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Die  abgeschabte  Masse,  der  Hauptsache  nach  aus  Haaren  und  Haarbälgen  bestehend,  ist  weich,
etwas  wasserhaltig  von  der  Reinigung  her,  mit  geringer  Blutbeimischung;  sie  kommt  in  die
Reibeschale  und  wird  etwa  1  Stunde  lang  mechanisch  zerquetscht,  unter  Zusatz  von  etwa
1¼  bis  ½  Teelöffel  Glyzerin  für  die  Ernte  von  je  einem  Kaninchen.

Um  ein  verwendbares  Impfmaterial  zu  erhalten,  muß  die  zerriebene  Masse  ausgepreßt
werden;  dazu  wird  nach  mehrfachen  Versuchen  jetzt  eine  Presse  benutzt,  die  den  im  Haushalt
gebräuchlichen  Kartoffelpressen  nachgebildet  ist.  Das  kleine  Gerät  ist  18  em  hoch,  besteht
aus  vernickeltem  Eisen,  ist  zerlegbar  und  in  allen  seinen  Teilen  leicht  auszukochen.  Der
Boden  der  Presse  ist  herausnehmbar  und  muß  sorgfältig  abgedreht  sein,  damit  auch  ohne
Lötung  ein  Durchsickern  von  Filtrat  nicht  stattfindet;  er  hat  einige  Rinnen,  welche  zu  dem
Abflußröhrchen  im  Mantel  des  Apparates  hinführen.  Auch  der  Deckel  ist  gleich  sorgsam
abgedreht.  Der  Apparat  ist  zum  Preise  von  etwa  12  M  bei  Gebrüder  Schmidt  in  Weimar
zu  haben,  er  ist  auch  gut  brauchbar  zum  Ausquetschen  des  Rückstandes,  welcher  beim  Verreiben
  und  Durchsieben  der  Lymphe  von  großen,  grobhäutigen  Kälbern  oder  Rindern  bleibt.

Die  dickbreiige  Impfmasse  kommt  nun,  in  kleine  Mullsäckchen  eingehüllt,  in  diese
Presse.  Man  kann  von  je  einem  Kaninchen  auf  1  bis  2  g  flüssiges  Filtrat  rechnen,  welches
das  Aussehen  der  üblichen  Glyzerinkälberlymphe  hat.  Die  1  bis  2  g-Gläschen  können
unmittelbar  am  Abflußrohr  gefüllt  werden.

Derartig  regenerierte  Vakzine  ist  im  Sommer  1904  für  die  Impfung  von  14  Kälbern
und  5  Ochsen  mit  durchaus  gleichmäßigem  Verlauf  benutzt  worden.  Nach  den  in  Weimar
gemachten  Erfahrungen,  hat  dieser  regenerierte  Impfstoff  den  Fehler,  daß  er  nach  4  bis  6
Wochen  auf  Kälbern  nicht  mehr  von  sicherer  Wirksamkeit  istt  Calmette  und  Guerin  geben
allerdings  hierüber  keine  Mitteilungen.  Es  gelingt  wohl,  solche  4  bis  6  Wochen  alte
Kaninchenlymphe  auf  Kaninchen  weiter  zu  züchten,  aber  nicht  immer  auf  Kälbern.  Daher
ist  eine  frische  Vorimpfung  von  Kaninchen  erforderlich.

Nebenbei  ist  zu  Versuchszwecken  ein  Stamm  nur  von  Kaninchen  auf  Kaninchen  fortgeimpft
  worden.  Es  gelingt  dies  leicht  und  sicher.  Man  kann  mit  den  Impfstellen  wechseln,
insbesondere  die  Innenfläche  der  Ohren,  die  Hornhaut,  die  Lippenschleimhaut  dazu  benutzen.
Die  durch  12  Kaninchen  hindurch  geleitete  Vakzine  hat  auf  dem  Kalbe  den  gleichen,  tadellosen
  Erfolg  hervorgebracht,  wie  die  Kaninchenlymphe  1.  Generation.  Auch  ist  ein  Unterschied
  zwischen  dem  Erfolg  von  frischer  nicht  mit  Glyzerin  versetzter  Kaninchenlymphe  und
einer  mittels  Glyzerinzusatz  gewonnenen  Konserve  nicht  beobachtet  worden.  Über  6  Wochen
hinaus  hat  sich,  wie  schon  gesagt,  die  Konserve  jedoch  nicht  impfkräftig  erhalten.

Die  Durchführung  der  Kälberimpfung  erfolgte  im  Jahre  1904  ohne  das  Einschieben
von  Kinderlymphe  und  ohne  den  Bezug  von  junger  Variola-Vakzine  aus  den  Anstalten,
in  welchen  die  Umzüchtung  der  echten  Pocken  auf  dem  Kalbe  zu  Vakzine  gelungen  ist.

Die  auf  Kaninchen  gezüchtete  Vakzine  unterscheidet  sich  durch  nichts  von  der  auf  dem
Rinde  gezüchteten.  Die  auf  dem  Kinderarm  damit  erzeugte  Impfpustel  sieht  genau  so  aus
und  entwickelt  sich  genau  so,  wie  die  ältesten  Abbildungen  aus  der  Jennerschen  Zeit  es
lehren.  Der  Keimgehalt  der  Kaninchenlymphe  ist  auf  Gelatineplatten  verschiedener  Zusammensetzung
  geprüft  worden.  Die  Zahl  der  Keime  ist  ungefähr  die  gleiche  gewesen,  wie
bei  frischer  Kälberlymphe.  Staphylokokkus  pyogenes  aureus  und  albus,  Sarzine,  Hefepilze
sind  ebenso  oft  vorhanden,  weniger  die  Kulturen  mit  rascher  Verflüssigung  der  Platten.
Bereits  nach  14  Tagen  sind  die  Glyzerinpräparate  ziemlich  keimfrei.  Erysipelartige  Erkrankungen
  sind  bei  Hunderten  von  Impfungen  am  Ohre  der  Kaninchen  nicht  zur  Beobachtung
gekommen.  Auf  dem  Kinderarm  hat  die  frische  und  auch  die  wochenlang  gelagerte  Lymphe,
gleichviel  ob  sie  unmittelbar  vom  Kaninchen  oder  erst  vom  Kalbe  entnommen  ist,  einen