—  115  —

Bedienten  noch  an  der  erforderlichen  Attention  und  Betriebsamkeit.  Ich
selbst  kann  mich  um  das  ganze  Detail  nicht  so  genau  bekümmern,  und  um
des  willen  habe  ich  es  Euch  besonders  auftragen  wollen,  Eure  Be—
mühungen  darauf  zu  wenden  und  die  dortige  Collegia  zu  mehrern  Fleiß
anzuhalten,  damit  dieselbe  die  Dienstangelegenheiten,  wie  sie  es  sind,
für  die  Hauptsache  halten  und  bei  ihren  Bereisungen  die  erforderte  Attention
  auf  die  Umstände  wenden,  worauf  sich  solide  Verbesserungsvorschläge
  gründen  lassen.  Solche  Verbesserungen  sind  in  Westpreußen  noch
ein  Haufen  zu  machen,  besonders  in  dem  an  der  Netze  und  da  herum
gelegenen  Gütern  solcher  polnischen  Edelleute,  die  ihren  Aufenthalt  in
Polen  haben,  sich  um  die  Meliorationen  ihrer  Güter  nicht  bekümmern
und  dazu  leicht  80,000  Thlr.  im  ganzen  betragende  Revenües  aus  dem
Lande  schleppen;  welches  zumal  für  eine  so  schlecht  beschaffene  neue  Provinz
  von  nachtheiligern  Folgen  ist,  als  wenn  aus  einem  eingerichteten
Lande  wie  Sachsen  50,000  Thlr.  jährlich  auswärs  gehen.  Aus  Sem  Grunde
bin  ich  auch  gewillet,  die  Güter  solcher  Polnischen  von  Adel,  besonders
wenn  sich  darin  Gelegenheit  zu  Verbesserungen  findet,  an  mich  zu  kaufen;
denn  von  Mir  enhält  das  Land  den  Ertrag  solcher  Güter  zurück,  und
dadurch  erhält  es  sich.  Meine  Absicht  geht  besonders  auf  die  Gegenden,
welche  mit  großen  und  weitläufigen  Brüchern  versehen  sind  und  auf
deren  Urbarmachung,  wenn  solche  füglich  abgelassen  und  Wiesen  daraus
gemacht  werden  können.  Die  darauf  zu  etablirenden  Holländereien  müssen
aber  ins  Große  gehen  und  viele  tausend  Kühe  enthalten,  damit  daraus
ein  beträchtlicher  Butter-Betrieb  nach  Warschau  bewirkt  und  davon  wieder
eben  so  viel  Geld  ins  Land  gezogen  werde,  als  die  hiesigen  Gegenden
für  Burter  nach  Sachsen  schicken.  Zur  Besorgung  solcher  Holländereien
taugen  aber  die  Pohlen  nicht,  sondern  es  müssen  dazu  Leute  aus  dem
Meklenburgischen  und  Holsteinischen  verschrieben  werden,  die  mit  der  Viehzucht
  und  dem  Buttermachen  recht  eigentlich  umzugehen  wissen.  Demnächst
  fangen  zwar  die  Preußen  an,  etwas  industriöser  und  aufgeklärter
zu  werden,  und  es  hat  mich  dies  sowohl  als  der  Fortgang  der  Fabrifken,
überhaupt  gefreut.  Vorzüglich  muß  man  dahin  sehen,  daß  die  neue
Tuch-Manufaktur  zu  Culm  in  Aufnahme  kommt,  damit  die  zeithero  aus
Polen  nach  Holland  verfahrene  und  daselbst  verarbeitete  Wolle  künftig
nach  Culm  gezogen  und  allda  genutzt  werde;  welches  um  so  thunlicher
ist,  da  an  letzterem  Orte  die  daraus  fabricirten  Tücher  wohlfeiler  gemacht
und  verkauft  werden  können  als  in  Holland.  Auch  die  Gerbereien  muß
man  in  Aufnahme  zu  bringen  suchen,  da  die  rohen  Felle  genugsam  aus
Polen  zu  haben  sind  und  dieses  Gewerbe  für  Preußen  große  Vortheile
verspricht.  Einer  ganz  besonderen  Aufsicht  bedürfen  die  Ziegelbrennereien,
deren  Einrichtung  mir  noch  keineswegs  gemacht  zu  sein  scheint,  so  wie
sie  die  Steine  (denn  auch)  noch  zu  verschiedenen  und  zu  hohen  Preisen
verkaufen,  auch  in  Ansehung  des  Holtzes  von  mancherley  Unterschleifen
den  Verdacht  erwecken.  Ein  großer  Fehler  in  der  Einrichtung  der  Provintz
  liegt  aber  auch  darin,  daß  die  Bauern  zum  Theil  zu  viel  und  zu