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Aus  Hamburg  wurde  über  wissenschaftliche  Untersuchungen  folgendes  mitgeteilt:

A.  Weitere  Beobachtungen  über  die  Brauchbarkeit  der  Kaninchen  zur
Gewinnung  und  zur  Prüfung  der  Güte  der  Vakzine,  sowie  über  die  Empfänglichkeit
  der  Kaninchen  für  die  Schafpocken.

1.  Kaninchen  und  Vakzine,  die  Ohrimpfung.

Die  Erscheinungen,  welche  die  Vakzine  an  den  Kaninchen  hervorruft,  wenn  sie  auf
die  Hornhaut  verimpft  oder  auf  den  nach  Abseifung  rasierten  Rücken  gestrichen  wird,  sind
in  den  vorigen  Jahresberichten  geschildert  worden.  Danach  vermag  man  mit  unbewaffnetem
Auge  nach  2  bis  3  Tagen  an  dem  so  behandelten  Rücken  des  Kaninchens  die  Wirksamkeit
des  Impfstoffes  zu  erkennen  und  mikroskopisch  die  vakzinale  Art  der  Reaktion  an  den  Hornhautzellen
  zu  ersehen.

Seit  Mitte  September  des  Berichtsjahres  sind  Beobachtungen  über  die  Erscheinungen
angestellt,  welche  die  auf  der  Innenfläche  des  Kaninchenohres  mittels  seichter  Schnitte  verimpfte
  Vakzine  hervorruft.  Nach  L.  Pfeiffer  in  Weimar  entsteht  nach  der  in  dieser  Weise
vorgenommenen  Übertragung  kräftiger  Vakzine  eine  in  dem  durchscheinenden  Kaninchenohr
deutlich  erkennbare  vakzinale  Reaktion,  eine  Rötung  um  die  Schnittfläche,  welche  zu  einer
pustelartigen,  nach  etwa  2  bis  3  Tagen  wieder  eintrocknenden  Verdickung  der  Schnittgegend
führt.  Je  schwächlicher  die  Vakzine  ist,  desto  undeutlicher  entwickelt  sich  diese  vakzinale
Reaktion  im  Kaninchenohr.  Danach  kann  man  die  noch  andauernde  oder  die  schon  abnehmende
  Kraft  eines  Impfstoffes  bemessen.

Die  seit  September  an  9  Kaninchen  Nr.  76,  77,  78  a,  78b,  79,  80,  83,  90  und  93
vollzogenen  Ohrimpfungen  brachten  bei  Benutzung  der  ungewöhnlich  kräftigen  Hamburger
Variolavakzine  die  von  L.  Pfeiffer  geforderte  gute  vakzinale  Reaktion,  außer  bei  einem  Falle
der  Übertragung  eines  65  Tage  alten  Impfstoffes  auf  das  Kaninchen  Nr.  83,  und  bei  dem
Kaninchen  Nr.  80,  welches  am  6.  Tage  nach  der  bis  dahin  ohne  Reaktion  gebliebenen  Ohrimpfung
  weggegeben  wurde.  Indes  erwies  sich  der  Eintritt  dieser  Reaktion  ganz  wesentlich
abhängig  von  der  Tageswärme;  im  September  zeigte  sie  sich  schon  am  5.,  6.,  und  7.  Tage
in  ihrer  Vollendung,  später,  als  kälteres  Wetter  eingetreten  war,  stellte  sie  sich  erst  mit
dem  12.  bis  15.  Tage  ein.  Hiernach  bietet  diese  von  L.  Pfeiffer  empfohlene  Prüfung  der
Virulenz  eines  Vorrats  an  Kuhpockenlymphe  durch  die  Kaninchenohrimpfung  mittels  Schnittes
doch  nur  einen  begrenzten  Nutzen,  denn  der  betreffende  Vorrat  kann  im  Laufe  der  7  bis
14  Tage  von  seiner  Kraft  schon  wesentlich  eingebüßt  haben.  Viel  schneller,  nämlich  in
2  bis  3  Tagen,  gibt  die  Rückenimpfung  der  Kaninchen  die  gewünschten  Fingerzeige,  doch
wird  im  Sommer  und  Frühling  die  bis  auf  den  Grund  sichtbare  Reaktion  der  Vakzine  im
Kaninchenohr  einen  besonders  guten  und  deutlichen  Maßstab  für  die  Andauer  der  Virulenz
eines  Impfstoffes  bieten.

2.  Kaninchen  und  Variola.

Die  Untersuchung  der  Empfänglichkeit  der  Kaninchen  für  das  Menschenpocken-Kontagium
wurde  im  Berichtsjahre  fortgesetzt.  Die  aus  menschlichen  Pockenpusteln  gewonnene  und  nur
in  sehr  geringer  Menge  vorhandene  Lymphe  verursachte,  den  Kaninchen  Nr.  18,  20,  21
auf  die  rasierte  Haut  gestrichen,  keine  erhebliche  Reaktion.  Es  entwickelten  sich  keine  Papeln
oder  Pusteln,  sondern  nur  eine  ziemlich  starke  Reizung  der  Fläche  mit  nachheriger  starker
Abschilferung.  Nr.  18  und  21  wurden  am  4.,  Nr.  20  am  5.  Tage  nach  der  Infektion
getötet,  die  abschilfernde  Stelle  grob  abgeschabt,  das  Geschabsel  mit  physiologischer  Kochsalzlösung
  verrieben  und  dem  Kalbe  Nr.  6  eingeimpft.  Das  Kalb  bekam  am  7.  Tage  an  den
Impfstellen  mehrere  Knötchen  und  erwies  sich  später  gegenüber  der  Probevakzination  als