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fach  Kratzspuren  der  Fingernägel  neben  den  Pusteln  auf,  auch  ließen  sich  häufig  schmutzige
Wäsche,  allgemeine  Unsauberkeit  in  der  Pflege  der  Kinder  und  Umschläge  mit  verschiedenen,
gänzlich  ungeeigneten  Mitteln,  unter  denen  altes  und  ranziges  Salatöl  in  Bayern  eine
Hauptrolle  spielte,  als  nächste  Ursache  für  die  Verschwärung  nachweisen.  Einige  Fälle  nahmen
einen  eigenartigen  Verlauf;  der  vorgenannte  Sachverständige  teilt  darüber  folgendes  mit:

„Zu  einer  besonderen  Art  dieser  Erkrankung  gehören  einige  Fälle,  bei  denen  sich  sämtliche  Impfpusteln
  mit  einem  zusammenfließenden,  derben,  lederartigen  Schorfe  bedeckten,  der  jeder  Sekretion  der
Impfwunde  den  Ausgang  verschloß.  Mehrmals  bildete  sich  sodann  in  der  näheren  und  von  dieser  fortschreitend
  später  in  der  weiteren  Umgebung  der  Impsfstelle  eine  mehr  oder  minder  große  Anzahl  von
kleineren  Nebenpusteln  aus,  welche  ganz  und  gar  den  Charakter  wahrer  Impfpusteln  zeigten  und  sich  von
einem  Beobachtungstage  zum  andern  rasch  zu  vermehren  pflegten.  In  der  Stadt  München  konnten  solche
Fälle  schon  mehrmals  in  höchst  charakteristischer  und  typischer  Form  beobachtet  werden.  Der  Krankheitsprozeß
  ist  in  bezug  auf  seine  Entstehungsursache  in  der  Weise  zu  erklären,  daß  nicht  allein  das  Wundsekret,
  sondern  auch  das  wirksame  Vakzinevirus  durch  den  derben,  die  ganze  Impsstelle  bedeckenden  Schorf
am  Ausfließen  gehindert  wird  und  durch  Retention  auf  dem  Wege  der  Lymphgefäße  in  der  näheren  und
weiteren  Umgebung  neue  Pusteln  oft  in  großer  Anzahl  zur  Entwickelung  bringt.  Die  Behandlung  dieser
Erkrankung  ist  einfach;  sie  richtet  sich  auf  die  Entfernung  des  die  Wundsekretion  hemmenden  dicken  Schorfes.
Ein  feuchtwarmer  Verband  der  Impfstelle  mit  Wasser  oder  einer  schwach  desinfizierenden  Lösung  bringt
meist  schon  am  Ende  des  2.  Tages  den  dicksten  Deckschorf  zur  Erweichuug  und  Ablösung  von  der  Impfstelle,
  und  sobald  der  Schorf  entfernt  ist,  hört  die  weitere  Entwicklung  von  Nebenpusteln  in  der  Umgebung
der  Impsstelle  wie  mit  einem  Schlage  auf.  Der  nach  der  Entfernung  des  Schorfes  zutage  tretende
Gewebsverlust,  den  immer  scharfe,  wie  ausgemeißelt  aussehende,  nekrotische  Ränder  umgrenzen,  ist  nicht
selten  doch  recht  erheblich.  Aber  unter  geeigneter  Behandlung  pflegen  diese  Gewebsverluste  sehr  rasch  zu
granulieren  und  auszuheilen.  Die  Nebenpusteln  verschwinden,  ohne  eine  Narbe  zurückzulassen,  in  wenigen
Tagen,  während  auf  der  Hautnarbe  der  Impfstelle  selbst  zum  Schlusse  die  den  Impfschnittchen  entsprechenden
Narben  klar  und  deutlich  zum  Vorschein  kommen.  Dieses  Krankheitsbild  zeigten  im  Berichtsjahre  2  Kinder
der  Stadt  München,  ein  Impfling  in  Kusel  und  ein  1½  jähriges  Kind  im  Amtsbezirke  Hof.  Bei  letzterem,
welches  am  Nachschautage  noch  3  völlig  normale  Pusteln  gezeigt  hatte,  entwickelten  sich  diese  zu  markstückgroßen
  Schorfen,  welche  von  15—20  stecknadelkopf=  bis  linsengroßen  Nebenpustelchen  umgeben  waren.  Die
äußere  Seite  des  Oberarmes  zeigte  eine  umschriebene  Schwellung  und  Rötung.  Im  weiteren  Verlaufe
trat  dann  ein  über  den  ganzen  Körper  verbreitetes  Urtikarigeganthem  auf.  Dabei  entstand  eine  mäßige
Anschwellung  der  Achseldrüsen.“  „Auch  für  diese  Form  der  Erkrankung  nach  der  Impfung  muß  schlechte
Behandlung  und  Warte  der  Impfkinder,  Insultierung  der  Impfblattern  durch  schmutzige  Fingernägel,
somit  Insektion  der  Impfstelle  verantwortlich  gemacht  werden.  Die  hier  aufgeführten  Erkrankungsfälle
heilten  glatt  und  ohne  jede  Stdrung.  Meist  zeigte  sich  sogar  das  Allgemeinbefinden  der  Kinder  nur  unerheblich
  alteriert.  Fieber  pflegt  überhaupt  nur  solange  in  mäßigem  Grade  vorhanden  zu  sein,  als  der
gangränöse  Schorf  auf  der  Impfstelle  haftet.“

Einen  tödlichen  Verlauf  nahm  ein  Krankheitsfall  im  Amtsbezirke  Burgau,  bei  welchem
die  4  Impfpusteln  und  das  dazwischen  liegende  Gewebe  eine  brandige  Beschaffenheit  angenommen
  hatten.  Die  Entzündung  hatte  sich  sodann  auf  die  Schulter,  den  Oberarm  und
mehr  als  die  Hälfte  des  Vorderarms  ausgedehnt,  auch  waren  zunächst  in  der  Umgebung  des
die  Impfstelle  bedeckenden  Schorfes  und  in  der  Folge  auf  dem  ganzen  Ober=  und  Unterarm
Pusteln  aufgetreten,  die  den  Charakter  von  Impfpusteln  zeigten;  auch  am  übrigen  Körper
entwickelten  sich  vereinzelte  derartige  Pusteln  infolge  von  Selbstübertragung  durch  Kratzen.
Nach  andauerndem  Fieber  starb  das  Kind  einen  Monat  nach  der  Impfung,  nachdem  noch
eine  Lungenerkrankung  hinzugetreten  war.

Ein  weiterer  Fall  mit  tödlichem  Ausgang  ist  in  Landsmierz  (Reg.-Bez.  Oppeln)  vorgekommen.
  Es  erkrankte  ein  7  Monate  altes  Kind  am  10.  Tage  nach  der  Impfung  mit
entzündlicher  Schwellung  der  Impfstelle  und  des  Armes  und  Verschwärung  der  Pusteln.
Wegen  hereinbrechenden  Hochwassers  der  Oder  kam  das  Kind  erst  3  Wochen  später  in
ärztliche  Behandlung,  die  jedoch  den  am  39.  Tage  nach  der  Impfung  erfolgenden  Tod  nicht
zu  verhindern  vermochte.  Der  späte  Beginn  der  Krankheitserscheinungen  läßt  es  außer