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Sehr  beachtenswert  ist  die  an  einem  Kalbe  und  9  Erstimpflingen  gemachte  Beobachtung,
daß  die  Verimpfung  eines  Gemisches  aus  gewöhnlichem  Immunserum  und  Glyzerinkinderlymphe
  nach  48  Tage  langer  Aufbewahrung  im  Eisschranke  keine  weitere  Verzögerung  in
dem  Aufkeimen  der  Pusteln,  keine  weitere  Verringerung  ihrer  Zahl  und  keine  weitere  Störung
ihrer  Entwickelung  zuwege  brachte,  als  sie  die  Verimpfung  des  Gemisches  nach  höchstens
9  Tage  langer  Aufbewahrung  ergeben  hatte.

Diese  Beobachtung  drängt  noch  mehr  als  die  bisherigen  die  Frage  nach  dem  Zustandekommen
  der  Einwirkung  der  im  Immunserum  enthaltenen  Körper  auf  den  Vakzineerreger
in  den  Vordergrund.

Erfolgt  diese  Einwirkung  unmittelbar,  so  kann  sie  nur  in  der  Weise  vor  sich  gehen,
daß  eine  bestimmte  Einheit  Immunkörper  auch  eine  ganz  bestimmte  Menge  Vakzineerreger
vernichtet,  in  gleicher  Weise  wie  die  chemischen  Einwirkungen  der  Körper  auf  einander  bei
der  Bildung  neuer  Verbindungen  sich  vollziehen.  Oder  es  erfolgt  die  Einwirkung  der  Immunkörper
  lediglich  mittelbar,  indem  diese  die  Gewebszellen  der  Impfwunde  in  einen  spezifischen
Reizzustand  versetzen  und  durch  diesen  die  Zellen  befähigt  werden,  den  Vakzineerreger  zu
vernichten,  der  von  dem  Immunserum  selbst  unbehelligt  gelassen  war.

Was  die  praktischen  Folgerungen  aus  den  bisherigen  Versuchen  anbelangt,  so  dürften
diese  nicht  geeignet  sein,  besondere  Erwartungen,  wie  sie  von  anderen  rege  gemacht  worden
sind,  für  eine  Serumbehandlung  der  Variola  zu  erwecken.  Um  sie  mit  Erfolg  auszuführen,
müßte  ein  Serum  verwendet  werden,  welches  in  der  geringen  Menge,  wie  sie  die  Einverleibung
beim  Menschen  zuläßt,  die  Immunkörper  in  ungleich  konzentrierterer  Form  enthält,  als  das
zu  den  Versuchen  benutzte  hochwertige  Immunserum.

In  Hannover  richtete  sich  die  Tätigkeit  im  Berichtsjahre  in  der  Hauptsache  auf  das
praktische  Gebiet.  Immerhin  wurden  ganz  wertvolle  Beobachtungen  gemacht.

In  der  Nähe  Hannovers  kamen  mehrfach  am  Euter  der  Kühe  Pocken  vor;  in  2
Fällen  war  es  möglich  Material  zu  erhalten.  Mit  dem  einen  Material  war  jedoch  nichts
mehr  anzufangen,  es  waren  nur  Schorfe,  welche  sich  als  wirkungslos  erwiesen;  das  andere
Material,  in  Watte  ausfgenommener  Bläscheninhalt,  hatte  beim  Kalbe  einen  schwachen  Erfolg;
der  dadurch  gewonnene  Rohstoff  brachte  auch  bei  einem  weiteren  Kalbe  nur  schwachen  Erfolg.
An  dem  einen  Orte  hatte  ein  Magd  sich  beim  Melken  an  den  Kuheuterpocken  infiziert.
Der  rechte  Handrücken  war  dick  mit  erbsengroßen  Blasen  bedeckt.  Das  Mädchen  gestattete
die  Abnahme  von  Bläscheninhalt,  der  ganz  klar  war  und  in  Glyzerin  aufgenommen  wurde.
Die  Verimpfung  auf  das  Kalb  verlief  jedoch  erfolglos.

Endlich  wurde  von  einem  in  Kiel  aufgetretenen  Varioloisfalle  Material  (Pustelinhalt,
Borken)  auf  Kälber  übertragen.  Dabei  ergab  sich,  daß  die  Übertragung  des  reinen
Varioloisstoffes  gänzlich  wirkungslos  blieb,  dagegen  ergab  eine  Mischung  von  Varioloisstoff
mit  gewöhnlichem  Kälberimpfstoff  eigenartige  Pusteln.  Es  lag  nahe,  den  Kälberimpfstoff
für  den  allein  wirksamen  zu  halten,  aber  die  Pusteln  waren  nicht  streifenförmig  wie  gewöhnlich,
sondern  mehr  Pustelreihen  und  saßen  entschieden  tiefer.  Auffallend  war,  daß  die  4  mit
Variolastoff  geimpften  Tiere  keine  Temperatursteigerung  zeigten.  Der  gewonnene  Impfstoff
erwies  sich  als  gut  wirksam  bei  Kälbern.  Die  Versuche  und  Beobachtungen  sollen  weiter
fortgesetzt  werden,  sowie  sich  Gelegenheit  dazu  bietet.

Versuchsweise  verimpfte  Oppelner  Variolavakzine  erwies  sich  bei  den  Kälbern  in
Hannover  als  mäßig  wirksam.

Alle  Impfsorten  wurden  in  der  Bakteriologischen  Untersuchungsanstalt  der  Königlichen
Regierung  von  dem  Assistenten  der  Anstalt  untersucht.

Die  Ergebnisse  sind  aus  folgender  Übersicht  zu  ersehen.