Mit  den  von  den  letzten  Kälbern  gewonnenen  Stoffen  wurden  alsdann  Kälber  geimpft,
die  im  Impfstalle  standen,  und  deren  Stoff  zu  Menschenimpfungen  mit  sehr  gutem  Erfolg
Verwendung  fand.  Am  24.  August  wurde  das  erste  Kind  mit  Variola-Lymphe  geimpft,
am  31.  August  abgeimpft,  von  dem  abgeimpften  Stoff  ein  Kalb  mit  gutem  Erfolg  geimpft,
so  daß  die  Anstalt  über  Variola-Stammlymphe  und  Retrovakzine-Stammlymphe  verfügte,
welche  beide  von  echter  Variola  abstammten.

In  Halle  a.  S.  sind  die  im  Jahre  1903  begonnenen  Versuche  über  die  passive
Immunisierung  des  Kalbes  gegen  Vakzine  fortgesetzt  worden.  Die  Einverleibung  des  Serums
normaler  wie  geimpfter  Kälber  geschah  in  diesem  Jahre  nur  durch  Einspritzung  in  die
Bauchhöhle,  die  auch,  wenn  es  sich  um  größere  Mengen  von  Serum  oder  um  Wiederholung
des  Eingriffes  bei  demselben  Tiere  handelte,  niemals  ein  unliebsames  Ereignis,  wie  es  der
intravenösen  Injektion  des  Serums  im  vorigen  Jahre  einige  Male  folgte,  und  noch  weniger
Erscheinungen  entzündlicher  Reizung  in  der  Bauchhöhle  veranlaßte.

Berücksichtigt  man  bei  einer  Zusammenfassung  des  Gesamtergebnisses  der  bisherigen
Versuche  nur  diejenigen,  bei  denen  die  größten  Mengen  jeder  Serumart  zur  Verwendung
kamen,  so  läßt  sich  dasselbe  in  folgende  Sätze  zusammenfassen.

Normales  Kälberserum  in  der  Menge  von  225  cem  —  ½/00  des  Körpergewichtes,
  intraperitoneal  einverleibt,  beeinträchtigt  den  Ablauf  der  4  Stunden  später
mit  GElyzerinkinderlymphe  ausgeführten  Impfung  in  keiner  Weise;  auch  war  in  einem
Gemisch,  das  aus  2  Teilen  Normalserum  und  1  Teil  GElhyzerin  kinderlymphe  hergestellt  und
nach  20  bezw.  45  Stunden  langer  Aufbewahrung  auf  das  Kind  oder  das  Kalb  verimpft
war,  eine  Schädigung  des  Vakzineerregers  nicht  zu  erkennen.

Gewöhnliches  Immunserum  (d.  h.  solches,  das  am  10.  oder  11.  Tage  nach  einer
zur  Impfstofferzeugung  stattgehabten  intensiven  Impfung  gewonnen  ist)  stört  in  der  großen
Menge  von  1020  cem  —  ½0  bes  Körpergewichtes,  subkutan  nach  und  nach  im  Verlaufe
  von  9  Tagen  beigebracht,  die  2  mal  24  Stunden  nach  der  letzten  Einspritzung  mit
Retrovakzine  1)  vorgenommene  Impfung  in  der  auffälligsten  Weise.  2  Tage  nach  der  letzteren
erscheinen  ganz  vereinzelte  Pusteln,  die  klein  und  kümmerlich  bleiben,  am  4.  Tage  bereits
einzutrocknen  beginnen  und  am  5.  Tage  erheblich  eingetrocknet  sind,  während  bei  den  Kontrolltieren
  die  Höhe  der  Entwickelung  der  Pusteln  erst  am  6.  Tage  erreicht  wird.

Gewöhnliches  Immunserum  zu  480  cem  —  1/130  bezw.  1/140  des  Körpergewichtes,
  in  2  Sitzungen  mit  Zwischenräumen  von  1  bezw.  3  Tagen  intraperitoneal
einverleibt,  beeinflußt  während  andauernder  Hundstagshitze  die  2  Tage  nach  der  letzten
Einspritzung  stattgehabte  Impfung  in  der  auffälligsten  Weise.  Die  ersten  Pusteln  erscheinen
erst  am  Ende  des  3.  Tages  und  nur  in  geringer  Zahl,  sie  bleiben  ungewöhnlich  klein,
gelangen  3  mal  24  Stunden  nach  ihrem  Erscheinen  zur  Höhe  ihrer  Entwickelung  und  sind
4  mal  24  Stunden  nach  demselben  Termine  ganz  eingetrocknet.

Gewöhnliches  Immunserum  in  der  Menge  von  360  eem  —  1/145  bezw.  480  cem
1/150  des  Körpergewichtes,  in  einer  Sitzung  intraperitoneal  beigebracht,  schädigt  die
unmittelbar  nachher  vorgenommene  Impfung  bei  andauernder  Hundstagshitze  noch  auffälliger.
  Sie  verzögert  das  Aufkeimen  der  ersten  Pusteln  bis  zum  Ende  des  3.  Tages;  diese
erscheinen  nur  ganz  vereinzelt,  bleiben  klein  und  kümmerlich,  haben  schon  nach  weiteren
2  mal  24  Stunden  die  Höhe  ihrer  Entwickelung  überschritten  und  sind  3  mal  24  Stunden
nach  ihrem  Erscheinen  bereits  ganz  eingetrocknet.  Sehr  auffallend  ist  dabei  eine  starke,  ohne

1)  Wo  nichts  Anderes  bemerkt  ist,  wurde  zu  den  Impfungen  Glyzerinkinderlymphe  verwendet,  welche
mehrere  (bis  zu  12)  Monate  alt  war.