Zu  den  dankbarsten,  aber  auch  —  bei  dem  Mangel  an  Vor—
arbeiten  —  schwierigsten  Aufgaben  der  posener  provinziellen  Ge—
schichtsschreibung  gehört  die  Tätigkeit  Friedrichs  des  Großen  und
seiner  beiden  Regierungsnachfolger  für  die  Hebung  des  durch  die
polnische  Verwaltung  namentlich  in  wirtschaftlicher  Beziehung  tief
gesunkenen  Landes.  Wir  werden  versuchen,  an  der  Hand  des
überaus  reichen  Quellenmaterials  des  Posener  Staatsarchivs  ein
möglichst  umfassendes  und  genaues  Bild  jener  segensvollen  Tätigkeit
  zu  geben,  wie  sie  sich  in  Wirtschaft  und  Verwaltung,  Recht
und  Verfassung  entfaltet  hat.

Friedrich  der  Große  war  nicht  der  erste  preußische  Regent,
der  seinen  Landen  die  aufmerksamste  unermüdliche  Fürsorge  zu
Teil  werden  ließ.  Schon  der  große  Kurfürst  hatte  an  der  Wiederherstellung
  des  durch  den  dreißigjährigen  Krieg  furchtbar  heimgesuchten
  Volkswohlstandes  mit  einer  Beharrlichkeit  gearbeitet,  die
um  so  bewunderungswürdiger  erscheint,  als  gerade  dieser  Fürst
fast  während  seiner  ganzen  Regierung  in  Kriege  und  politische
Händel  verwickelt  war,  die  eine  minder  energische  und  pflichtbewußte
  Natur  jener  friedlichen  Tätigkeit  abspenstig  gemacht  haben
  würden.  Sein  Sohn  und  Nachfolger  versäumte  es,  in  dieser
Beziehung  in  die  Fußstapfen  des  Vaters  zu  treten.  Dagegen  führte
Friedrich  Wilhelm  I.  wieder  mit  einer  Hingebung  und  Ausdauer
ohnegleichen  die  wirtschaftlichen  Reformen  des  Großvaters  weiter
fort.  Gegenüber  den  schwankenden  und  vielfach  erfolglosen  Versuchen
  seines  Vaters,  wie  sie  vor  allem  in  dem  Erbpachtsystem
der  Domänen  zutage  treten,  erscheint  die  Persönlichkeit  dieses  Monarchen
  in  ihrer  eisernen  Willenskraft  und  konsequenten  Staatsraison
  um  so  anziehender.  Mit  dem  vollen  Bewußtsein  seiner  Aufgabe
  sehen  wir  ihn  die  germanisierende  Tätigkeit  seiner  Vorgängänger
  wieder  aufnehmen,  wenn  er  durch  Kolonisierung  und  Einführung
  deutscher  Wirtschaft  im  steten  Widerspruch  mit  den  lo-1

