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An  den  Oberpräsidenten  v.  Domhardt.

Cinrichtung  von  Landgestüten  in  Westpreußen;  Heranziehung  von  Colonisten
  aus  Mecklenburg.

Ich  habe  Cuch  auf  Euren  Bericht  vom  25.  August  und  in  Ansehung
der  darin  gethanen  Vorschläge  wegen  der  einzurichtenden  Land-Gestüthe,
hierdurch  zu  erkennen  geben  wollen,  daß  wir  damit  ein  bisgen  behende
zu  Werke  gehen  müssen,  denn  erstlich  kann  Ich  für  ein  dergleichen  Pferd
für  die  Husaren  nicht  mehr  wie  dreißig  und  einige  Thlr.  geben;  die
Leute  aber  ziehen  dorten  solche  Pferde,  die  sie  vor  120  Thlr.  und  drüber
verkaufen  können,  sie  würden  also  sehr  dabey  zu  kurz  kommen,  wenn  sie
statt  dessen  nur  30  bis  40  Thlr.  dafür  kriegen  sollen;  das  geht  also
gar  nicht  an,  und  würde  dem  dortigen  auswärtigen  Pferdehandel  großen
Tort  thun.  Zum  zweyten  sind  die  Pferde  in  der  Wallachey  beständig,
auch  des  Nachts,  draußen  unter  freyem  Himmel,  das  macht  sie  eben  sodauerhaft.
  Die  Pferde  in  Preußen  aber  werden  des  Nachts  in  Ställen
gehalten  und  werden  sie  also  wohl  nicht  so  hart  und  dauerhaft  werden,
wie  die  Wallachische  Pferde.  Diese  Umstände  muß  man  also  vorher  wohl
überlegen  und  in  genaue  Erwägung  ziehen,  ehe  man  zur  Sache  schreitet,
damit  man  nicht,  anstatt  was  gutes  zu  bewirken,  Schaden  anrichtet,
und  die  gute  Pferdezucht  dorten  verdirbet:  denn  da  haben  sie  die  sogenannte
  Doppel  Lithauer,  das  eine  recht  gute  Art  von  Pferden  ist.  Ihr
werdet  also  das  alles  noch  näher  überdenken  und  mit  aller  Attention
prüfen,  und  Mir  dann  wieder  darüber  berichten.

Uebrigens  ist  das  recht  gut,  daß  Ihr  Euch  angelegen  seyn  lassen,
Mecklenburgische  Familien  nach  Westpreußen  hin  zu  ziehen,  und  müsset  Ihr
suchen,  noch  mehr  dergleichen  und  auch  aus  Sachsen  so  viel  es  nur
angeht,  zu  kriegen  und  da  anzusetzen,  damit  die  Leute  unter  einander
ein  bisgen  meliret  werden  und  nicht  lauter  Pohlnisches  Zeug  allein
dorten  ist,  sondern  auch  mit  unter  gute  teutsche  Leute  da  wohnen.  Welches
Ihr  also  besorgen  werdet.

Potsdam  den  1.  September  1779.
Friedrich.

Andie  Westpreußische  Kammer  zu  Marienwerder.

Maßregeln  zur  weiteren  Hebung  der  Kultur  Westpreußens.

Se.  Königl.  Maj.  haben  Dero  Westpreußische  Kammer  verschiedentlich
  zu  erkennen  gegeben,  daß  der  Hauptfehler  in  dortiger  Provinz  darin
bestehet,  daß  die  Beamte  und  Unterthanen  nicht  den  gehörigen  Fleiß
auf  die  Cultur  und  Bearbeitung  ihres  Landes  und  des  Ackerbaues  wenden,
sondern  diese  Sache  gar  zu  sehr  negligiren,  und  wenig  Mühe,  nach
Pohlnischer  Art,  sich  darum  geben:  daher  es  denn  kommt,  daß  ein
Teil  klagt  über  Mißwachs  und  der  andere  über  Mangel  von  Absatz.  So
widersprechend  dieses  nun  an  sich  ist,  so  gehet  doch  so  viel  daraus  hervor,
daß  es  durchgehends  an  der  gehörigen  Ordnung  und  Anweisung  fehlet.