Seelen  (heute  über  eine  halbe  Million).  Die  Fruchtbarkeit  des
Bodens  war  eine  sehr  ungleichartige.  Die  bevorzugtesten  Gegen—
den  waren  der  Netzebruch  und  die  Gegend  um  Inowrazlaw.  Da—
gegen  fand  sich  bei  Bromberg  nur  sehr  magerer  und  schlechter
Boden  vor.  Zwischen  der  Netze,  Weichsel,  Drage  und  der  pommerellen'schen
  Grenze  lagen  zusammen  27  Städte,  die  kaum  den
Namen  von  Marktflecken  verdienten  und  größtenteils  nur  von
Juden  bewohnt  waren.  Ein  Viertel  des  Bodens  lag  gänzlich  ohne
jede  Kultur.  Wo  noch  Handel  und  Wandel  einigermaßen  kümmerliche
  Blüten  trieben,  war  es  in  den  deutschen  und  protestantischen
  Orten.  Die  Städte  hatten  bessere  Zeiten  gesehen,  waren  sie
doch  fast  alle  im  13.  Jahrhundert  mit  dem  sogenannten  Magdeburgischen-Recht
  ausgestattet  worden,  das  die  Bürger  der  gerichtlichen
  Gewalt  der  königlichen  Beamten  enthob  und  ihnen  einen
freigewählten  Rat  und  eigenes  Recht  gewährte.  Aber  die
ständigen  inneren  und  äußeren  Kriege  und  im  Gefolge  derselben
einherziehende  furchtbare  Epidemien  und  Brände,  Bedrängnisse
aller  Art  seitens  der  auf  die  „Deutschen“  scheel  blickenden  polnischen
  Schlachzizen  und  der  gegen  die  „Dissidenten“  unduldsamen  und
verfolgungswütigen  Jesuiten  hatten  allgemach  den  vollständigen  Ruin
dieser  Städte  herbeigeführt.  Sie  waren  verödet,  es  gab  in  ihnen  fast
dreimal  soviel  wüste  Baustellen  als  Gebäude.  Einige  Städte  glichen
mehr  Trümmerhanfen  als  menschlichen  Ansiedlungen.  Noch  zwanzig
Jahre  später  wies  beispielsweife  Bromberg  zahlreiche  Häuserruinen  auf;
bei  der  Besitzergreifung  waren  nur  5—600  Einwohner  vorhanden,
welche  sich  kümmerlich  nährten.  Die  Wohnhäuser,  sämtlich  niedrig
und  schlecht,  waren  größtenteils  mit  hölzernen  Spähnen  eingedeckt.
  In  den  Straßen  mußte  man  einige  Fuß  tief  graben,  bis
man  unter  Schutt  und  Unrat  das  Straßenpflaster  vorfand.  Uebelriechende
  Sümpfe  an  den  Stadtmauern  und  andern  Stadtgrenzen
  belästigten  das  Geruchsorgan.  Vergebens  erspähte  das  Auge
einen  Garten;  nicht  einen  einzigen  Obstbaum  konnte  man  finden.
Nicht  nur  in  der  Erde  alter  Baustellen,  sondern  auch  in  vielen
noch  brauchbaren  Kellern  fand  man  menschliche  Gerippe.  Als
Inowrazlaw  im  Sommer  1775  abgebrannt  war,  äußerte  der  König,
  dies  nehme  ihn  nicht  Wunder,  da  er  keine  miserabler  gebaute
Stadt  gesehen.  Die  jährlichen  Einkünfte  der  Croner  Stadtkämmerei
waren  derart,  daß  man  kaum  einen  Stadtdiener  besolden  konnte.