—  105  —

können,  denn  es  kömmt  vornehmlich  darauf  an,  den  Rindviehstand  in  der
Gegend  zu  vermehren  und  zu  verbessern.  H  An  der  Netze  herauf,  nach
Inowraclam  zu  ist  der  Erdboden  so  fett,  daß  sie  keinen  Dünger  gebrauchen,
deshalben  achten  sie  so  wenig  darauf,  daß  sie  den  Mist  ins  Wasser
werfen,  da  kömmt  es  nun  darauf  an,  es  zu  veranstalten,  daß  der  Dünger,
den  sie  dorten  nicht  gebrauchen,  statt  solchen  in  das  Wasser  zu  werfen,
dorten  auf  Prahmen  geladen  und  so  zu  Wasser  nach  Nackel  und  der
Gegenden  hingeschaffet  wird,  wo  schlechtes  Land  ist.  Jedoch  muß  davon
zuvor  ein  genauer  Ueberschlag  gemacht  werden,  da  die  Netze  in  der
Gegend  sehr  krumm  ist,  was  diese  Anstalt  kosten  möchte  und  ob  dabei
deshalben  ein  Nutzen  herauskommt  und  wie  das  am  besten  zu  bewerk—
stelligen.  Sodann  muß  5)  sowohl  bei  die  Beamte  als  bei  die  von
Adel  und  Unterthanen  ganz  genau  darnach  gesehen  werden,  daß  ihre
Wirthschaft  besser  geführet,  ihre  Felder  ordentlicher  bestellet  und  eher
wenig  Land  und  das  ordentlich  cultiviret,  als  eine  große  Strecke  besäet
werden,  was  sie  nicht  gehörig  bedüngen  und  bestreiten  können.  Sonach  ist
6)  darauf  zu  sehen,  an  Orten  wo  fünf=  oder  sechsjähriges  Land  ist,  daß
da  Futterkräuter  gesäet  werden,  damit  die  Leute  mehr  Vieh  halten  und
den  Rindvieh-Stand  vermehren  können,  um  mehr  Dünger  zu  bekommen
und  das  Land  besser  nutzen  können.  7)  Der  Schaf-Vieh-Stand  kann  in
der  Provinz  ungemein  augmentirt  werden,  und  hierauf  muß  der  Kammer
Direktor  mit  allem  Fleiß  sehen,  damit  sie  mehr  Wolle  gewinnen,  und
keine  polnische  Wolle  weiter  nöthig  haben.  Deren  gegenwärtig  noch  eine
große  Quantité  eingeführet  wird,  weil  sie  im  Lande  zur  Verarbeitung
nicht  genug  haben.  Es  versteht  sich,  daß  dieses  nicht  auf  einmal  zu
prestiren.  sondern  das  kann  nur  nach  und  nach  geschehen;  wenn  aber
in  denen  Sachen  kein  Anfang  gemacht  wird,  so  bleibt  das  immer  wie
es  ist.  Sodann  muß  8)  in  denen  Gegenden  von  Inowraclaw  an  nach—
geschen  und  ordentlich  überschlagen  werden,  wie  viele  Wiesen  sie  dorten
haben?  Wie  viel  Vieh  sie  dorten  ausfüttern  können?  Wie  stark  der
gegenwärtige  Viehstand  ist?  und  um  wie  viel  solcher  verstärkt  werden
kann,  und  dafür  muß  denn  auch  gesorget  und  solche  Anstalt  gemacher
werden,  daß  die  Butter,  die  sie  mehr  gewinnen  als  zur  Consumtion
erforderlich,  auf  der  Netze  nach  Berlin  zum  Verkauf  geschafft  wird.  Hiebei
ist  aber  nöthig,  einen  genauen  Ueberschlag  zu  machen,  was  die  Butter
auf  der  Stelle  kostet?  Wie  hoch  sich  die  Transportkosten  belaufen?  Und
zu  welchem  Preis  zu  Berlin  wieder  verkauft  werden  kann?  Damit  die
Leute  dabei  gewinnen  und  encouragiret  werden,  sich  mehr  auf  das  Buttermachen
  zu  befleißigen.  9)  So  muß  auch  darauf  gesehen  werden,  daß  die
Viehzucht  besser  betrieben  und  besonders  mehr  Schlachtvieh  zugezogen
wird,  damit  dergleichen,  wie  bisher  geschehen,  nicht  mehr  aus  der  Fremde
hereingelassen  werden  darf.  Welches  auch  an  sich  gänzlich  verboten  sein
soll.  10)  Zur  Aufnahme  der  Provinz  gehört  vorzüglich,  daß  die  Fabriquen
und  Manufakturen  in  denen  Städten  besser  aufgeholfen  werden.  In
dieser  Absicht  muß  der  Direktor  exacte  Listen  von  der  Importation  und