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geblieben.  Es  wurden  deshalb  Versuche  dahin  angestellt,  daß  Nährböden  im  Kitasatoschen
Apparate  zur  Anaerobenkultur  oberflächlich  mit  bakterienfreier  Menschenlymphe  geimpft
wurden.  Der  Apparat  wurde  aus  einer  Bombe  käuflichen  Sauerstoffes  täglich  zweimal
gefüllt.  Auf  zuckerhaltigem  Nähragar,  welcher  bisher  ausschließlich  zur  Verwendung  kam,
ist  hiernach  nichts  gewachsen.  Es  mag  noch  erwähnt  werden,  daß  stundenlanges  Durchleiten
des  Sauerstoffes  durch  stark  bakterienhaltige  Lymphe  oder  Glyzerinwasser,  welches  mit  aus
der  Lymphe  kultivierten  Bakterien  infiziert  war,  eine  durch  das  Kulturverfahren  erkennbare
Veränderung  des  Bakteriengehaltes  dieser  Flüssigkeiten  nicht  hervorgebracht  hat.

Die  in  Stettin  im  Vorjahre  begonnenen  biologischen  Versuche  mit  dem  durch  Einspritzung
  von  Pockenlymphe  bei  Kaninchen  gewonnenen  Immunserum  wurden  weiter  fortgeführt,
  und  zwar  bezogen  sich  die  Untersuchungen  auf  die  Prüfung  des  Agglutinationsvermögens
  des  Serums  geimpfter  Kälber  gegenüber  den  Bakterien  der  Lymphe.

Von  den  letzteren  wurden  der  Untersuchung  unterzogen  vornehmlich  aus  der  Lymphe
gezüchtete  Kokken,  darunter  auch  der  Staphylokokkus  quadrigeminus  (Czaplewski),  daneben
zur  Kontrolle  verschiedene  Hautkokken  und  ein  pathogener  Kokkus  aureus  und  albus.

Es  wurden  4  bis  13  Tage  nach  der  Impfung  dem  Impfkalbe  entnommene  Seren
verwendet,  ferner  künstliche  Immunseren,  die  teils  durch  intraperitoneale  Injektion  von
Kälber=  und  Menschenlymphe,  teils  durch  Injektion  von  Kulturaufschwemmungen  der  verschiedenen
  Kokkenarten  gewonnen  worden  waren.  Es  zeigte  sich  dabei  im  allgemeinen  der
Agglutinationstiter  nicht  hoch,  d.  h.  das  Agglutinationsvermögen,  wo  es  überhaupt  vorhanden
  war,  hörte  schon  bei  einer  etwa  100  fachen  Serumverdünnung  auf.  Im  besonderen
führten  die  einzelnen  Proben  zu  folgenden  Ergebnissen:

1.  Das  Serum  des  geimpften  Kalbes,  selbst  bis  zum  12.  Tage  nach  der  Impfung,
agglutiniert  Kokken  aus  der  Lymphe  sowie  auch  einige  andere  Kokkenarten  im
ganzen  nur  schwach;  stärker  als  dieses  Serum  agglutiniert  das  Serum  des  nicht
geeimpften  Kalbes,  so  daß  für  das  erstere  ein  bestimmt  spezifisches  Agglutinationsvermögen
  gegenüber  den  Kokken  der  Lymphe  nicht  erkennbar  ist.

2.  Das  künstliche  Immunserum  der  Kälber=  und  Menschenlymphe  läßt  den  Kokken
der  Lymphe  gegenüber  schon  ein  bestimmteres  spezifisches  Agglutinationsvermögen
hervortreten,  indem  namentlich  das  Kälberlympheimmunserum  die  Kokken  der
Menschenimpfpustel,  wenn  auch  schwach,  das  Menschenlympheimmunserum  dagegen
die  Kokken  der  Kälberpustel  stark  agglutiniert.

3.  Das  Immunserum  der  Kokken  der  Kälber=  und  Menschenlymphe  läßt  noch  deutlichere
  spezisische  Beziehungen  zu  den  Kokken  der  Lymphe  erkennen,  indem  das
Immunserum  der  Kokken  der  Kälberlymphe  die  Kokken  der  Menschenlymphe  und
umgekehrt  das  Immunserum  der  Kokken  der  Menschenlymphe  die  Kokken  der  Kälberlymphe
  stark  agglutiniert.

In  Oppeln  wurden  Probeplatten  von  frischer  und  älterer  Lymphe  angelegt,  andere

bakteriologische  Arbeiten  in  der  Anstalt  jedoch  nicht  vorgenommen.

Ende  Mai  gelang  es  aus  Beuthen  einige  Variolaborken,  etwa  vom  20.  Krankheitstage
  stammend,  zu  erhalten.  Sie  wurden  zu  einer  Emulsion  mit  Elyzerin  verrieben,  mit
welcher  am  1.  Juni  ein  Kalb  geimpft  wurde.  Bei  der  Impfung,  welche  im  neu  zugemieteten
Stalle  stattfand,  waren  alle  denkbaren  Vorkehrungen  getroffen,  um  eine  Vermischung  des
Variolastoffes  mit  Vakzine  oder  die  Infektion  des  Impfkalbes  mit  Vakzine  auszuschließen.
Am  5.  Juni  wurden  6  g  Rohstoff,  teils  aus  den  Impfstrichen,  teils  aus  mächtig  entwickelten
Neben-Impfpusteln  gewonnen.  Mit  demselben  Stoff  wurde  am  10.  Juni  und  am  19.
August  je  ein  Kalb  geimpft  unter  gleichen  Vorsichtsmaßregeln  mit  ebenfalls  gutem  Erfolge.