—  110  —

noch  stark.  Das  Kind  war  sehr  heruntergekommen,  fängt  aber  allmählich  an,  sich  zu  erholen.“
Wie  aus  einer  weiteren  Mitteilung  hervorgeht,  war  das  Kind  Mitte  April  vollständig  wieder
hergestellt.

In  Schwerin  sind  sicher  festgestellte  Impfbeschädigungen  auch  in  diesem  Jahre  nicht
bekannt  geworden.  Ein  Erstimpfling  erkrankte  am  3.  Tage  an  einem  urticariaartigen
Ausschlag,  welcher  ohne  weitere  Störung  bald  abheilte.

In  Weimar  waren  Krankheitsfälle  bei  Impflingen  nicht  zu  verzeichnen.

Aus  Bernburg  ist  über  den  Tod  eines  in  Dessau  geimpften  Kindes  berichtet,  bei
welchem  sich  14  Tage  nach  der  Impfung  ein  Bläschenausschlag  mit  hohem  Fieber  und
Kräfteverfall  eingestellt  hatte.  Ein  hinzugezogener  Spezialarzt  für  Hautkrankheiten  erklärte
die  Erkrankung  für  eine  außer  Zusammenhang  mit  der  Impfung  stehende  Dermatitis  bullosa-.
Von  der  zur  Impfung  dieses  Kindes  benutzten  Lymphe  sind  gegen  3  000  Portionen  abgegeben,
  doch  ist  von  dem  Auftreten  ähnlicher  Krankheitserscheinungen  nach  ihrer  Verwendung
sonst  nichts  berichtet  worden.

In  Lübeck  und  Straßburg  i.  E.  ist  über  Erkrankungen  der  Impflinge  nichts
bekannt  geworden.

Zufolge  der  in  Metz  eingelaufenen  Mitteilungen  lagen  über  störende  Folgeerscheinungen,
die  meist  in  stärkeren  Entzündungshöfen  in  der  Umgebung  der  Impfsstellen  bestanden,  nur
wenige  Beobachtungen  vor.

7.  Ergebnisse  wissenschaftlicher  Untersuchungen.

Aus  Berlin  wurde  folgendes  berichtet:

In  der  Schrift  „Institute  for  infections  diseases,  Serum-Institute  and  Iymphe-Institute
  of  the  Imperial  Government  of  Japan  1904“  ist  die  Angabe  enthalten,  daß  man
durch  Injektion  von  wirklicher  Tierlymphe  in  die  Blutbahn  eines  Kalbes  sehr  zahlreiche  Pusteln
auf  dessen  Haut  und  der  Schleimhaut  erzeugen  könne,  während  sich  nach  der  Einspritzung
von  humanisierter  Lymphe  oder  Retrovakzine  nur  sehr  wenige  Pusteln  entwickeln  sollen.

Es  stand  uns  für  einen  solchen  Versuch  nur  Retrovakzine  zu  Gebote,  welche,  durch
Filtration  geklärt,  einem  Kalbe  in  die  Ohrvene  gespritzt  wurde.  Das  Tier  blieb  bis  zum
19.  Tage  vollständig  frei  von  Ausschlägen  jeder  Art,  auch  zeigte  sich  kein  Fieber.  Eine
Nachimpfung  vorzunehmen,  verbot  die  Geschäftslage  der  Anstalt.  Ferner  wurden  noch
mehrere  andere  Versuche  mit  dem  Materiale  und  auf  Kosten  der  Anstalt  angestellt,  jedoch
ohne  positive  Erfolge.

Da  sich  die  Guarnierischen  Körperchen  im  Inneren  der  Epithelzelle  der  Hornhaut  entwickeln,
  wurde  die  Herstellung  eines  Nährbodens  versucht,  welcher  freigemachten  Zelleninhalt
enthielt.  Um  über  Hornhautepithelien  in  solcher  Menge  zu  verfügen,  daß  sie  der  Sterilisation
unterworfen  werden  konnten,  hätte  eine  sehr  große  Zahl  von  Augen  beschafft  werden  müssen,
und  hierzu  reichten  die  Anstaltsmittel  nicht  aus.  Deshalb  wurden  —  und  zwar  schon  1903  —
die  Epidermis  sowie  die  Retezellen  von  Kuheutern  abgekratzt  und  unter  mikroskopischer
Kontrolle  stundenlang  im  Mörser  unter  Zusatz  von  Kalbserum  oder  Brühe  verrieben,  ähnlich
wie  es  bei  der  Tuberkulinfabrikation  mit  den  Schwindsuchtsstäbchen  geschieht.  Die  Massen
wurden  fraktioniert  sterilisiert,  dann  mit  bakterienfreier  Lymphe  geimpft,  in  den  Brutschrank
gebracht  und  probeweise  in  erster  und  zweiter  Generation  nach  3  bis  8  Tagen  verimpft.
Erfolge  sind  nicht  erzielt.

Die  von  verschiedenen  Seiten  angestellten  Versuche,  die  Lymphe  unter  Ausschluß  von
Sauerstoff  auf  verschiedenen  Nährböden  zu  kultivieren,  sind,  wie  bekannt,  bisher  erfolglos