werde  Ich  zwar  die  Einschränkung  dieser  Feiertage  auf  den  Schlesischen
Fuß,  sobald  nur  ein  neuer  Pabst  wird  gewählet  seyn,  schon  zu  erhalten
suchen  und  habe  auch  Meinem  Departement  der  Geistlichen  Geschäftedas
  desfalls  nötige  bereits  aufgegeben:  inzwischen  müssen  die  unbestellt
gebliebene  Winterfelder  nicht  unbesäet  gelassen,  sondern  gleich  im  Frühjahre
  mit  Sommer-Roggen  oder  anderes  Sommer-Getreide  ohnfehlbar
bestellet  werden:  als  wohin  Ihr  dann  nebst  der  Kammer  gehörig  zu  sehen.
nicht  unterlassen  müsset.

Potsdam,  den  11.  December  1774.
Friedrich.

An  den  Kammerdirector  v.  Gaudi.
Instructionen  für  das  Retablissement  Westpreußens.

Cs  ist  Mein  Hauptaugenmerk  sehr  dahin  gerichtet,  die  Distrikte  an
der  Netze  immer  mehr  aufzuhelfen,  und  die  Städte  und  das  platte
Land  nach  und  nach  in  eine  bessere  Aufnahme  zu  bringen.  Ich  habe  Euch
also  Meine  deshalb  habende  Aussichten,  damit  Ihr  Euch  darnachtum  so  mehr
richten  könnet,  hierdurch  bekannt  machen  wollen.

1.  Bey  Inowraclaw  und  der  Gegend  giebt  es  viele  Moräste  und
andere  Plätze,  wo  sich  viele  Oeconomie  anbringen  läßt,  wenn  solche  urbar
gemacht  und  Kolonisten  darauf  angesetzet  werden;  und  weil  es  dorten
an  Menschen  fehlet,  so  wäre  es  Mir  schon  recht,  wenn  sich  die  jetzt  an
der  Polnischen  Grentze  aufhaltende  Tartaren  in  den  Gegenden  in  Meinem
Lande  niederlassen  wollten.  Ich  wolte  solche  zu  Kriegs-Zeiten  zu  Soldaten
  gebrauchen  und  in  Friedens-Zeiten  solten  sie  ruhig  bey  den  Ihrigen
zu  Hause  gelassen  werden.  Ihr  habt  Euch  demnach  alle  Mühe  zu  geben,
wie  Ihr  solche  hereinziehet;  Ich  will  ihnen  auch  Moscheen  bauen,  ihnen
allen  Schutz  angedeihen  lassen  und  sie  überhaupt  wie  Meine  übrigen
Unterthanen  behandeln.

2.  Ermangelt  es  den  Städten  im  Netze  District  sehr  an  Professionisten
und  Handwerkern,  und  besonders  an  geschickten  Creyssphysicis  und  Apothekern
  und  die  armen  Leute  müssen  immer  weit  gehen,  wenn  sie  einen
oder  den  andern  davon  gebrauchen.  Ihr  habt  also  dahin  Bedacht  zu
nehmen,  daß  wenigstens  in  jedem  Creyse  ein  tüchtiger  Creys-Physicus
bestellet,  auch  hin  und  wieder  in  den  Städten  geschickte  Apotheker  etabliret
werden.  Es  wird  solches  zwar  einige  Kosten  verursachen,  allein  Ich
werde  solche  gerne  hergeben,  wenn  meine  Unterthanen  dadurch  nur  soulagiret
  werden.  Ich  verstehe  hierunter  auch  Bader  und  Chirurges.

3.  Drittens  habt  Ihr  eine  Liste  von  allen  in  dortigen  Städten  befindlichen
  Handwerkern  aufzunehmen,  und  dabey  zu  examinieren,  was  für
welche  jeden  Orts  noch  nöthig  sind  und  sodann  dafür  zu  sorgen,  daß
die  fehlende  successive  angesetzet  werden;  wobey  Ihr  dann  besonders
darauf  zu  sehen,  was  für  Handwerker  jeden  Orts  sich  zum  besten  schicken
und  am  nöthigsten  sind,  auch  zum  besten  sich  nähren  und  bestehen  können.