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lichen  Verband  hält  derselbe  Sachverständige  auch  auf  Grund  neuerer  Erfahrungen  aufrecht7).
Bessere  Erfolge  hatte  ein  württembergischer  Impfarzt,  der  für  die  zweite  Hälfte
der  Impfzeit  durch  eine  Diakonisse  die  Impfstellen  mit  einem  Deckverband  aus  Watte  und
Kautschuckheftpflaster  versehen  ließ,  um  so  eine  Verunreinigung  und  ein  Abwischen  der  frischen
Impfschnitte  zu  verhindern;  diese  sollen  eine  sehr  schöne  und  vollständige  Entwickelung  gezeigt
  haben.

Uber  die  Anwendung  von  Tegminverbänden  wird  nur  aus  einem  hessischen  Impfbezirke
berichtet;  die  Pusteln  wurden  bei  der  Nachschau  in  bestem  Zustande  gefunden.  Der  berichtende
Impfarzt  hält  den  Verband  für  vorteilhaft.

In  4  größeren  Gemeinden  wurden  zur  Kontrolle  bei  Erstimpflingen  die  beiden  oberen  Schnitte  mit
Tegminverbänden,  die  beiden  unteren  ohne  solche  behandelt.  Bei  der  Nachschau  soll  ein  Unterschied  insofern
bemerkt  worden  sein,  als  die  mit  dem  Verbande  behandelten  Pusteln  sehr  häufig  trotz  bemerkenswerten  Saftreichtums
  jegliche  Reizerscheinungen  vermissen  ließen,  während  das  gleiche  Verhalten  an  den  unteren  Pusteln
nicht  so  häufig  zu  Tage  trat.  Einen  weiteren  Vorteil  sieht  der  Impfarzt  in  dem  beruhigenden,  suggestiven
Einfluß  auf  die  Angehörigen  der  Impflinge.  Es  wird  nicht  verkannt,  daß  die  Tegminbehandlung  große  Sorgfalt
erfordert  und  viel  Zeit  in  Anspruch  nimmt,  zugleich  aber  die  Ansicht  ausgesprochen,  daß  man  dann  kleinere
und  zahlreichere  Termine  abhalten  müsse.  Der  vermehrte  Zeitaufwand  sei  ebenso  gerechtfertigt,  wie  die
vermehrten  Kosten,  wenn  man  allein  den  beruhigenden  Einfluß  auf  ängstliche  Angehörige  berücksichtigte  und
die  vollkommenere  Pustelentwickelung  in  Rechnung  ziehe:  und  das  Publikum  habe  ein  Recht,  eine  möglichst
einwandfreie  Technik  zu  verlangen.  Die  Verbände  sollen  3  bis  4  Tage  gehaftet  haben.

Zur  Aufnahme  des  Impfstoffes  während  des  Termins  dienten,  soweit  nicht  die  Impfinstrumente
  unmittelbar  in  die  Lymphegläser  getaucht  werden  konnten,  besondere  Schälchen
oder  Näpfchen,  welche  zum  Schutze  gegen  Verunreinigung  aus  der  Luft  gewöhnlich  mit  Glasglocken
  bedeckt  gehalten  wurden,  teilweise  auch  mit  einem  Deckel  oder  einem  selbsttätigen  Verschlusse
  versehen  waren.  ·

Bei  den  öffentlichen  Impfungen  gelangte  in  der  Regel  Lymphe  aus  einer  der  staatlichen
Impfstoffgewinnungsanstalten  zur  Verwendung,  zu  privaten  Impfungen  wurde  dagegen  vielfach
  aus  Privatanstalten  stammender  Impfstoff  benutzt.  Besonders  zahlreich  scheinen  die
Impfungen  mit  Lymphe  aus  einem  Elberfelder  Institute  gewesen  zu  sein;  für  München  wird
dies  von  dem  bayerischen  Zentralimpfarzt  teilweise  darauf  zurückgeführt,  daß  eine  Apotheke,
welche  früher  als  Verkaufsstelle  der  Lymphe  aus  der  königlichen  Zentralimpfanstalt  diente,
nunmehr  jenen  Impsstoff  abgibt,  seitdem  der  Verkauf  des  Impfstoffs  aus  der  Staatsanstalt
an  Privatärzte  ausschließlich  von  dieser  Zentralstelle  selbst  erfolgt.  In  einigen  bayerischen
Bezirken  wurde  aus  dem  Auslande  stammende  Lymphe  verwendet,  und  zwar  solche  aus  Basel
und  Lausanne.  Teilweise  wird  die  in  den  staatlichen  Anstalten  hergestellte  Lymphe  auch  für
die  Privatimpfungen  den  Arzten  unentgeltlich  geliefert,  wie  z.  B.  in  Hessen  und  in  Hamburg.

Seiner  Beschaffenheit  nach  kounte  der  zur  Verwendung  gelangte  Impfstoff  überall
als  rein  und  unverdächtig  bezeichnet  werden.  Auch  die  damit  erzielten  Erfolge  waren  durchweg
  zufriedenstellend;  an  manchen  Orten  war  seine  Wirksamkeit  besonders  stark.  Eine
große  Zahl  der  bayerischen  Impfärzte  bezeichnete  den  gelieferten  Impfstoff  als  geradezu
musterhast.  Es  hatten  sich  dort  nicht  selten  aus  1  Impfschnitt  mehrere,  ja  sogar  ganze
Gruppen  von  Pusteln  entwickelt,  in  einzelnen  Fällen  wurden  auf  den  Armen  von
Wiederimpflingen  bis  zu  12  Pusteln  gezählt.  Auch  die  Lymphe  aus  dem  staatlichen
Institut  in  Weimar  ist  in  einigen  Berichten  als  sehr  wirksam  bezeichnet;  in  Schwarzburg-Rudolstadt
  wurden  teilweise  starke  Reizerscheinungen,  Entzündung  der  Haut  in
der  Umgebung  der  Pusteln  und  Anschwellung  der  benachbarten  Lymphdrüsen  bei  den  damit

1)  Bgl.  den  Bericht  über  das  Impsfgeschäft  für  das  Jahr  1901  (Mediz.-stat.  Mitteil.  a.  d.  Kais.
Ges.-Amte  Bd.  VIII  S.  227).