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fast  völlig  immun.  Bei  weiterer  Fortpflanzung  der  Knötchen  dieses  Kalbes  auf  andere
Kälber  entstanden  jedoch  keine  Pusteln,  es  hat  sich  also  bei  diesem  Versuche  keine  Variolavakzine
  gebildet.

Wirksamer  erwies  sich  die  auf  Kaninchen  übertragene  Pockenborkenemulsion,  welche  in
reichlicher  Menge  zur  Verfügung  stand  und  verimpft  werden  konnte.  Emulgierte,  aus  der
Flensburger  Epidemie  stammende,  dort  vor  4  Monaten  gesammelte  und  in  Hamburg  trocken
aufbewahrte  Borken  wurden  den  Kaninchen  Nr.  50,  53,  54,  55  auf  den  rasierten  Rücken
gestrichen  und  auch  sonst  eingeimpft.  An  den  infizierten  Stellen  bildeten  sich  mehrere  ziemlich
trockene  Papeln,  die  nach  Tötung  des  Tieres  abgekratzt  und  mit  physiologischer  Kochsalzlösung
  emulgiert,  auf  das  Kalb  Nr.  26  verimpft  wurden.  An  diesem  Kalbe  entstand  so
Variolavakzine,  die  weiter  fortgepflanzt  worden  ist.  Auf  dieselbe  Weise  wurden  die  Kaninchen
Nr.  51,  52,  56,  57  mit  einer  von  Medizinalrat  Klose  in  Oppeln  eingesendeten  Pockenborkenemulsion
  infiziert.  Zwei  der  Tiere  bekamen  saftreichere  Papeln  als  die  Tiere  der
Flensburger  Gruppe.  Der  ihren  Inokulationsstellen  in  der  vorhin  angegebenen  Weise  entnommene
  Stoff  rief  an  2  Kälbern  Nr.  26  und  27  Pusteln  hervor,  die  ebenfalls  zu  einer
sehr  kräftigen  Variolavakzine  wurden.

Beide  Variolavakzinen  wurden  auf  die  Kaninchen  Nr.  58  bis  67  durch  Aufstreichen
des  Stoffes  auf  die  rasierte  Rückenfläche  zurück  übertragen;  in  allen  Fällen  entstanden
dichtgestellte  Papeln,  die  konfluierende  Borken  bildeten.  Da  es  keine  virulentere  Vakzine
gibt,  als  die  ersten  Generationen  der  Variolavakzine,  muß  man  die  Papelform  als  die
Normalform  der  mittels  Aufstrichs  auf  die  rasierte  Haut  entstehenden  „Variolalapine“
ansehen.  Nach  diesen  Beobachtungen  scheint  sich  in  der  Inokulation  der  Kaninchen  ein
bequemes  Hilfsmittel  zur  Gewinnung  der  Variolavakzine  zu  bieten.

3.  Die  Verwendung  der  Kaninchen  zum  Zwecke  der  Menschenimpfungen
bleibt  eine  noch  offene,  erst  zu  lösende  Frage.

Von  einem  jungen  Kaninchen  kann  man  bei  Anlegung  großer  Impfflächen  etwa  1g
Rohstoff  gewinnen.  Stellt  man  viele  geimpfte  junge  Tiere  in  Einzelhaft,  so  ist  die  Gewinnung
  selbst  großer  Mengen  an  Impfstoff  wohl  möglich.  Berücksichtigt  man,  daß  die
Impfpusteln  am  Arm  des  Menschen  in  7  Tagen,  die  Pusteln  des  Rindes  in  5  Tagen
reifen,  daß  aber  die  Vakzine  am  Rücken  des  Kaninchens  schon  nach  2  bis  3  Tagen  den
höchsten  Grad  der  Reife  erreicht,  so  dürfte  gegebenenfalls  in  der  Kaninchenvakzine  sich  ein
schnell  zu  gewinnender  Impfstoff  bieten.  Diese  „Lapine“  schlägt  beim  Kalbe  vortrefflich  an;
es  spricht  nichts  gegen  ihre  Verwendung  am  Menschen.  In  den  sauberen  Ställen  der
Impfanstalten  dürften  Krankheiten  unter  den  Kaninchen  nicht  häufiger  als  unter  den  Kälbern
vorkommen  und  Bedenken  von  dieser  Seite  wohl  kaum  erwachsen.  Wären  den  Kaninchen
Kontagien  eigen,  die  auf  den  Menschen  leicht  übertragbar  wären,  so  müßte  das  von  der
Benutzung  der  Lapine  abhalten.  Jedenfalls  sollte  die  Verwendbarkeit  der  Lapine  ernsthaft

erwogen  werden,  um  die  gelegentliche  Benutzung  dieser  Tiere  zur  Gewinnung  von  Impfstoff
zu  ermöglichen.

4.  Ergebnisse  der  bei  den  Windpocken  und  bei  postvakzinalem  Ausschlage
zu  diagnostischen  Zwecken  vorgenommenen  Probe-Impfungen  auf  die  Kaninchenhornhaut.


Die  Windpocken  traten  im  Jahre  1904  in  Hamburg  sehr  verbreitet  und  manchmal
in  recht  schwerer  Form  auf;  in  einigen  Fällen  war  man  im  Zweifel,  ob  es  sich  um  Pocken
oder  Windpocken  handelte.  Man  griff  deshalb  3  mal  zur  Verimpfung  des  Inhaltes  der
Windpocken  auf  die  Kaninchenhornhaut,