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Anhang.  Außerordentliche  Impfungen.

Im  Königreich  Preußen  gaben  im  Kreise  Arnswalde  (Reg.-Bez.  Frankfurt)  und  in
2  Dörfern  des  Kreises  Prenzlau  (Potsdam)  Pockenfälle  Anlaß  zur  Vornahme  von  Schutzimpfungen.


Im  Königreich  Bayern  wurden  im  Berichtsjahre  in  17  Amtsbezirken  außerordentliche
Impfungen  vorgenommen.  Nur  im  Amtsbezirke  Donauwörth,  und  zwar  in  der  Gemeinde
Bäumenheim  waren  Pockenerkrankungen  die  Veranlassung  zur  Anordnung  dieser  Schutzmaßregel.
  Außerdem  wurden  die  öffentlichen  Impfungen  beschleunigt.  Bei  den  außerordentlichen
  Impfungen  wurden  im  ganzen  623  Personen  geimpft,  und  zwar  16  ohne  Erfolg.
Zur  Nachschau  waren  93  Personen  nicht  erschienen.  Mit  Erfolg  wurden  514  Personen
geimpft;  von  diesen  erhielten  346  Personen  wohlausgebildete  Pusteln.

Ferner  wurden  in  16  Amtsbezirken  des  Landes  Impfungen  bei  den  aus  Rußland  und
Italien  eingewanderten  Arbeitern  vollzogen,  welche  teils  während  der  Erntezeit  auf  großen
Gütern  als  Tagelöhner,  teils  vorübergehend  in  Fabriken  beschäftigt  waren.  Im  Amtsbezirke
  Passau  wurden  10  landwirtschaftlich  beschäftigte  Arbeiter  geimpft.  Die  Geimpften
hatten  sämtlich  alte  Impfnarben  an  den  Armen  aufzuweisen,  mit  Ausnahme  eines  einzigen,
der  die  unverkennbaren  Spuren  der  überstandenen  Pockenkrankheit  an  sich  trug.  Sie
wurden  ausnahmslos  mit  Erfolg  wiedergeimpft;  der  Geblatterte  bekam  2  wohlentwickelte
Impfpusteln,  und  nachträglich  konnte  erhoben  werden,  daß  er  als  Kind  —  geboren  1878  —
die  Blattern  überstanden  hatte.  Dagegen  zeigie  sich  von  26  russischen  Arbeitern  eines  Gutes
im  Amtsbezirke  Regensburg  der  schwächste  Impferfolg  bei  2  Arbeitern,  welche  die  Pocken
überstanden  hatten.  Im  Landbezirke  impfte  der  gleiche  Amtsarzt  147  solcher  Arbeiter,  von
welchen  124  bereits  ältere  Impfnarben  und  7  deutliche  Pockennarben  zeigten;  nur  6  davon
bekamen  Knötchen  und  einer  Pusteln.  Im  Amtsbezirke  Kitzingen  verlief  die  Wiederimpfung
eines  Arbeiters,  welcher  die  Narben  von  überstandenen  Pocken  aufzuweisen  hatte,  erfolglos,
während  im  Amtsbezirke  Dettelbach  bei  einem  Arbeiter,  welcher  erst  vor  kurzem  die  natürlichen
  Pocken  durchgemacht  hatte,  durch  die  Impfung  noch  1  Pustel  erzielt  wurde.  Auch
im  Amtsbezirke  Marktbreit  wurde  unter  24  russischen  Arbeitern  einer  mit  Erfolg  geimpft,
welcher  in  der  Kindheit  unzweifelhaft  die  Pocken  überstanden  hatte.  Dagegen  blieb  im
Amtsbezirke  Ochsenfurt  die  Wiederimpfung  von  solchen  Arbeitern  gänzlich  erfolglos.  Im
Amtsbezirke  Bischofsheim  wurden  22  italienische  Arbeiter  wiedergeimpft.  Die  nachfolgende
Entzündung  war  meist  sehr  erheblich,  so  daß  einige  der  Geimpften  mehrere  Tage  arbeitsunfähig
  waren.  Als  Ursache  dieser  Erscheinung  ist  die  geringe  Schonung  der  geimpften
Arme  bei  der  schweren  Arbeit  im  Basaltwerke  von  Bischofsheim  anzusprechen.

In  Hessen  scheint  sich  die  Zahl  der  zur  Nachimpfung  gekommenen  fremdländischen
Arbeiter  im  Berichtsjahre  vermindert  zu  haben.  Nur  aus  3  Kreisen  liegen  Angaben  vor:
im  Kreise  Offenbach  wurden  226  geimpft,  im  Kreise  Alsfeld  wurde  bei  8  russischen  Arbeitern
voller  Impferfolg  erzielt  und  im  Kreise  Alzey  kamen  17  Arbeiter,  3  im  Mai  und  14  im
Juni,  davon  13  mit  Erfolg,  zur  Nachimpfung.

Wie  in  jedem  Jahre,  so  mußten  sich  auch  im  Berichtsjahre  die  in  den  Hebammenlehrgang
  eintretenden  Hebammenschülerinnen  einer  Wiederimpfung  unterziehen,  welche  allerdings
nur  ausnahmsweise  in  den  öffentlichen  Impftermin  fiel.  Eine  kleine  Anzahl  von  Personen
suchte  um  Wiederimpfung  nach,  um  sich  einen  verstärkten  Schutz  für  Reisen  ins  Ausland
zu  sichern.

Die  für  die  Häftlinge  der  Zellenstrafanstalt  in  Butzbach  und  des  Landeszuchthauses
Marienschloß  angeordneten  Wiederimpfungen  haben  im  Berichtsjahre  das  Ergebnis  gehabt,