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ein  genaueres  Bild  der  wirklichen  Verhältnisse  bieten,  wenn  die  Zählkarten  nicht  nur  über
den  Beruf  zur  Zeit  der  Zählung,  sondern  auch  über  denjenigen  vor  der  unter  Umständen
gar  nicht  weit  zurückliegenden  Erblindung  Aufschluß  gäben.  Es  empfiehlt  sich  daher,  bei
künftigen  Erhebungen  die  Frage  nach  dem  Beruf  auf  den  Zählkarten  zu  teilen  in:  Beruf
vor  der  Erblindung  ..  .  Beschäftigungsweise  nach  der  Erblindung  .  ..;  durch  eine  solche,
die  Zählkarten  nur  wenig  mehr  belastende  Trennung,  würden  außerdem  am  ersten  die  Zweifel
über  die  Berufsbestimmung  beseitigt  werden,  welche  bei  der  vorliegenden  Fassung  der  Zählkarten
  sicherlich  oft  an  die  Zählpersonen  herangetreten  sind.

Da  bei  den  Blinden  der  Beruf  viel  häufiger  als  bei  den  Taubstummen  zur  Entstehung
  des  Gebrechens  Anlaß  gibt,  wäre  es  von  besonderem  Interesse  gewesen,  die  mit
den  einzelnen  Berufsarten  verknüpfte  Erblindungsgefahr  näher  kennen  zu  lernen.  Jedoch
konnte  ein  Versuch,  welcher  auf  Grund  der  Berufsbesetzung  der  Gesamtbevölkerung  (nach
der  Berufs=  und  Gewerbezählung  vom  14.  Juni  1895)  in  dieser  Richtung  unternommen
wurde,  zu  brauchbaren  Ergebnissen  schon  deshalb  nicht  führen,  weil  eben  die  Fassung  der
Zählkarten  nur  den  zeitlichen  Beruf,  also  den  Beruf  nach  der  Erblindung,  erkennen  läßt.

Aus  demselben  Grunde  können  auch  die  Ziffern  der  nachstehenden  Übersicht  (Spalten
2  bis  10),  welche  das  Zahlenverhältnis  der  in  jeder  Berufsgruppe  beschäftigten  Blinden  zu
der  Gesamtzahl  der  im  erwerbsfähigen  Alter  stehenden  und  außerhalb  der  Blindenanstalten
lebenden  Blinden  darstellt,  nur  Anhaltspunkte  für  die  Beurteilung  der  Wechselwirkung
zwischen  Beruf  und  Gebrechen  geben.

Die  Betrachtung  der  letzten  Querspalte  dieser  Übersicht  zeigt  wiederum,  in  wie  ungleich
höherem  Grade  die  weiblichen  Blinden  zur  Erwerbslosigkeit  gezwungen  sind  als  die  männlichen.
  Von  je  1.000  der  letzteren  waren  653,0  von  je  1000  weiblichen  Blinden  aber  9228
ohne  bestimmten  oder  bekannten  Beruf.  Auch  innerhalb  der  beiden  in  der  Übersicht  unterschiedenen
  Arten  der  Blindheit,  der  frühzeitig  und  der  später  entstandenen,  bleibt  die  Ziffer
der  berufslosen  weiblichen  Blinden  die  weitaus  überwiegende.

Was  die  einzelnen  Erwerbszweige  betrifft,  so  scheinen  die  Blinden  am  häufigsten  in
der  Landwirtschaft  und  Gärtnerei  2c.  und  in  der  Industrie  der  Holz=  und  Schnigtzstoffe
Beschäftigung  zu  finden  (55,  bezw.  48,4  von  je  1000),  sodann  in  dem  bürgerlichen  und
kirchlichen  Dienst  und  den  sogenannten  freien  Berufsarten  (24),)  sowie  im  häuslichen  Dienst
oder  als  Lohnarbeiter  (22,).  In  dem  Handelsgewerbe,  der  Textilindustrie  und  dem  Gewerbe
  der  Bekleidung  und  Reinigung  waren  immerhin  noch  16,5  bezw.  14,,  und  8,  von
je  1000  männlichen  und  weiblichen  Blinden  tätig.  Die  übrigen  Berufsarten  haben  anscheinend
  eine  weit  geringere  Bedeutung  für  die  Blinden.

Betrachtet  man  die  Erwerbstätigkeit  der  Blinden  nach  dem  Geschlechte  der  letzteren
getrennt,  so  folgen  sich  die  hauptsächlichsten  Berufsgruppen  ihrer  Häufigkeit  nach  in  folgender
unter  sich  etwas  abweichender  Weise;  bei  den  männlichen  Blinden:  Landwirtschaft  rc.,
Industrie  der  Holz=  und  Schnitzstoffe,  freie  Berufsarten  rc.,  Handelsgewerbe,  häusliche  Dienste
und  Lohnarbeit,  Textilindustrie;  bei  den  weiblichen  Blinden:  Landwirtschaft  2c.,  häusliche
Dienste,  Holz=  und  Schnitzstoffindustrie,  Textilindustrie,  Handelsgewerbe,  freie  Berufsarten  2c.
Von  den  an  später  entstandener  Blindheit  leidenden  männlichen  und  weiblichen  Personen
scheint  gleichfalls  die  Landwirtschaft  und  Gärtnerei  als  Beruf  bevorzugt  zu  werden,  während
bei  den  angeboren  oder  frühzeitig  Blinden  die  Beschäftigung  in  der  Industrie  der  Holzund
  Schnitzstoffe  die  erste  Stelle  in  der  Häufigkeitsreihe  einnimmt.

In  den  einzelnen  Bundesstaaten  zeigten  die  vorstehenden  Ziffern  der  Berufshäufigkeit
manche,  zum  Teil  recht  erhebliche,  Höhenunterschiede.  So  waren  in  dem  Industriestaate

Sachsen  relativ  viele  Blinde  in  gewerblichen  Berufszweigen  und  im  Handelgewerbe,  und
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