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jede  Anschwellung  bestehende  blaurote  Färbung  der  Haut  zwischen  den  Impfpusteln  am  4.
und  5.  Tage  nach  der  Impfung,  ähnlich  der,  wie  sie  bei  Schulkindern  nach  der  Wiederimpfung
  bei  der  Nachschau  auf  dem  Impffelde  nicht  selten  zu  beobachten  ist.

Hochwertiges  Immunserum  (d.  h.  solches,  das  9  Tage  nach  der  letzten  von  19
an  19  aufeinanderfolgenden  Tagen  auf  der  Haut  des  Bauches  ausgeführten  Impfungen
gewonnen  war)  zu  190  cem  =  1½70  des  Körpergewichtes  intraperitoneal  einverleibt,
beeinflußt  bei  Sommertemperatur  die  4  Stunden  nach  der  Injektion  vorgenommene  Impfung
in  ähnlicher  Weise  wie  die  größeren  Mengen  gewöhnlichen  Immunserums.  Die  erste  Entwickelung
  der  Pusteln  wird  erst  am  3.  Tage  bemerkbar,  sie  erreichen  die  Höhe  ihrer  Entwickelung
  bereits  nach  3  weiteren  Tagen  und  vertrocknen  und  verheilen  ungleich  schneller
als  die  gleichzeitig  bei  2  mit  Normalserum  behandelten  Kälbern  entstandenen  Pusteln.

Zwei  Tage  nach  einer  vollen  Erfolg  versprechenden  Kälberimpfung  in  der  Menge  von
215  cem  =  14  des  Körpergewichtes  intraperitoneal  eingespritztes,  hochwertiges  Immunserum
  beeinträchtigt  während  der  ersten  24  Stunden  bei  andauernder  Hundstagshitze  die
Entwickelung  der  Pusteln  nicht.  Während  der  folgenden  24  Stunden  schreitet  letztere  aber
kaum  fort,  alsdann  wachsen  die  Pusteln  am  3.  und  4.  Tage  wohl  weiter,  bleiben  aber  klein
und  schmal  und  erreichen  die  Höhe  ihrer  Entwickelung  4  mal  24  Stunden  und  ihre  Eintrocknung
  5mal  24  Stunden  nach  ihrem  Erscheinen.

Bei  der  Verimpfung  eines  Gemisches  von  Immunserum  und  GSlhyzerinkinderlymphe
  (2:  1)  tritt  die  Einwirkung  des  Immunserums  auf  den  Vakzineerreger  in  der
deutlichsten  Weise  zutage.  Bei  allen  4  zu  diesen  Versuchen  verwendeten  Kälbern  erschienen
auf  den  in  ihrer  Gesamtheit  80  bis  90  cm  langen  Impfschnitten  die  Pusteln  nur  ganz
vereinzelt  in  äußerst  geringer  Anzahl  und  erheblich  verspätet,  und  zwar  bei  den  mit  hochwertigem
  Serum  hergestellten  und  im  Winter  verwendeten  Gemischen  erst  vom  4.  bis  6.  Tage
nach  der  Impfung,  und  bei  den  mit  gewöhnlichem  Immunserum  hergestellten  und  im  Sommer
verwendeten  Gemischen  erst  am  3.  und  4.  Tage.  Die  Höhe  der  Entwickelung  fiel  bei  beiden
Reihen  auf  den  7.,  und  der  Beginn  der  Eintrocknung  auf  den  8.  Tag.  Ein  Unterschied
war  nicht  erkennbar,  wenn  in  der  ersten  Versuchsreihe  das  Gemisch  aus  hochwertigem  Serum
20  oder  45  Stunden  und  in  der  zweiten  Versuchsreihe  das  Gemisch  aus  gewöhnlichem
Immunserum  4  oder  9  Tage  lang  aufbewahrt  worden  war.

Daß  das  spärliche  Aufkeimen  der  Pusteln  nicht  die  Folge  ungenügenden  Einbringens
des  Gemisches  in  die  Impfwunden  war,  beweist  der  Umstand,  daß  in  der  ersten  Versuchsreihe
  auf  der  oberen,  immer  schwerer  mit  Lymphe  zu  beschickenden  Hälfte  des  Kälberbauches,
welcher  mit  einem  Gemisch  von  Glyzerinkinderlymphe  und  Normalserum  geimpft  war,  die
Impfschnitte  in  ihrer  ganzen  Länge  zur  tadellosen  Entwickelung  gelangten.  Ihnen  gegenüber
bleiben  die  mit  dem  Immunserumgemisch  versorgten  Impfstellen  eigentlich  steril.  Wenn  sich
aber  in  ihrem  Bereiche  an  ganz  vereinzelten  Stellen  einige  wenige  Pusteln  entwickelten,  so  dürfte
sich  dies,  wie  ich  bereits  in  dem  vorjährigen  Berichte  darlegte,  durch  die  Annahme  erklären,  daß
sie  aus  Vakzineerregern  hervorgingen,  die,  von  der  Gewinnung  der  Lymphe  am  Kinderarme  her,
in  feinste  Fibringerinsel  eingehüllt  waren  und  so  —  entweder  in  dem  Gemische  selbst  vor  der
Einwirkung  des  Immunserums  oder  in  der  Impfwunde  vor  der  Einwirkung  der  durch  das
Immunserum  in  einen  spezifischen  Reizzustand  versetzten  Gewebszellen  des  Impflings  —  geschützt
waren.  Nimmt  man  nun  weiter  an,  daß  die  ungeschädigt  gebliebenen  Vakzineerreger  durch  die
innerhalb  der  Impfwunde  stattfindende  Resorption  ihrer  Fibrinhülle  nach  und  nach  frei  wurden,
so  wird  es  verständlich,  daß  die  aus  ihnen  aufkeimenden  Pusteln  erst  nach  und  nach  (innerhalb
  3  Tage)  zum  Vorschein  kamen,  sowie  daß  dieses  Aufkeimen  um  1  oder  2  Tage  später

begann,  als  im  Bereiche  des  mit  Normalserumgemisch  beschickten  Teiles  des  Impffedes.
Mediz.-stat.  Mitteil.  a.  d.  Kaiserl.  Gesundheitsamte.  Bd.  IX.