenerkrankungen
  ein,  deren  Einschleppung  aus  verschiedenen  Gemeinden  des  französischen  Grenzdepartements
  durch  den  lebhaften  Verkehr  der  diesseits  und  jenseits  der  deutsch-französischen
Grenze  hausenden  Italiener  untereinander  erfolgte.  Es  wurden  infolgedessen  Massenimpfungen
  unter  Hütten=  und  Grubenarbeitern  angeordnet,  zu  deren  Ausführung  eine  Reihe
staatlicher  deutscher  Impfanstalten  um  Aushilfe  durch  Abgabe  von  Impfstoff  angegangen
werden  mußte.  Es  waren  #ies  die  Impfanstalten  in  Halle,  Cassel,  München,  Dresden,
Cannstatt,  Karlsruhe,  Schwerin  und  Straßburg,  die  mit  rühmenswerter  Schnelligkeit  zusammen
  etwa  12  000  Portionen  meist  wirksamen  Stoffes  lieferten,  so  daß  der  Bedarf  für
9145  öffentliche  und  2  000  Schutzimpfungen  (nach  den  Pockenausbrüchen)  hieraus  gedeckt
werden  konnte,  während  der  Bedarf  für  9  610  Schutzimpfungen  durch  inzwischen  in  Metz
erzeugte  Lymphe  befriedigt  und  ein  Rest  von  etwa  1500  Portionen  Impfstoff  der  Dresdener
Anstalt  zurückerstattet  werden  konnte.

Auf  die  Wirksamkeit  der  Lymphe  der  Kälber  Nr.  14  bis  18  kann  daraus  geschlossen
werden,  daß  auf  die  Lieferung  von  rund  15  000  Portionen  für  Rekrutenimpfungen  eine
Nachbestellung  von  nur  200  Portionen  für  die  erste  und  zweite  Wiederholung  folgte.

Die  Haltbarkeit  der  Tierlymphe.

In  Stettin  erwies  sich  die  Lymphe  im  ganzen  als  recht  haltbar.  Es  wurde  nur
Retrovakzine  bis  zur  3.  Generation  weitergezüchtet;  nur  eine  Lymphesorte  war  etwas  frühzeitiger
  abgeschwächt.

In  Oppeln  wurden  gelegentlich  der  Probeimpfungen  auch  Versuche  über  die  Dauer
der  Wirksamkeit  angestellt;  sie  ergaben,  daß  bei  der  jetzt  üblichen  Verdunnung  von  1:  6  erst
nach  5  Monaten  eine  gewisse  Abschwächung  der  Lymphe  sich  durch  Pustelausfall  bemerkbar  macht.

In  Halle  a.  S.  sind  neue  Umstände,  welche  die  Wirksamkeit  des  Impfstoffes  beeinträchtigen,
  nicht  bekannt  geworden.  Die  während  des  Hochsommers  andauernde  starke
Hitze  hat  mehrfach  in  auffälliger  Weise  den  ungünstigen  Einfluß  hervortreten  lassen,  den
hohe  Lufttemperatur  während  der  Postbeförderung  ausübt.  Da  der  im  Mai  oder  Juni
geerntete  Impfstoff  in  der  zweiten  Hälfte  des  August  auf  diese  Weise  nicht  selten  an
Wirksamkeit  einbüßt,  wurden  die  Impfärzte  schon  gegen  Ende  August  wieder  mit  frischem
Stoffe  versorgt  und  der  ganze  vom  Frühling  her  übrig  gebliebene  Impfstoff  —  nicht  weniger
als  27000  Portionen  —  vom  Versande  ausgeschlossen  und  vernichtet.